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Ulm

29.01.2019

Ulmer Trauma-Box soll Leben retten

Bald in allen Schulen: Die „Ulmer Trauma-Box“.
Bild: Alexander Kaya

Zwei von drei Menschen könnten schwerwiegende Unfälle überleben - doch sie verbluten. Eine Initiative aus der Münsterstadt will dem entgegenwirken.

Mit dem „Ulmer Koffer“ hat die Münsterstadt längst einen festen Platz in sämtlichen Lehrbüchern der Notfallversorgung. Nach diesem von Professor Friedrich Wilhelm Ahnefeld entwickeltem Standard-Equipment für Notärzte schickt Ulm sich erneut an, wegweisend in Sachen Ausrüstung für das Rettungswesen zu sein: „Weltpremiere“ feierte am Montag die „Ulmer Trauma-Box“ im Foyer des Ulmer Rathauses. Die auf Initiative der Deutschen Traumastiftung sowie einem Tochterunternehmen der Heidenheimer Firma Paul Hartmann entwickelte Kiste soll nach den Worten von Ulms OB Gunter Czisch sich von sämtlichen Ulmer und Neu-Ulmer Schulen und Bussen flächendeckend auf ganz Europa ausbreiten.

Der Hintergrund: Weltweit sterben laut der Deutschen Traumastiftung mehr Menschen durch Unfälle als aufgrund von Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Aids. Zwei von drei Menschen könnten nach Unfällen gerettet werden, so Professor Thomas Wirth, der Präsident der Deutschen Traumastiftung. Doch sie verbluten. Gegen diese häufigste Todesursache bei Verletzungen soll die Trauma-Box helfen.

Mit dem Inhalt der Trauma-Box können Laien zu Lebensrettern werden

In den leuchtend gelben Spendern befinden sich Päckchen mit aufgedruckter Kurzanleitung sowie zwei Utensilien, die auch dem Laien ermöglichen sollen, Leben zu retten: Ein Tourniquet, also eine Aderpresse, zum Abbinden stark blutender Wunden oder abgetrennter Gliedmaßen plus ein auch von der Schweizer Armee verwendeter spezieller Druckverband. Zudem sind Schutzhandschuhe im Trauma-Set beigelegt.

Der Spender sei im Notfall einfach zu öffnen und soll nach dem Willen der Traumastiftung bald zur Grundausstattung von Unternehmen sowie sämtlicher öffentlich zugänglicher Plätze wie Einkaufszentren oder Flughäfen gehören. Wertvolle Minuten könnten so überbrückt werden, bis medizinisches Fachpersonal eintrifft.

Wirth betonte, dass es sich nur scheinbar um einen einfachen Beutelspender handle. Allein wegen des Medizinproduktegesetzes, das die rechtlichen Anforderungen sämtlicher medizinische Geräte regelt, seien hohe Hürden zu überwinden gewesen. Dass der Anstoß für eine flächendeckende Verfügbarkeit von Sets zur Stillung einer schweren Blutung aus Ulm kommt, ist nach Ansicht von OB Czisch kein Zufall. Mit dem Zentrum für Traumaforschung der Universität Ulm sowie dem Bundeswehrkrankenhaus, in dem regelmäßig Verletzungen aus Kriegen behandelt werden, habe die Münsterstadt eine Sonderstellung in diesem Bereich. Nicht zuletzt deswegen hat auch die Deutsche Traumastiftung ihren Sitz in Ulm.

Über den Verkaufspreis will in Ulm noch niemand reden

Noch wurden im Ulmer Rathaus Prototypen der Trauma-Box vorgeführt. Nach dem Start der Serienproduktion ist eine bundesweite Aufklärungs- und Informationskampagne geplant, die Menschen über Unfalltraumata informieren und bei der Ersthilfe unterstützen soll.

Über den geplanten Verkaufspreis für die „Ulmer Trauma-Box“ wollte in Anbetracht der noch nicht gestarteten Serienproduktion sowie der herausragenden lebensrettenden Bedeutung des Inhalts weder die Traumstiftung noch die Firma Hartmann reden. Doch es sei klar, dass der Preis unter den Kosten für eine Blutkonserve liege. Und diese würden im Normalfall um die 100 Euro betragen.

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