Newsticker

Koalitionsausschuss einigt sich auf milliardenschweres Konjunkturpaket
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. "Ulmer Nest": Stadt Ulm hält an Schlafkapseln fest

Ulm

20.03.2020

"Ulmer Nest": Stadt Ulm hält an Schlafkapseln fest

Die Schlafkapseln in Ulm haben sich bewährt. Das „Ulmer Nest“ am Alten Friedhof bekommt aber einen neuen Standort. Zu verlassen, zu dunkel sei es hier.
Bild: Alexander Kaya

Plus Das "Ulmer Nest" für Obdachlose soll auch in Zukunft Unterschlupf bieten. Die Entwickler ziehen nach der Testphase ein positives Fazit. So geht es nun weiter.

Die zwei Ulmer Schlafkapseln werden zur Dauereinrichtung. Der Sozialausschuss des Ulmer Gemeinderats stimmte mehrheitlich für die mobilen Obdachlosenunterkünfte. "Sie haben ihren Zweck erfüllt, die Entwickler haben positive Erfahrungen gemacht", sagt Holger Hördt, der für die Ulmer Stadtverwaltung das Projekt begleitete.

Das "Ulmer Nest" ist ein Notfall-Erfrierungsschutz für Obdachlose, es bietet einen Rückzugsort für kalte Nächte. Entwickler Falko Pross erklärt, wie die Schlafkapsel funktioniert und welche Idee dahinter steckt.

Die Erprobungsphase des Projekts wurde Anfang Oktober vergangenen Jahres eingeleitet. Die beiden Prototypen der Ulmer Nester wurden, wie berichtet, am Karlsplatz und in der Nähe der Pauluskirche, am Eingang der Parkanlage Alter Friedhof in Ulm, aufgestellt und im Echtbetrieb getestet.

Ulm: Stadt Ulm schafft zwei Schlafkapseln dauerhaft an

Die Universität Kassel begleitete das Projekt wissenschaftlich und kommt zu folgenden Schlüssen: Die Ulmer Nester werden sowohl von den Nutzenden als auch von der potenziellen Zielgruppe vorwiegend positiv bewertet. Für einige potenzielle Nutzer stellen Vorurteile und Berührungsängste ein Nutzungshindernis dar. Es gab keine Konflikte unter den Wohnungslosen um die Belegung der Nester. Interessierte Anwohner haben die Nester größtenteils positiv aufgenommen. Der Standort Alter Friedhof wurde negativ bewertet, der Standort am Karlsplatz wurde als vorteilhaft angesehen.

"Ulmer Nest": Stadt Ulm hält an Schlafkapseln fest

Wie Hördt auf Nachfrage sagt, wurde im Ausschuss nicht kontrovers diskutiert. Lediglich die Verwendung des Wortes "Erfrierungsschutz" wurde diskutiert. Dies ist nämlich auch ein Fachbegriff aus dem Gebiet der Wohnungslosenhilfe. Hördt macht klar: Das "Ulmer Nest" ist kein Erfrierungsschutz im juristischen Sinne. Die Zielgruppe: Menschen ohne Obdach, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur andere Menschen meiden.

"Ulmer Nest": Projekt Erfrierungsschutz für Obdachlose bleibt bestehen

Der Temperaturunterschied zwischen innen und außen betrug laut Studie im Schnitt zwischen fünf und sechs Grad. Das sind Bedingungen, in denen ein Mensch durchaus an Unterkühlung sterben kann. Mit einer Wärmebildkamera wurden Isolationsschwachstellen ausfindig gemacht und optimiert. Über zusätzliche Isolierung soll der Temperaturunterschied weiter verbessert werden.

Entgegen ersten Vermutungen der Stadtverwaltung sowie der Entwickler, der Neu-Ulmer Firma Bootschaft, zeigen sich klar positive Faktoren bei dem belebteren Standort Karlsplatz. Aufgrund der positiven Erfahrungen hier werde dieser Standort auch ab Winter 2020/2021 beibehalten. Der Standort "Alter Friedhof" soll aufgrund der negativen Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung geändert werden. Daher wird ab Winter 2020/2021 ein neuer Standort erprobt. Hierzu finden noch Gespräche mit den Beteiligten statt. Als mögliche Standorte kommen unter anderem der Blaupark oder Kobelgraben in Betracht.

"Ulmer Nest": Eine Schlafkapsel bekommt einen neuen Standort in Ulm

Die Schlafkapsel am Alten Friedhof viel bei den Nutzern wegen ihrer abgelegenen Lage in der Dunkelheit durch. Gefühle von Unsicherheit seien hier aufgekommen.

Die zukünftigen laufenden Kosten für den Regelbetrieb betragen insgesamt etwa 5700 Euro jährlich. Die einmaligen Kosten aus der Überarbeitung beider Ulmer Nester aufgrund der Erkenntnisse aus dem Echtbetrieb belaufen sich auf insgesamt 7600 Euro. Konkret stehen eine Überarbeitung der Dichtungssituation an der Klappe, eine bessere Isolierung, die Überarbeitung der Liegeflächen und eine Versiegelung der Kanten der beiden 450-KiloHolz-Kisten an. Die Ulmer Verwaltung wird weiter prüfen, ob und wie die Kisten angenommen werden, und den Ulmer Stadträten die Ergebnisse präsentieren.

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren