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Neu-Ulm

14.11.2019

Verdi fordert volle Konzentration von Neu-Ulmer Sängern

Die Spannung steigt: Der Petruschor hat unter der Leitung von Kantor Oliver Scheffels (rechts, stehend) die letzte Klavierprobe für das Verdi-Requiem absolviert. Bis zur Aufführung am Samstag wird mit Orchester geübt.
Bild: Tanja Mack

Der Petruschor führt im Edwin-Scharff-Haus zusammen mit der Kantorei aus Kaufbeuren, dem Collegium Musicum und Solisten die „Messa da Requiem“ auf. Die Vorbereitungen für das Projekt laufen seit Jahren.

Petruskantor Oliver Scheffels neigt nicht zur Großtuerei. Wenn es aber um die „Messa da Requiem“ denkt, spricht auch er in Superlativen. „Das ist mit Sicherheit das Größte, was wir bisher gemacht haben“, sagt er – und strahlt vor Begeisterung. Am Samstag, 16. November, um 19.30 Uhr führen sein Petruschor, die Kantorei der Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren, das erweiterte Orchester des Collegium Musicum Ulm und Solisten Verdis 1874 entstandenes Meisterwerk im Edwin-Scharff-Haus auf, etwa 120 Sänger und mehr als 50 Musiker stehen dann auf der Bühne. Ein „großes Teil“, wie Scheffels scherzt.

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Das Verdi-Requiem ist zwar eine Totenmesse, aber schon aufgrund der großen Besetzung und der Länge von etwa eineinhalb Stunden für den liturgischen Gebrauch eher ungeeignet. Von Anfang wurde es daher vor allem in großen Konzert- und Opernhäusern aufgeführt. Der englische Schriftsteller George Bernhard Shaw bezeichnete die „Messa da Requiem“ gar als Verdis größte Oper. Auch das Theater Ulm brachte es 2013 in einer bildstarken Inszenierung auf die Bühne. In Neu-Ulm, da ist sich Kirchenmusikdirektor Scheffels sicher, wurde das gewaltige Werk noch nie aufgeführt. Schon gar nicht von einer evangelischen Kantorei: Das Requiem folgt dem Ablauf einer katholischen Messe – und handelt davon, was der Mensch vor dem Tod tun kann, um später Erlösung zu finden. „Das ist absolut nicht lutherisch“, sagt Scheffels und grinst.

Es sind Laien, die die "Messa da Requiem" in Neu-Ulm zum Klingen bringen

Dem Kantor geht es allerdings bei diesem Projekt weniger um die religiöse Botschaft, sondern um die künstlerische Qualität und die Herausforderung, schließlich sind es vor allem begeisterte Laien, die den Verdi zum Klingen bringen sollen. Um das zu ermöglichen, habe es einer längeren Vorbereitung bedurft, die im Prinzip schon vor sieben Jahren anfing, als Scheffels die Kantorenstelle in Neu-Ulm übernahm. 2014 führte der Petruschor bereits gemeinsam mit der Kantorei Leipheim Joseph Haydns „Schöpfung“ auf. „Das war schon sehr gut“, sagt der 44-jährige Scheffels. Und es habe „ein Aha-Erlebnis im Chor ausgelöst“. 2015 folgte, als erste Kooperation mit der Kaufbeurer Kantorei von Traugott Mayr, das Mendelssohn-Oratorium „Paulus“. Nach diesem, so berichtet es Scheffels, habe er sich mit Mayr bei einer Zigarre überlegt, was als Nächstes kommen könnte. Die Antwort: die „Messa da Requiem“.

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Seit April laufen die Klavierproben in Neu-Ulm und Kaufbeuren, fast immer getrennt voneinander, bislang gab es erst zwei Tage, an denen sich die Chöre gemeinsam durch die Partitur gesungen haben, einen davon im Petrussaal. „Viel mehr Menschen hätten da nicht hineingepasst“, berichtet Scheffels von dem Treffen. Er selbst ist mit dem Probenverlauf sehr zufrieden, bis zur Sommerpause habe man den Text durchgearbeitet, danach vor allem am Ausdruck gefeilt. Wenn man mit Leuten arbeitet, die nicht professionell Musik machen, müsse man diese begeistern, sagt der Neu-Ulmer Kantor. „Aber sie lassen sich gerne anstecken.“ Das Opern-Genre, zu dem Scheffels das Verdi-Requiem rechnet, sei für seine Chorsänger etwas Neues. Und auch für ihn selbst: „Ich dirigiere zum ersten Mal im Leben eine große Trommel.“

Oliver Scheffels und Traugott Mayr reisten für die Solistensuche bis nach Thüringen

Schwierig sei die Suche nach passenden Solisten gewesen: In der „Messa da Requiem“ gebe es viele Quartette, da müssten die Stimmen gut zusammenpassen. Scheffels und sein Kollege Mayr hörten sich einige Kandidaten an, reisten beispielsweise ins thüringische Eisenach, um dort Sopran Nathalie de Montmollin zu begutachten – und für bestens geeignet zu befinden. Dazu kommen die früher am Theater Ulm engagierte Kinga Dobay (Mezzosopran) und Johannes Mooser (Bass). Bei der Tenor-Partie musste die musikalische Leitung umbesetzen: Für der erkrankten Emilio Pons springt kurzfristig der US-Amerikaner Andrew Richards ein, der unter anderem schon an der Mailänder Scala und an der New Yorker Metropolitan Opera sang. Er reist für den Auftritt eigens aus Antwerpen an.

Dieses Programm bedeutet für die Beteiligten nicht nur viel Arbeit, sondern bringt auch Kosten: Für einen Teil kommen Sponsoren auf, für den Rest spare die Petruskantorei seit zwei Jahren, sagt Scheffels. Um weniger Geld auszugeben, habe er mehr Orgelkonzerte selbst gespielt, statt andere Organisten zu buchen.

Während die Solisten dem Konzert vermutlich einigermaßen entspannt entgegenblicken, steigt bei den Laiensängern die Spannung: Die gemeinsamen Proben mit dem jeweils anderen Chor und dem Orchester stehen an – und natürlich die Aufführung im Edwin-Scharff-Haus. Die Petruskirche, sagt Scheffels, wäre angesichts der vielen Mitwirkenden viel zu klein gewesen. Das Interesse an dem Konzert sei gut, sagt der Neu-Ulmer Kantor, rund die Hälfte der etwa 750 Karten sei schon weg. Scheffels hofft aber auf noch mehr Besucher: „So ein Konzert wird es hier so schnell nicht mehr geben.“

Karten gibt es noch bis Freitag, 15. November, 11 Uhr unter anderem bei Blende 22 in Neu-Ulm und online auf ulmtickets.de, danach an der Abendkasse (ab 18.30 Uhr) im Edwin-Scharff-Haus. Am Sonntag, 24. November, ist das Verdi-Requiem dann um 18 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren zu hören.

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