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Ulm

29.11.2020

Verborgene Schätze sollen in Ulm wieder ans Licht

Das älteste Fresko auf Ulmer Boden ist das der Maria mit dem Jesuskind im Haus der Begegnung.

Plus Das Ulmer Haus der Begegnung will bisher unzugängliche Räume wieder öffnen. Die haben einiges zu bieten

Im Inneren des Hauses der Begegnung steckt eine Menge Stadt- und Kirchengeschichte, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit. Die evangelische Bildungseinrichtung „Haus der Begegnung“ – also die ehemalige und kriegszerstörte Dreifaltigkeitskirche Ulms – wirkt von außen wie ein Gotteshaus der Renaissance. Innen erkennt der Besucher in den von Gruppen und Kreisen sowie als Ausstellungs- und Büroräume genutzten Flächen nüchterne Architektur, wie sie in den späten 70er und frühen 80er Jahren üblich war. Was nur wenige wissen und kennen: Der gotische Chor der Ursprungskirche (Baubeginn etwa 1281, Weihe 1305), eine Predigerkirche der Dominikanermönch in Ulm, überstand einen Brand in der frühen Neuzeit und die Bombardierung des 17. Dezember 1944. Damit blieben auch dessen ehemalige Seitenkapellen und die einstige Sakristei erhalten. Nur wenige Menschen aus der Region dürften diese Räume aus der Hochgotik kennen. Sie sollen im Zuge einer im Frühjahr beginnenden Sanierung des Hauses der Begegnung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Räume habe immer noch viel Atmosphäre

Es war jene Zeit nach dem Niedergang der Staufer: Neue Herrschaftsstrukturen kamen auf, in Ulm begann die große Zeit der Patrizierfamilien Krafft und Ehinger, die wohl ihre Sitze an der Herdbrücke hatten. Die erste bekannte Stiftung der Familie Krafft war die Predigerkirche der Dominikaner. Auf den Weg gebracht hat sie „Krafft der alte Schreiber“, ehe er 1297 starb. Wer in die bislang unzugänglichen Räume kommt, die der Wiederaufbau um das Jahr 1980 rüde zu Büro- und Kopierräumen umfunktioniert hat, spürt immer noch viel von der Atmosphäre jener Zeit.

In einem dieser Räume wurde ein höheres Bodenniveau eingezogen, sodass man sich direkt unter den gotischen Kreuzrippen befindet. Vier Schlusssteine sind erhalten, auf dreien ist nicht mehr erkennbar, welche Vorbilder dort abgebildet waren. Vielleicht Ordensgründer Dominikus, vielleicht Thomas von Aquins Lehrer Albertus Magnus? Auf einem Schlussstein der sogenannten „Thomaskapelle“ ist Thomas von Aquin dargestellt, wie er – wohl um 1310 – auf diesen Schlussstein gemalt wurde. Thomas von Aquin, gestorben 1274, gilt als einer der einflussreichsten Philosophen und als bedeutendster katholischer Theologe der Geschichte. In der einstigen Sakristei ist auch das älteste Fresko auf Ulmer Boden erhalten, das ebenfalls um 1310 datierte zarte Marienfresko mit einem fröhlichen, fast tänzerischen Kind auf dem Schoß.

Historische Räume für viele Zwecke

Weil diese Räume bereits vor gut 700 Jahren auf Bildung und Spiritualität hin ausgerichtet waren, wünschte sich HdB-Leiterin Andrea Luiking, dass die gotischen Kreuzrippengewölbe wieder offen sein sollen für die Allgemeinheit – als zusammenhängender Raum und im Bereich mit dem erhöhten Niveau auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Sie können ein Platz sein für Geschichtsinteressierte ebenso wie für Menschen, die hier Andacht suchen, oder auch für kleinere Konzertereignisse. Die Tradition von Bildung und Spiritualität setzte der um 1295 am Bodensee geborene Mystiker Heinrich Seuse fort. Er lebte im Ulmer Dominikanerkloster, verfasste reflektierte Schriften und starb dort 1366. Auch der erste Ulmer Stadtchronist Felix Fabri wirkte als Lesemeister im Dominikanerkloster.

Umbau verschlingt viel Geld

Architekt des Bauprojekts im HdB ist Max Stemshorn, der mit der Sanierung der ehemaligen Ulmer Dreikönigskirche, Grablege der Patrizierfamilie Krafft, Erfahrung im Umgang mit mittelalterlichen Gebäuden hat. Für die Sanierung des Hauses der Begegnung stehen zwei Millionen Euro zur Verfügung. Geplant sind unter anderem eine neue Heizungsanlage, eine Notbeleuchtung, eine Küche und behindertengerechte Toiletten. „Benötigen würden wir wohl fünf Millionen“, vermutet Andrea Luiking angesichts der Chance, das gotische Ulmer Kleinod im Kern des Hauses erlebbar zu machen.

Die Bildungseinrichtung benötigt daher weiteres Geld für die Sanierung und hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Unter dem Stichwort „Sanierung Kapelle HdB“ oder „Inventar Kapelle HdB“ können Zuwendungen auf ein Konto der Sparkasse Ulm mit der IBAN DE68 6305 0000 0000 1004 98 überwiesen werden.

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