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Serie "Sommer am See"

11.08.2020

Unsere Zeitung ist zu Gast am Waldbaggersee in Senden

„Sommer am See“: Die Redaktionen der Neu-Ulmer Zeitung und der Illertisser Zeitung besuchen die Badeweiher in der Region. Am Waldsee in Senden trifft sich die halbe Stadt – manch einer reist aber sogar aus Göppingen an.

Plus Natur und Mensch treffen sich am Waldbaggersee in Senden. Stammgäste gönnen sich eine Wurst am Imbiss – und erinnern sich an eine Legende namens „Bubi“.

Zwei Frauen, zwei Liegestühle, im Schatten der Bäume. Es ist 11 Uhr am Sendener Waldbaggersee, Ursel blickt verträumt in den Sommerhimmel und Sigrid liest einen Krimi. „Der See ist wunderbar“, sagt Ursel. „Hier hat man alles: Duschen, Umkleiden, Natur, einen richtigen Imbiss, den nötigen Abstand. Es ist eine Idylle.“ Sigrid weiß: „Bis aus Göppingen reisen die Badegäste hier an.“ Der Spielplatz am See liegt im Vormittagsschatten des Wasserwachthäuschens, an Wochenenden sind die Retter im Dienst. Apropos: „Ein Kind muss schwimmen können“, findet Sigrid. Und sie beschleicht das Gefühl, dass Kinder heutzutage nicht mehr vernünftig das Schwimmen lernen. Kurse im Hallenbad? Fallen im Corona-Jahr wohl aus.

Ordnung und Sicherheit, darum kümmert sich an den Wochenenden die Wasserwacht Senden. Von ihrer kleinen Station (Hintergrund) aus hat sie alles im Blick.

Der lange Badesteg, auf dem nasse Fußspuren schnell in der Hitze verdunsten, teilt den See in ein flaches Wasser und in einen Schwimmerbereich. Die Sportlichen und Mutigen schwimmen aber bis zu den Schwimm-Pontons. Die beiden Inseln aus Holz, auf denen sich ein Grüppchen von Jugendlichen sonnt, wollten manche schon beseitigen. Sigrid findet aber: „Gut, dass die Inseln da bleiben. Da hat man im Notfall was, wo man sich in drei Zügen hinretten kann.“ Aber genug geschwätzt, Ursel will lesen. Hat sie einen Lektüre-Tipp für Tage wie diese? „Vielleicht ein Buch über eine Expedition nach Grönland“, sagt sie und lacht. Das Thermometer knackt die 30-Grad-Marke, im Vorbeibrutzeln.

Am Sendener Waldbaggersee vermissen alle den "Bubi"

Josef Fritzenschaft gönnt sich jetzt eine Zigarettenpause. Er lehnt an der Theke seines Imbisswagens und lässt seinen Blick schweifen, über Sonnenschirme und Gummiboote, das wachsende Getümmel auf der Wiese und das immerruhige Wasser. Da packt ihn eine Erinnerung: „Den Bubi vermiss ich immer noch unbandig. So einen kriegen wir nicht wieder.“ Seit drei Jahrzehnten betreibt „der Sepp“ am See seinen Grill-Imbiss, ein Slogan prangt auf dem Wagen: „Weil’s nicht wurst ist, woher die Wurst ist.“ Bubi war aber sein liebster Stammkunde. Jeden Morgen kam er angewackelt, um sich einen Happen bei „Sepp“ zu erbetteln. Bubi muss ein lohengrinhaftes Bilderbuchexemplar gewesen sein, ein Maskottchen für den See – ein weißer, prächtiger Schwan. „Ein Koloss“, so beschreibt ihn Fritzenschaft. Bubi sei ihm oft bis auf die Fußspitzen gewatschelt, seinen Schwanenhals schmiegte er an den Hals des Imbisschefs.

Die Currywurst ist sein Verkaufsschlager, die selbst kreierte Soße sein Erfolgsgeheimnis: Imbiss-Chef Josef Fritzenschaft. Seit dreißig Jahren betreibt er den Grillstand. Seinen ehemals treusten Kunden, „Bubi“, den Schwan, vermisst er aber.

Schwäne sind treu und das haben sie mit Fritzenschaft gemein. Als Tierquäler 2007 den Bubi schwer verletzten, mit Scherben eine Wunde durch sein Federkleid ritzten, pflegte er ihn. Antibiotika schummelte er ins Schwanenfutter. Mit Erfolg. Bubi erlebte noch viele Sommer und starb mit fast 30 Jahren. Kein Fall von Tierquälerei. Füchse, die sich in Wäldern rund um den See leben, haben ihn gerissen. In diesem Jahr hat „Sepp“ noch keinen neuen Schwan am See gesichtet.

Sommer am See: Am Waldbaggersee am Senden herrscht Artenvielfalt

„Blesshühner, Reiher, Rohrdommel, Eisvögel“, Mechthild Zenz zählt auf, welche Tiere sie am Wasser schon erspäht hat. Und ihre Schwester, Ute Brosch, erzählt, dass letztens ein Biber samt Biberbaby neben ihr geschwommen sei. „Uns ist der See ganz arg wichtig“, sagt sie. Schließlich sind die Sendenerinnen Stammbadegäste, „seit es diesen See gibt“. Das Gewässer ist gebaggert, also künstlich. „Aber man hat es ökologisch aufgewertet. Das ist ein Paradies aus zweiter Hand.“

Blitzende, schicke Sandalen schützen die Füße am Kiesstrand des Sees.

Die Besuchermasse habe sich in all den Jahren vervierfacht, schätzen die Schwestern – und das beäugen sie kritisch. Sie warnen vor „Zerstörung durch Ignoranz“. Stand-up-Paddler zum Beispiel, die auf Natur keine Rücksicht nehmen. Das Miteinander am Baggersee läuft an diesem Tag trotzdem harmonisch bis sonnig: Frühmorgens „Rentnerschwimmen“, so nennt es Zenz, dann erobern Familien die Wiese und das Wasser.

Den Imbiss am Waldbaggersee in Senden gibt es seit mehr als 30 Jahren

„Das ist eines der saubersten Gewässer rundherum“, sagt Fritzenschaft und wendet die zischelnden Currywürste am Grill. Kinder, die einst an seinem See groß wurden, kommen heute noch in den Ferien zum Baden – nur mit ihren eigenen Kindern im Schlepptau. Vor zwei Wochen erhielt „Sepp“ das Signal: Er darf auch im Corona-Sommer 2020 seinen Imbiss am See parken. Die Jüngsten holen schon vormittags ihre kleine Portion Pommes – nur hinter Absperrband und mit Maske.

Diese drei Stammgäste sind fünfmal in der Ferien-Woche am Waldbaggersee.

Drei Damen spannen ihre Regenbogenschirme auf. Sie ratschen, lachen, munter. Fünfmal in der Woche treffen sie sich am Baggersee, heute freuen sie sich über ein Getränk aus der Kühlbox: Caprisonne. Kindheitserinnerungen. Die Jüngste im Bunde bläst die leere Trinktüte auf, bis sie spannt und knistert. Ein schneller Tritt. Ein Knall. Ein leises Kichern. Es ist 13 Uhr. Ein Sommertag am Waldbaggersee.

"Sommer am See": Wir besuchen die Seen in der Region

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