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Ulm/Neu-Ulm

26.02.2015

Und plötzlich nur noch „Senior“

Drei der sieben „Alternaiven“, die am Freitagabend in der Volkshochschule auftreten: Christa Jeremis Marianne Bühler, Frido Mandera (von links).
Bild: Dagmar Hub

Die „Alternaiven“ beschäftigen sich in ihrem neuen Programm auch mit altersbedingten Spitzen des Alltags.

Nach dem Alter gefragt wird nicht. Das machen sie unmissverständlich klar, im Sketch vom belehrenden Chefredakteur einer Zeitung, der selbst das Alter des bissigen Rottweilers im Text angegeben haben will. Die sieben Akteure der „Alternaiven“ sind im Ruhestand. Das reicht. Zahlen, in der Zeitung gern in Klammern hinter die Namen gesetzt, sind nicht wichtig. Aus „altern“ und „kreativ“ setzt sich ihr Name zusammen: Im Ruhestand haben Dagmar Walter, Erika Miecznik, Ute Schornagel, Marianne Bühler, Christa Jeremies, Rudi Seidel und Frido Mandera jetzt Zeit, ihre Kreativität auszuleben – und das tun sie mit Spaß, schnoddrigem Umgangston und Disziplin als echte Alternative zu üblichen Hobbys. Am Freitag präsentieren „Die Alternaiven“ um 20 Uhr in der Ulmer Volkshochschule ihr neues Kabarettprogramm „AlltagsSpitzen“.

Ein Probensaal in Neu-Ulm: „Alternaiven“-Gründerin Erika Miecznik sitzt am Schreibtisch, in Gestik und Mimik ganz Chefredakteur. Die Mitarbeiterin, die in einer Ausstellungsbesprechung keine Altersangabe der Künstlerin schrieb, wird heftig gescholten. Dabei – ist es für ihre Kunst entscheidend, ob die Künstlerin nun schon im Pensionsalter ist oder nicht? Der Sketch entstand aus dem ganz realen Leben, erzählt Marianne Bühler, Künstlerin aus Thalfingen und eine der sieben „Alternaiven“. Die anderen sechs, die aus Neu-Ulm, Ulm und dem Umkreis kommen, waren in ihrem Berufsleben als Lehrer, Verwaltungsangestellte, Büroangestellte, als Erzieherin und Kriminalbeamter tätig. Zwar streift ihr neues Kabarett-Programm, das die sieben „Alternaiven“ im vergangenen halben Jahr erarbeiteten, auch die Berliner Politik, doch insgesamt widmen sie sich weit lieber dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags – meist aus der Sicht derer, die den Berufsalltag mit dem Alltag desjenigen vertauscht haben, den „die anderen“ als „Senior“ bezeichnen. Gerade eben lehrte man noch Mathematik oder ermittelte gegen Straftäter – und plötzlich ist man Senior. Aus der Sicht der anderen ein anderer als zuvor. Alter, in Zahlen angegeben, wird in den Köpfen schnell mit Rollator und Nicht-mehr-Können gleichgesetzt.

Deshalb buchstabiert ein selbstironischer Sketch auch das Wort „Senioren“: Da steht das „e“ für die Erfahrung, die man gern weitergäbe, die aber die anderen lieber selbst machen würden, das „o“ für die Ohren, die nicht mehr hundertprozentig verlässlich sind, und das „r“ für die Rente, mit der man plötzlich klarkommen muss. Das „n“ steht dafür, dass man sich nicht mehr beweisen muss, was Frido Mandera als echten Gewinn beschreibt. In einer anderen Szene treffen im Wartezimmer des Zahnarztes (Rudi Seidel) eine Reihe älterer Leute aufeinander, weil die dritten Zähne notwendig werden oder die zweiten Ärger machen. Marianne Bühler spielt die freundliche Patientin, die einmal allzu lange warten musste und die dem Zahnarzt nun mit subtil-perfiden Erzählungen gegenüber den anderen Ausharrenden das Wartezimmer leert, bis nur noch sie dort sitzt. Aber nicht als Patientin, wie der Zahnarzt dann erfährt, als er seine Sprechstunde beginnen will – nein, in ganz anderer Funktion. Die Rache ist gründlich.

Bissig, witzig und mit Lachfalten garniert

Die Musik, in die die „Alternativen“ ihren Witz zwischen den Sketchen – an der Gitarre begleitet von Uta Schornagel – kleiden, reicht vom in „Wer will ängstliche Mitbürger seh’n?“ umgeschriebenen Kinderlied bis zum Rap über Mütterlohn und Mindestrente. Und natürlich darf auch die Kaffeefahrt-Persiflage nicht fehlen. Bissig-witzig erzählt und gespielt – und mit ein paar Lachfalten garniert.

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