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Ulm

23.07.2010

Und es war doch Mord

Die Feuerwehr brachte die Kripo zur unwegsamen Stelle des Knochenfundes mit dem Boot über den See im Kreis Neu-Ulm. Archivbild.
Bild: Rose Böttcher

Ein 48-jähriger Kroate hat seine Frau, mit der er eine Scheinehe führte, getötet. Das Urteil des Ulmer Schwurgerichts wurde jetzt vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Ulm Um in Deutschland zu bleiben, ging ein 48-jähriger Kroate eine Scheinehe ein. Die Frau (48) drohte ihm nach einer gewissen Zeit mit Scheidung, wenn er ihr nicht die Wohnung überlässt und 500 Euro Unterhalt zahlt. Andernfalls melde sie den Behörden die Scheinehe, was eine sofortige Ausweisung nach sich zöge.

Aus dieser misslichen Lage habe sich der Mann nach Auffassung des Ulmer Schwurgerichts befreit, in dem er seine Ehefrau tötete. Er wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Verurteilung vom 15. Januar 2010 wurde jetzt vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Der Angeklagte hatte Revision eingelegt, die jedoch verworfen wurde, weil das Urteil des Landgerichts keine Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten aufweise.

Und es war doch Mord

Mehrere Monate dauerte dieser Prozess, in dem die Kammer unter Vorsitz von Gerd Gugenhan in mühsamer Kleinarbeit die Hintergründe des Todes einer 58-jährigen Frau aufzuklären versuchte, deren Schädel von Anglern 2007 am Häuserhofsee bei Gerlenhofen entdeckt worden war und die Kripo vor eine zunächst unlösbare Aufgabe stellte. Die Gerichtsmediziner konnten immerhin feststellen, dass es sich um eine ungewöhnlich kleine und behinderte Frau mit Beckenschiefstellung handeln musste, die obendrein keine Zähne mehr besaß.

Nach dieser Veröffentlichung in der Zeitung wurde eine Ulmer Bankangestellte hellhörig: Eine ihrer Kundinnen, auf die die äußerliche Beschreibung passte, hatte sie schon Jahre nicht mehr gesehen, obwohl auf ihrem Konto regelmäßig Beträge abgehoben wurden. Sie ging zur Polizei und der Kroate geriet ins Visier der Fahnder.

In Gerlenhofen am See verscharrt

Er räumte sofort ein, Zeuge gewesen zu sein, als seine Frau bei einem Sturz in der gemeinsamen Wohnung im Lehrertal die Zunge verschluckt habe. Seine Rettungsversuche seien vergebens gewesen. Um nicht in den falschen Verdacht zu geraten, habe er sie zum Gerlenhofer See transportiert und dort verscharrt. Zeitpunkt: November 2002.

Da das Paar keine Freunde hatte, wurde die Frau auch von niemandem vermisst.

Der Mann wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Doch im Verlauf des Verfahrens wies das Schwurgericht immer wieder darauf hin, dass auch mit einer Mordanklage aufgrund der Beweislast gerechnet werden könnte. Vor allem die medizinischen Gutachter verwiesen die Aussagen des Angeklagten in den Bereich der Fantasie.

Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, dass der Angeklagte das Opfer eines Plans seiner Frau geworden sei, die durch zwei Scheidungen über genügend Erfahrung verfügt habe, den Mann los zu werden und zur Kasse zu bieten. Ihr Ziel sei es gewesen, in den alleinigen Besitz der Wohnung zu gelangen.

Der Vorwurf einer vorsätzlichen Tötung sei durch die Faktenlage nicht zu begründen. "Wir wissen nicht, ob die Frau erstochen, erschlagen, erdrosselt oder erwürgt wurde. Man weiß zu wenig und kann nicht zulasten des Angeklagten spekulieren", meinte der Anwalt.

Er beantragte eine Strafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Urkundenfälschung und gewerbsmäßigem Betrug, weil der Kroate mit gefälschter Unterschrift über Jahre hinweg die Rente seiner toten Frau kassierte. (bh)

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