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Ulm

09.12.2019

Urban Priol bietet Trump Sachsen statt Grönland an

Seit 2002 präsentiert Priol jährlich im Dezember als Tourneeprogramm den satirischen Jahresrückblick Tilt!. Im Fernsehen wird die Sendung ebenfalls gezeigt.
Bild: Stefan Kümmritz

Jahresrückblick der anderen Art: In fast drei Stunden begeistert der Aschaffenburger mit seinem Programm im voll besetzten Ulmer CCU.

Tilt! Ende, vorbei, das Spiel ist aus. Spiel? Politik ein Spiel? Mitnichten, und doch spielt Kabarettist Urban Priol bei seinem traditionellen Jahresrückblick „Tilt“ im voll besetzten Ulmer Congress-Centrum verbal mit den Parteien, den Politikern, der Regierung aus diesem unseren Land ebenso wie mit den Großkonzernen oder den ausländischen „Verrückten“ wie Donald Trump oder Recep Tayyip Erdogan, den Präsidenten der USA und der Türkei, dass bei den Besuchern kein Auge trocken bleibt.

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Dabei wütet Priol doch so bitterernst von der Bühne herab. Er würfelt die Angesprochenen in seinem knapp dreistündigen Programm mitunter bunt durcheinander, ohne die Zusammenhänge zu verwirren, ohne den Faden zu verlieren, ohne Punkt und Komma. Ein brillanter Meister des politischen Kabaretts, bei dessen Auftritt man geneigt ist, seine ganze Schelte als wahrhaft hinzunehmen, sich unter dem Feuerwerk der Schmähungen und der Wucht seines Bombenhagels abzuducken. Oh wie schlecht war die deutsche Politik in diesem Jahr! Wie schlecht sind die Deutschen! Man müsste sich schämen - aber es war ja am Freitagabend nur Kabarett - oder?

Verkehrsminister Andreas Scheuer, dem „Master oft the Maut-Desaster“

Jeder bekommt vom gebürtigen Aschaffenburger Urban Priol sein Fett ab. Als einen der bescheuertsten Einfälle bezeichnet er die Maut-„Geschichte“ von Verkehrsminister Andreas Scheuer, dem „Master oft the Maut-Desaster“. Es war, so der Kabarettist, „der Knüller des Jahres“. Ein großes Thema 2019 – der Niedergang der großen Volksparteien, so Priol. „Die merken es bloß nicht.“

Urban Priol bietet Trump Sachsen statt Grönland an

Der 58-Jährige, der auf der Bühne wie ein Irrwisch hin- und herläuft, mit fantastischer Gestik und Mimik seine zornigen Ausbrüche, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, unterstreicht, erinnert an die großartige Regierungserklärung des ersten SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt vor 50 Jahren und wagt den Vergleich: „Was macht heute Olaf Scholz? Er sagt, wir werden an der schwarzen Null festhalten. Für mich ist das die neue Version der roten Null.“

Priol lässt kaum ein gutes Haar an den politischen Akteuren. Weder an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die „14 Jahre lang nur Pillepalle-Politik“ gemacht habe und die er zusammen mit Ursula von der Leyen, der neuen Präsidentin der Europäischen Kommission, sowie Annegret Kramp-Karrenbauer, der neuen Verteidigungsministerin, mit den „Hexen von Eastwick“ vergleicht. Noch an der CDU – „sie hat in den letzten Wochen nur geholzt - gegen sich selbst“. Erst recht nicht an der an der AfD, die bezeichnenderweise „ihren Parteitag in Braunschweig abgehalten“ habe. Auch der britische „Märchen-Onkel“ Boris Johnson, dem „Lord of the lies“ (zu deutsch: Lord der Lügen), der „Great Britain zu Little Britain“ machen werde und die Österreicher mit ihrem Video-Skandal von Ibizabekommen von Urban Priol Breitseiten.

Böse Worte auch über Donald Trump

Böse Worte auch über Donald Trump und seinen vergeblichen Versuch, den widerspenstigen Dänen Grönland abzukaufen (Priol: „Er hat sich selbst nach Deutschland eingeladen. Helgoland steht nicht zum Verkauf, aber wir könnten ihm Sachsen anbieten“) und über „Miss Ernte“ Julia Klöckner, über die ach so wenig kampfbereite Bundeswehr, die katholischen Kirche, „die behauptet, die 68er seien an der Missbrauchsaffäre schuld, weil sie mit ihrer sexuellen Revolution und ihrer zügellosen Freizügigkeit die Priester verführt haben“, die „Friday-for-future“-Bewegung, das „großartige Klimapaket, äh -päckchen der Regierung“ (Priol: „Helmut Kohl hätte gesagt, nichts ist besser als gar nichts“), über VW und die anderen am Abgas-Skandal beteiligten Automobilkonzerne, den Juso-Vorsitzenden und neues SPD-Präsidiumsmitglied Kevin Kühnert („Die Jusos wollen doch nur spielen“) oder die „asozialen Medien“. Und über viel, viel mehr. Urban Priol hätte sicher noch stundenlang weiter schmähen können. Bei der roten Linie vergaß er auch nicht seine Spontanität. Großer Jubel brandete auf, als er vom just erfolgten Sieg der Heidenheimer Kicker beim großen HSV berichtete. Viel Applaus gab es auch für seine Einschätzung: „Jürgen Klinsmann ist wieder hier. Ein Mann von internationaler Strahlkraft, also ein Blender.“ Tilt! Aus und vorbei. Auf das Jahr Das laut Priol sicher so „bescheuert wird wie 2019. Machen wir das Beste draus!“

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