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Ulm

26.10.2016

Ulmerin kochte für Jackie Kennedy

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„Cooking with Annemarie“: das US-Kochbuch erschien 1984. Annemarie wuchs in einer gutbürgerlichen Ulmer Familie auf.

Als junge Frau verließ Annemarie Huste ihre Heimat. Sie wurde Leibköchin der Präsidenten-Witwe und berühmt. Nun starb sie mit 73. Ein Blick auf ihr Leben und ihre Familie.

Sie gilt als ein Paradebeispiel des amerikanischen Traums: Mit nur drei Dollar in der Tasche verließ Annemarie Huste 1963 als junge Frau Ulm in Richtung USA, wurde Privatköchin von Jackie Kennedy, veröffentlichte Kochbücher und führte eines der edelsten Restaurants in Manhattan. Nun starb die gebürtige Ulmerin mit 73 in New York. Die Tageszeitung New York Times erinnert in der Sonntagsausgabe an diese ungewöhnliche Karriere voller Glanz und Glamour, die erst durch eine Alzheimer-Erkrankung gestoppt wurde.

Getrauert wird auch in Neu-Ulm. Im Stadtteil Pfuhl wohnt heute noch ihr Bruder Lothar Huste mit Familie. Ihr 33-jähriger Neffe Michael lebte mit Mitte 20 mehrere Jahre in New York und lernte so seine Tante noch näher kennen. „Und viel für’s Leben“, wie der Pfuhler sagt. Er erinnert sich gerne an ihre berühmten Bison-Steaks. Der Ulmerin sei es maßgeblich zu verdanken, dass die mächtigen Hornträger einen festen Platz in der US-Küche gefunden haben. „Sie war immer ihrer Zeit voraus“, sagt Michael Huste, der selber in einem gehobenen Restaurant an der Upper-East-Side arbeitete. Mindestens zwei mal jährlich kam Annemarie Huste zu Besuch. Und wenn die Starköchin dann nicht für ihre Familie kochte, sei sie am liebsten in das Ulmer Restaurant „Pflugmerzler“ gegangen.

Im Schuhaus Ratter in Ulm ging Annemarie Huste in die Lehre, bevor sie in die USA auswanderte. Durch einen Zufall geriet die junge Schwäbin in höchste Kreise: Wie die New York Times berichtet, wurde sie von einer Agentur 1966 zum Multimillionär Billy Rose geschickt, sodass andere vermögende Arbeitgeber auf sie aufmerksam wurden. Als der Showgeschäft-Impresario plötzlich starb, flatterte die Einladung für ein besonderes Vorstellungsgespräch in der noblen Fifth Avenue auf ihren Tisch. Danach war sie die Leibköchin der Jackie Kennedy, deren Mann, der US-Präsident John. F. Kennedy, drei Jahre zuvor in Dallas ermordet wurde. Bis der 16. April 1968 kam, der Tag als Annemarie Huste entlassen wurde – offenbar, weil sich die junge Mutter mit der Presse unterhielt und die Präsidenten-Witwe Indiskretionen befürchtete.

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Mit dem Rausschmiss ging der Aufstieg aber erst richtig los: Sie eröffnete eine gefeierte Kochschule, bekam die höchste Gage, die bis dahin für ein Kochbuch bezahlt worden war, wurde Chefköchin des „Gourmet Magazine“, hatte einen Gourmet-Catering-Service und moderierte drei Kochsendungen im Fernsehen. Die gebürtige Ulmerin hatte Geschmack daran gefunden, für die „Oberen Zehntausend“ zu kochen. 1979 eröffnete sie „Annemaries´s Dining Room“, in dem der Geldadel New Yorks speiste. Wie die Zeitschrift Die Woche berichtete, gab sich etwa der frühere US-Vizepräsident Al Gore genauso die Ehre wie Kofi Annan, als er Generalsekretär der Vereinten Nationen war. Öffentlich war das Restaurant nicht. Es gilt vielmehr als das erste „Private Dining“-Lokal, sowie sie heute in Luxuskreisen üblich sind. Ihre Veranstaltungen nannte sie „Partys“. Unter 200 Dollar (184 Euro) gab es keines der Sechs-Gänge-Menus.

2009, bereits unter den ersten Alzheimer-Symptomen leidend, gab sie „Annemaries´s Dining Room“ auf. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt ihre Tochter Bea Huste-Petersen, die in East Islip (New York Long Island) wohnt, über ihrer Mutter. „Mum“ habe gerne darüber gesprochen, dass sie mit drei Dollar in ein fremdes Land gekommen sei, deren Gourmets ihr Jahre später zu Füßen lagen. Letztlich habe ihre Schokoladen-Kreation „Chocolate Normandy“, die sie Multimillionär Billy Rose servierte, sämtliche Türen geöffnet. Denn mit dieser Kalorienbombe begründete die Ulmerin in New York ihren Ruf, besondere Genüsse zaubern zu können. Ihren deutschen Akzent – „very charming - sehr charmant“ – wie ihre Tochter sagt, behielt sie bis zuletzt. Dass sie auch noch Schwäbisch konnte, war 2001 im Fernsehen zu erleben. Für Alfred Biolek kochte sie „Chicken Vinaigre“ – Hühnchen mit Äpfeln, Senf und Calvados. Tochter Bea ist sich ganz sicher: „Heaven has a new Caterer – der Himmel hat einen neuen Lieferservice.“

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