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Ulm

15.05.2019

Und noch ein Hotel in Ulm

Der Blick von Süden auf das Haus Deutschhausgasse 9: Das Gebäude rechts an der Ecke wird abgerissen, ein Hotel zieht in den Nachfolger-Bau. Dieser wird so hoch wie die Galeria-Kaufhof-Filiale gegenüber (Bildmitte) und rund fünf Meter niedriger als das Parkhaus Deutschhaus (links im Bild).
Bild: Alexander Kaya

In der Deutschhausgasse in Ulm entsteht ein Hotel mit 36 Zimmern. Doch gibt es überhaupt noch Bedarf? Wohnungen wären dort als Alternative nicht erlaubt.

Seit Jahren knackt Ulm einen Tourismus-Rekord nach dem anderen. Die ICE-Neubaustrecke dürfte die Donaustadt noch attraktiver machen, davon sind Experten überzeugt. Ein Ulmer Unternehmen will von der guten Lage profitieren und ein Hotel in der Innenstadt errichten. Wieder einmal. Zahlreiche Investoren haben Ulm und Neu-Ulm in den vergangenen Monaten als neuen Hotel-Standort ausgemacht, darunter sind mit B&B, Leonardo und „Me and All“ deutschlandweit und international tätige Ketten.

Das neuste Haus soll in der Deutschhausgasse 9 entstehen, es ist mit 36 Zimmern vergleichsweise klein. Ins Erdgeschoss soll ein Geschäft einziehen, in der obersten Etage wird ein Frühstücksraum mit einer Aussichtsterrasse eingerichtet. Der Blick geht nach Süden Richtung Große Blau und Neue Straße. Das Dach des Gebäudes wird begrünt.

Neues Hotel in der Fußgängerzone von Ulm

Preise und Ausstattung dürften eher gehoben sein. Die Grundstücksgesellschaft Ulm, die das Haus errichten will, plant ein Boutique-Hotel. So werden persönlich geführte, individuelle und kleine Hotels bezeichnet – in der Deutschhausgasse entsteht gewissermaßen der Gegenentwurf zu den großen Niederlassungen der Ketten in der Nähe.

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Das bisherige Gebäude ist vier Stockwerke hoch, das neue wird ungleich größer. Es bekommt acht Etagen, die oberste wird als Staffelgeschoss zurückgesetzt. Das Haus ist dann genauso hoch wie das Gebäude von Galeria Kaufhof auf der anderen Seite der Deutschhausgasse und rund fünf Meter niedriger als das Parkhaus Deutschhaus. Das Hotelgebäude wird nicht nur höher, sondern ragt auch ein Stück weiter als bislang in die Fußgängerzone.

Ulm: Boutique-Hotel mit 36 Zimmern geplant

Eigene Parkplätze bekommt das neue Hotel nicht. Aus Sicht der Stadt ist das wegen der umliegenden Parkhäuser und der Nähe zum Bahnhof nicht nötig. Zudem will die Stadtverwaltung vermeiden, dass Gäste mit ihren Autos durch die Fußgängerzone zu Stellplätzen oder einer Tiefgarage fahren. Im Bauausschuss, der über das Projekt diskutierte, brachte CDU-Stadträtin Sabine Schuler den Vorschlag ein, das Hotel soll eigene Stellplätze im Parkhaus anmieten. Doch das lehnte Baubürgermeister Tim von Winning ab. Man wolle Schilder mit einer Aufschrift wie „Reserviert für Hotelgäste“ vermeiden“. Die Auslastung in den Parkhäusern sei vor allem tagsüber hoch, abends und nachts sei ausreichend Platz. „Wir sehen das ganz entspannt“, betonte von Winning.

Angesichts der steigenden Zahl von Unterkünften für Touristen und Geschäftsreisenden sorgten sich Siegfried Keppler (CDU) und Brigitte Dahlbender (SPD) um die Auslastung. Sie sind nicht alleine. Wolfgang Dieterich, Chef der Ulm/Neu-Ulm Touristik, hat zuletzt Befürchtungen über ein zu großes Hotel-Angebot in der Doppelstadt geäußert. Denn im 2018 ist die Belegungsquote der Betten, trotz neuem Gästerekord, erstmals seit drei Jahren gesunken. Bei der Vorstellung der Tourismuszahlen im März schilderte Dieterich, inhabergeführte Hotels hätten es gegen die Filialisten immer schwerer. Gegen diesen Trend bewegt sich das geplante Haus in der Deutschhausgasse 9.

Lesen Sie hier mehr zur Entwicklung des Tourismus in Ulm.

Im Bauausschuss fragte Grünen-Rätin Annette Weinreich, ob das Hotel zu Wohnungen umfunktioniert werden könnte, wenn es nicht laufe. Doch das ist nicht zulässig. Erlaubt sind aber sogenannte Vergnügungsstätten. Die hat die Stadt in vielen Gebieten verboten, um eine Abwertung zu verhindern. Voraussetzung für das Verbot war, dass bestimmte Straßen davon ausgenommen sind. Dazu gehört die Fußgängerzone. Sie ist nach Einschätzung der Verwaltung so stark, dass die Straßenzüge durch eine Spielhalle nicht an Wert verlieren würden. Entsprechend wäre auch in der Deutschhausgasse 9 ein Spielcasino erlaubt – ein Bordell dagegen nicht.

Bauprojekt in der Ulmer Deutschhausgasse hat eine Vorgeschichte

Das geplante Bauprojekt hat eine Vorgeschichte: Im Jahr 2010 wollte die Grundstücksgesellschaft Ulm das bestehende Gebäude aufstocken. Doch das sei aus statischen Gründen nicht möglich gewesen, berichtete Peter Rimmele, Leiter der Abteilung Städtebau und Baurecht, in der Sitzung. Die Zahl der Stockwerke – sieben Etagen und ein Staffelgeschoss – sage wenig über die eigentliche Höhe aus. Denn Hotelstockwerke seien niedriger als die Etagen eines Geschäftshauses. Dass das neue Gebäude höher wird als das alte, sehen die Ulmer Stadtplaner als eine Aufwertung des Straßenbilds an.

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Der Bauausschuss hat dem Bebauungsplan einstimmig zugestimmt. Als Nächstes können sich Öffentlichkeit, Behörden und Unternehmen einbringen.

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