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Weißenhorn

05.06.2013

Unbekannte hissen Flagge auf 60 Meter hohen Funkmast

Eine Flagge wehte in 60 Metern Höhe und wurde gestern entfernt.
Bild: Andreas Brücken

Unbekannte kletterten in Weißenhorn (Kreis Neu-Ulm) auf eine 60 Meter hohe Antenne und hissten eine Flagge. Die Polizei spricht von einer „höchst lebensgefährlichen Aktion“.

Weithin sichtbar wehte sie in den Sturmböen der vergangenen Tage: Eine sogenannte Regenbogenfahne der italienischen Friedensbewegung „Pace“ (zu deutsch: Frieden) haben Unbekannte auf dem 60 Meter hohen Funkmast außerhalb von Weißenhorn neben der Roggenburger Straße gehisst. Die Antenne soll den digitalen Funk der Sicherheitsbehörden im Landkreis Neu-Ulm ermöglichen (wir berichteten). Bislang ist sie aber noch nicht in Betrieb genommen worden.

Mit ihrem Wagemut sind die Pazifisten ein hohes Risiko eingegangen: „Wer da hochsteigt, begibt sich in höchste Lebensgefahr“, sagt Hauptkommissar Hubert Schneider von der Weißenhorner Polizei. Die Ordnungshüter wurden gestern durch einen Anruf aus der Bevölkerung auf die Fahne aufmerksam – und reagierten prompt: Noch am Nachmittag wurde das Friedenssymbol von einem Fachmann der Antennen-Betreiberfirma abgehängt.

In diesen Tagen sind Arbeiter dabei, das Areal rund um den Mast mit einem Zaun zu sichern. Sie hatten die Fahne noch gar nicht bemerkt und wurden gestern erst durch Nachfragen von Polizisten auf die bunte Flagge hingewiesen.

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Aufstieg offenbar länger geplant

Offenbar hatte der unbekannte Kletterer seinen riskanten Aufstieg schon vor einigen Tagen gewagt: Denn die Sprossen der metallenen Steigleiter sind seit kurzer Zeit abgedeckt – um eben solchen Wagemut zu verhindern.

Schneider: „Danach hätten die Kletterer eine fünf Meter hohe Leiter gebraucht, um an dem Mast überhaupt Halt zu finden.“ Oder rohe Gewalt: Doch Aufbruchspuren fanden die Polizisten gestern an dem versperrten Aufstieg nicht vor. Warum die Unbekannten ihr Leben aufs Spiel setzten, um die Fahne zu hissen, ist nicht klar.

Ermittlungen werde die waghalsige Aktion nicht nach sich ziehen, sagte Schneider. „Der Kletterer hat keinen Schaden angerichtet.“ Und auch ein Hausfriedensbruch liege nicht vor – immerhin war das Gebiet rund um die Antenne noch nicht eingefriedet. Dies werde zurzeit aber nachgeholt. Aus Sicht der Polizei haben die Friedensaktivisten äußerst leichtfertig gehandelt: Bei einem Absturz wäre wohl jede Hilfe zu spät gekommen. „Wir warnen eindringlich vor solchen Aktionen“, sagte Schneider.

Der Funkmast an der Roggenburger Straße wurde im Frühjahr aufgebaut. Zusammen mit sieben weiteren im Landkreis Neu-Ulm soll er Ende 2015 den digitalen Funk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) ermöglichen. Dazu gehören etwa Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Wasserwacht und Zoll.

Schwaben ist nach Angaben der staatlichen Arbeitsgruppe „Diginet“ einer der letzten Bereiche in Bayern, die ans digitale Funknetz gehen. Im Kreis Neu-Ulm werden acht Masten das Netz aufrechterhalten, 76 sind es im Bereich Schwaben Süd. Bayernweit werden insgesamt 915 Masten stehen. (caj)

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