Newsticker

Trotz steigender Infektionszahlen: Kliniken halten wenige Intensivbetten frei
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Uni-Wissenschaftler bringen kreischende Bandsäge zum Schweigen

31.03.2009

Uni-Wissenschaftler bringen kreischende Bandsäge zum Schweigen

Dass die Universität Ulm die regionale Wirtschaft mit respektablen Aufträgen fördert, ist gemeinhin bekannt. Dass sie Unternehmen inzwischen auch als Auftragnehmer unterstützt, weniger. Eine wichtige Rolle dabei hat das Ulmer Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (UZWR) übernommen.

Die vor knapp zwei Jahren gegründete Uni-Einrichtung, spezialisiert auf numerische Simulationen und Optimierungen, löst als Dienstleister schwierige Fragestellungen. Festigkeits-, Schwingungs- und Strömungsprobleme in der Regel. Das erspart den Auftraggebern Zeit und Kosten für aufwendige Versuche.

"So muss ich eine Bremsscheibe nicht zwei Millionen Mal auf dem Prüftisch testen. Ich lasse die Belastung im Computer simulieren", sagt der Geschäftsführer eines relativ großen oberschwäbischen Mittelständlers, der Bauteile für Werkzeugmaschinen herstellt. Einen eigenen Rechner für die Simulationen könnte sich das Unternehmen durchaus leisten, erklärt der Chef, einen Vollzeit-Experten dazu aber nicht. Wie er denken mittlerweile mehr als ein Dutzend weitere Firmen der Region. Ein Grund, neben der vielseitigen Kompetenz der Uni-Wissenschaftler: Die Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm, unlängst dafür gemeinsam mit dem UZWR mit dem Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft der Universität ausgezeichnet. Einen Großteil der Kontakte zwischen Auftraggebern und Akademikern nämlich hat Andreas Schrötter vermittelt, Projektleiter bei der IHK für diese Kooperation. Er weiß, was die Unternehmen brauchen und die Uni-Experten leisten können.

Kaum minder wichtig allerdings seine psychologische Funktion: "Es gibt bei vielen Firmen nach wie vor Berührungsängste", weiß UZWR-Geschäftsführer Dr. Ulrich Simon. Von sich aus kämen nur wenige Unternehmer auf die Idee, wegen dieser Problemlösungen Kontakt zu Wissenschaftlern aufzunehmen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aus gutem Grund bezeichnet denn auch IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle die akademische Partnervermittlung ("eine enorme Zahl in dieser Zeit") als "Erfolgsmodell". Ein Modell mit Zukunft überdies, "das sich zur Nachahmung empfiehlt", wie Professor Karsten Urban meint, Sprecher und Initiator des UZWR, ein in dieser Konstellation wohl einzigartiges Angebot in Deutschland.

Leise Prototypen

In seiner thematischen Breite ohnehin. Lästige Kreischgeräusche einer Metallbandsäge zum Beispiel - Erkenntnisse der Uni-Mathematiker waren die Basis für einen deutlich leiseren Prototypen. Oder Gewichtsoptimierungen bei Rasenpflegemaschinen, spezielle Schleifmuster für Skibeläge mit dem Ziel bestimmter Laufeigenschaften, das Strömungsverhalten sich mischender Flüssigkeiten - Probleme gelöst. "Das sind mitunter schon wissenschaftliche Herausforderungen", betont Dr. Simon.

Wie nicht zuletzt eine optimale Belüftung von Schweineställen. Vorgaben eines weltweit tätigen Herstellers dieser Anlagen: möglichst viel Luft, aber ein möglichst gleichmäßiger Luftaustausch. Denn Schweine, Ferkel insbesondere, reagieren empfindlich auf Zugluft. wb

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren