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Roggenburg

27.05.2016

Urlaub auf vier Rädern in Biberach

Reichlich Menge Platz für Wohnmobile gibt es seit Kurzem in Biberach: In dem Roggenburger Ortsteil können motorisierte Camper quasi mitten in der Natur Urlaub machen. Die ersten waren schon zu Besuch.
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Reichlich Menge Platz für Wohnmobile gibt es seit Kurzem in Biberach: In dem Roggenburger Ortsteil können motorisierte Camper quasi mitten in der Natur Urlaub machen. Die ersten waren schon zu Besuch.
Bild: Alexander Kaya

In dem Roggenburger Ortsteil wurde der erste Wohnmobil-Stellplatz im Kreis Neu-Ulm eröffnet. Der Bedarf ist da – die ersten Gäste reisten hunderte Kilometer weit an.

Als die Gätjens aus Niedersachsen mit ihrem Wohnmobil in Roggenburg ankommen, wird ihnen prompt ein Tragerl Bier und ein Geschenktäschchen in die Hände gedrückt. Einen so herzlichen Empfang bekommt freilich nicht jeder, der im Landkreis Urlaub machen will – so willkommen Touristen auch sein mögen. Die Eheleute aus dem Norden hatten Glück: Sie sind die ersten, die den neuen Stellplatz für Wohnmobile im Roggenburger Ortsteil Biberach nutzten.

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Bis dato gab es im Landkreis Neu-Ulm keinen einzigen Wohnmobilstellplatz, der nicht an einen Campingplatz gekoppelt ist. Die Reisenden mussten über die Donau nach Ulm fahren und ihr Fahrzeug auf dem Park-and-Ride-Platz in der Friedrichsau abstellen. Dieser Parkplatz werde den Ansprüchen der Wohnmobil-Touristen jedoch igentlich nicht gerecht, wie es heißt. Allein schon, weil Ulm Umweltzone ist, durch die man nur mit grüner Plakette fahren darf.

Richard Schmid, Braumeister und Betreiber der Brauerei Biberach, wollte die Situation für Wohnmobilfahrer ändern. Auch in der Gemeinde Roggenburg, einer Anlaufstelle für viele Touristen, sollte es seiner Meinung nach einen Stellplatz geben. Ein passendes Grundstück hatte er bereits in petto: eine Fläche am östlichen Ortsausgang von Biberach Richtung Schießen. Eine Wiese, die für die Landwirtschaft zu klein und für den Rasemäherbulldog zu groß ist, wie Schmid sagt. Die Idee, die Fläche Touristen zur Verfügung zu stellen, sei ihm bereits vor sieben Jahren gekommen. Doch bevor er den Stellplatz eröffnen konnte, galt es bürokratische Hürden zu überwinden.

Urlaub auf vier Rädern in Biberach

„Ein Wohnmobilstellplatz hat baurechtlich die selben Bedingungen zu erfüllen wie ein Wohngebiet“, erklärt Schmid. „Zum Beispiel müsse ein bestimmter Abstand zur Straße eingehalten werden. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde war sein Grundstück ursprünglich nicht als ein solches eingetragen. 2011 änderte die Kommune den Plan und ermöglichte es Schmid, das Projekt umzusetzen. „Ich bin dran geblieben, weil ansonsten alle Voraussetzungen erfüllt waren“, sagt er. Etwa, dass Sehenswürdigkeiten oder ein Autobahnanschluss in der Nähe sein müssten. Rund 60000 Euro musste der Biberacher schließlich investieren, die Arbeitsstunden nicht dazugerechnet. „Ich bin selbst Wohnmobilist – ohne ein gewisses Faible macht man so was nicht.“ Außerdem wolle er der Gemeinde Roggenburg damit etwas Gutes tun – und gleichzeitig seine Brauerei bewerben.

Wo vorher Gras wuchs, liegt heute Kies. Es gibt einen Anschluss für Strom und Wasser, Müllcontainer, und „Roggenburgs ersten Parkscheinautomaten“, wie Schmid stolz erzählt. All das könnten die Touristen ohne Hilfe bedienen. Bald solle eine Blockhütte folgen, in der Info-Broschüren ausliegen, etwa zum Radweg, der durch das Gelände führt. Neun Euro müssen die Urlauber bezahlen, um ihr Wohnmobil dort 24 Stunden lang zu parken. Hinzu kommen Kosten für Strom und Wasser. Es gibt Platz ist für acht Wägen.

Um Ostern herum rollten die ersten Gäste an, die Gätjens aus Niedersachsen, weitere Anfragen kamen bereits etwa aus Österreich. Um schnell mehr Touristen anzulocken, will Schmid die Werbetrommel rühren. Er hat seinen Stellplatz in verschiedenen Apps registriert. „Die Fahrer tippen ein, wie weit sie noch fahren möchten. Die App leitet sie dann her.“

Unterstützung bekommt Schmid auch seitens des Landratsamts Neu-Ulm. Der Stellplatz ist im Campingflyer und der neuen Radkarte vermerkt. Auf der Messe für Caravaning, Motor und Touristik (CMT) in Stuttgart seien die Besucher sehr interessiert daran gewesen, sagt Andrea Engel-Benz, die im Landratsamt für den Tourismus zuständig ist. „Gerade in Roggenburg, einem touristischen Highlight in der Region, ist der Bedarf nach einem solchen Platz groß.“ Eigeninitiative wie die von Schmid sei wichtig, denn Gemeinden und Bürger müssten die Grundstücke stellen.

Ein weiterer Stellplatz für Wohnmobile steht seit Jahren in der Warteschleife. Vorgesehen ist ein Grundstück in der Nähe des Schwimmbads Wonnemar, früher „Goldochsen-Wiese“ genannt. „Es fehlt ein Betreiber“, sagt Wolfgang Dieterich, Leiter der Touristik Ulm/Neu-Ulm. Er hält es für wichtig, Stellplätze zu schaffen, da es immer mehr Touristen gibt, die mit dem Wohnmobil verreisen.

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