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Umfrage

01.11.2010

Vereinigung von Ulm und Neu-Ulm hat viele Anhänger

Nicht nur die Donau verbindet Ulm und Neu-Ulm - es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten. Reichen sie für eine Vereinigung der Städte? Foto: rfu
Bild: Roland Furthmair

Manche Bewohner von Ulm und Neu-Ulm denken an eine Vereinigung beider Städte. Ist das sinnvoll? Eine knappe Mehrheit antwortete in einer Umfrage mit Nein. Von Roland Ströbele

Erst gab es einige zarte Pflänzchen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Ulm und Neu-Ulm, nun sind daraus einige beachtliche Projekte geworden, von denen die Menschen in der Doppelstadt profitieren.

Da ist das Erlebnisbad am Donau-Ufer, das von beiden Städten finanziert ist, da ist die Multifunktionshalle, die zurzeit die beiden Städte bauen lassen, da ist der Stadtentwicklungsverband, der die Gewerbegrundstücke beider Städte vermarktet, und da ist schließlich noch das Donaufest, das beide Städte verbindet. Manchen gehen diese Gemeinsamkeiten aber noch nicht weit genug, sie denken an eine Vereinigung beider Städte in ferner Zukunft. Das könnte nicht nur in Zeiten knapper Haushaltsmittel sehr viel Geld sparen, argumentieren sie. Ist das sinnvoll? Eine knappe Mehrheit antwortete in einer Umfrage der Neu-Ulmer Zeitung mit einem klaren Nein.

Von den Ulmer Grünen war eine Fusion der beiden Städte viele Jahre lang betrieben worden, die Parteifreunde aus Neu-Ulm hatten diesen Gedanken viele Jahre unterstützt. "Das ist mehr oder weniger eingeschlafen", muss Rainer Juchheim von den Neu-Ulmer Bündnisgrünen zugeben.

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Dabei gibt es nach seiner Einschätzung weit mehr Möglichkeiten zu einer noch engeren Zusammenarbeit beider Städte, aus der sich Synergien und Einsparpotenziale ergeben könnten. Die Grünen hätten da immer wieder Vorschläge gemacht, sind aber immer wieder gescheitert. "Man hat uns immer gesagt, das geht nicht", bedauert Juchheim. Vieles werde in beiden Städten doppelt und dreifach vorgehalten und müsse dementsprechend bezahlt werden.

Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg sieht in der seit Jahren immer wieder aufflackernden Diskussion um eine Zusammenlegung beider Städte wenig Sinn, weil dies allein schon aus organisatorischer und rechtlicher Sicht nur mit größten Schwierigkeiten und einem Verwaltungskraftakt zu bewerkstelligen wäre. "Da müssten nicht nur die beiden Städte, sondern auch die Länder und der Bund zustimmen." Eine denkbare Fusion würde aber schon allein an der Frage scheitern, welchen Namen das zusammengelegte Gebilde dann tragen würde. Und Noerenberg bezweifelt auch, dass sich die unterschiedlichen Stadtkulturen zusammenbringen lassen: Es gibt ganz gravierende Unterschiede im Selbstverständnis der Ulmer als alten Reichstädtern und den Leuten im jungen Neu-Ulm: "Viele Neu-Ulmer sagen, Ulm und Neu-Ulm - das ist unsere Heimat, aber a bisserl bayerisch sammer scho."

Deshalb verwundert es den Neu-Ulmer OB, dass mit 43,2 Prozent der von der Neu-Ulmer Zeitung Befragten doch ein relativ hoher Anteil einen Zusammenschluss beider Städte befürwortet. Dies, zumal es bei der seit Jahren bestehenden guten Zusammenarbeit immer weniger Gründe gebe. In vielen Bereichen gehen beide Städte gemeinsame Wege, treten bei wichtigen Fragen, wie aktuell das Beispiel Stuttgart 21 zeigt, gemeinsam auf und haben sich inzwischen zum "Motor der Region" entwickelt.

Noerenberg nennt die Ulm/Neu-Ulmer Tourismus-GmbH (UNT), das Klärwerk Steinhäule, den gemeinsamen Einkauf von Bürobedarf für beide Rathäuser und die Kooperation beider Musikschulen als weitere Beispiele für eine Win-win-Situation an der Donau. Dabei kann er sich durchaus vorstellen, dass die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wird und in naher Zukunft weitere Felder der Zusammenarbeit aufgetan werden können. Beide Städte könnten ihre Wohnraumpolitik besser aufeinander abstimmen, nachdem schon der Verkehrsentwicklungsplan parallel erstellt wird.

Bei aller Gemeinsamkeit und bei aller guten Zusammenarbeit ist es aber in den Augen des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters richtig und wichtig, dass beide Städte ihre Eigenständigkeit bewahren. Dies habe den positiven Nebeneffekt, dass Ulm und Neu-Ulm im gegenseitigen Wettbewerb Dinge entwickeln, die sie sonst nicht täten. "Jeder will mit dem anderen mithalten und das gibt einen wechselseitigen Schub."

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