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Carl Walther

25.02.2014

Ulmer Waffen in Kolumbien für Exekutionen eingesetzt?

Waffen „Made in Ulm“: Die Polizeien vieler Bundesländer wählten die Walther P99. Irgendwie gelangten auch welche nach Kolumbien. Archiv-Foto
Bild: Oliver Helmstädter (Archiv)

Die Walther P99 wird offenbar im Bürgerkriegsland für Exekutionen verwendet. Gegen den Ulmer Waffenhersteller wurde Strafanzeige erstattet.

Nach Heckler & Koch steht jetzt der nächste deutsche Waffenhersteller im Fokus der Justiz. Gegen die Ulmer Firma „Carl Walther“ wurde Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz erstattet. Nach Informationen von Jürgen Grässlin und seinen zwei Mitstreitern Christine Hoffmann sowie Paul Russmann von der Aktion „Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!“ gebe es deutliche Hinweise darauf, dass Pistolen vom Typ Walther P99 im großen Stil im kolumbianischen Bürgerkrieg für Exekutionen eingesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft Ulm bestätigte gestern, dass eine Anzeige gegen „einen Waffenproduzenten“ eingegangen ist und prüft nun, ob ein ausreichender Anfangsverdacht zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens besteht.

Seit Jahrzehnten tobt in Kolumbien ein blutiger Bürgerkrieg. Nach den Grundsätzen der Bundesregierung zum Export von Rüstungsgütern sind Waffenlieferungen nach Kolumbien daher nicht genehmigungsfähig. Außergerichtliche Hinrichtungen gehören in dem südamerikanischen Land nach Informationen von Amnesty International zur Tagesordnung. Die Zivilbevölkerung ist Angriffen, Massakern und Entführungen durch alle am bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien ausgesetzt.

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Todbringender Einsatz: Filmaufnahmen wurden ausgewertet

„Hunderte, wenn nicht tausende“ Waffen aus Ulmer Produktion würden für Exekutionen verwendet. Grässlin wertete Filmaufnahmen der SWR-Produktion „Waffen für die Welt – Export außer Kontrolle“ von Daniel Harrich, die gestern ausgestrahlt wurde, aus.

Zum todbringenden Einsatz kommen demnach Pistolen vom Typ P99 mit den Gravuren „Indumil“ und „Made in Germany“ auf dem Handgriff sowie dem amtlichen Beschuss-Zeichen aus Ulm. Indumil ist der Name der kolumbianischen Waffenbehörde. Die Justiz beschäftigt nun, wie die Waffen durch Umgehung der deutschen Gesetze nach Kolumbien gelangten. Auch ein Export über ein anderes Land – etwa die USA – wäre ohne Weiterbelieferungserlaubnis illegal.

„Ich gehe davon aus, dass im Fall Walther in den kommenden Wochen und Monaten weitere Grausamkeiten ans Licht kommen“, sagt Grässlin, der bereits erfolgreich Heckler & Koch wegen illegalen Waffenlieferungen nach Mexiko verklagte.

Tendenziell hätten die „moralischen Skrupel“ bei Waffenproduzenten enge Grenzen. Seine Klage gegen Heckler & Koch habe er bisher aufgrund neu ans Tageslicht gekommener Sachverhalte dreimal erweitert. Grässlin hält auch einen illegalen Technologietransfer von Walther für möglich.

„Überrascht“ zeigte sich gestern Manfred Wörz, der Geschäftsführer von „Carl Walther“ in Ulm, dem Hersteller der James-Bond-Waffe Walther PPK. „Wir sind im höchsten Maße an einer Aufklärung interessiert.“ Man wolle umfänglich mit den Behörden zusammenarbeiten.

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