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Ulmer Zelt II

06.06.2016

Und jetzt bitte locker kreisen

Einfache Songs, aber gewitzte Darbietung: die französisch-schweizerische Formation Carrousel im Ulmer Zelt.
Bild: Alexander Kaya

Überzeugender Liedermacher-Abend mit Carrousel und Liffey Looms

Der Neo-Chanson-Sound der schweizerisch-französischen Band Carrousel kreiselt locker am Tanzbein. Und beim Ulmer Liedermacher-Duo Liffey Looms bereitet schon das stille Zuhören helles Vergnügen: Im Ulmer Zelt hinterließ dieser zweisprachigen Singer-Songwriter-Abend subtil dosierte Eindrücke.

Der Haupt-Act Carrousel wird durch den Dunst der Bühne gleich mit rhythmischem Klatschen begrüßt. Mit rotem Indio-Schmiss unter dem linken Auge ist der Westschweizer Léonard Gogniat der Melodien-Magier des Weltmusik-Folk-Quintetts. Er greift schon einmal von seiner kernigen Halbakustischen zur zarten Mandoline, wenn Temperamentsbolzen Sophie Burande aus der Auvergne am Megafon den Straßenrock zur ungestümen Collage aufschäumt. Die beiden Protagonisten sind sich in der Provence auf der Terrasse eines kleinen Cafés beim Akkordeonspielen nahe gekommen. Das reichte bis jetzt über den zweiten Platz der Schweizer Ausscheidung für den Eurovision Song Contest („J’avais rendez-vous“) bis hin zum dritten Album „L’Euphorie“.

Das Erfolgsrezept der Neo-Chanson-Band, die zum festen Bestandteil der Schweizer Weltmusikszene zählt, schnappt sich mit seinen drei schlichten Akkorden, diesem Schuss Düster-Pop und einer variablen Instrumentierung inklusive Burandes kokett geblasenem Midiphon auch sofort die Gunst des Zeltpublikums an der Donau. Mit zündenden Carillon-Klängen und allen Fünfen am vorderen Bühnenrand wiegt sich etwa ihr „Tu m’a dis“ im Schwebedampf des Dreivierteltakts einer schwärmerisch-knisternden Folklore-Musette – ein intimes Erlebnis.

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Auch beim Support-Paar stimmte die Chemie. Léon Rudolf und Eena May sind jetzt nach ihrer Band „Short Sellers“ als Ulmer Liedermacher-Duo unter dem gewitzten Namen „Liffey Looms“ auf Achse. Fluss Liffey schlängelt sich durch Dublin, floss durch Pete St. Johns Folksong „The Ferryman“ tief ins Bewusstsein. Das wirkt beim coolen Vollblut-Duett poppig, aber klingt nicht nach Mainstream. Natürlich, aber nicht oberflächlich. Hochsensibel, doch in kontrollierter Leidenschaft, voll dynamisch. Mit der „Rhythm Section“ an den Füßen, der Gitarre in der Hand und der Harmonika an den Lippen erzeugt der Ulmer Straßenmusik-Sprössling und frische Zögling der Popakademie Mannheim Rudolf eine kernige Performance, die die sanfte Sopranlage seiner Bassisten-Partnerin als Unterstimme zum geschliffenen Timbre-Paket verästelt.

Diese kontrastiven Stimmen passen einfach zusammen – etwa bei dem an Donovans frühe Melancholie erinnernden, von der tragischen Jenny-Figur aus „Forrest Gump“ inspiriertem „Betty“-Song. Im Schmelztiegel ihrer Stimmen kommt kein Ton zu kurz. Wer da was verpasst hat, kann dies am 23. September um 20 Uhr beim offiziellen CD-Release-Konzert im Alten Theater Ulm nachholen.

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