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20.07.2010

Verfolgungsjagd mit der Polizei im Drogenrausch

Neu-Ulm 20 Monate ins Gefängnis muss ein 32 Jahre alter Mann, der sich Anfang Oktober auf der Autobahn 8 im Drogenrausch eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hat. Zudem gab der gelernte Maurer, der früher in Vöhringen und jetzt wieder in seiner thüringischen Heimat lebt, zu, in seiner damaligen Wohnung für einen Kumpan über 50 Gramm Amphetamin aufbewahrt zu haben.

Es ist der Stoff, aus denen Regisseure Actionfilme machen - nur dass es im vergangenen Herbst glücklicherweise keine Verletzten oder gar Tote gab. Schleierfahndern der Neu-Ulmer Verkehrspolizei fällt am Vormittag des 5. Oktobers auf der A 7 kurz nach Langenau ein älteres Audi Coupe mit roter Nummer auf. Die Beamten wollen den Fahrer kontrollieren und folgen dem Wagen, der beim Kreuz Elchingen auf die A 8 in Richtung Stuttgart wechselt und wenig später bei der Anschlussstelle Oberelchingen die Autobahn verlässt, nur um sofort wieder aufzufahren, dieses Mal Richtung München. Jetzt schalten die beiden Zivil-Polizisten an ihrem VW "Touran" die Stoppsignale und das Blaulicht ein. Das führt dazu, dass der Audi-Fahrer das Gaspedal voll durchdrückt und mit Tempo 200 und schneller versucht, die Beamten abzuhängen. Baustellen, bei denen 80 Stundenkilometer erlaubt sind, durchrast er ebenso wie die Rastanlage Leipheim. Mittlerweile haben die beiden Schleierfahnder dank ihres Bordcomputers herausgefunden, wen sie vor sich haben: Einen gelernten Maurer, dem bereits 2005 der Führerschein abgenommen worden ist und der zudem im Verdacht steht, Drogen zu nehmen. Zwischenzeitlich hat die Einsatzzentrale schon Großalarm ausgelöst und Streifenfahrzeuge mehrerer Polizeidienststellen in Richtung A 8 in Marsch gesetzt.

An der Ausfahrt bei Günzburg verlässt der Gejagte die Autobahn. Kurz zuvor war aber ein Wagen der Autobahnpolizei (APS) Günzburg dort eingetroffen. Ein Hauptkommissar, die Gunst der Stunde nutzend, stoppt einen Sattelzug, der ebenfalls die A 8 verlassen will, und bittet den Fahrer, mit seinem Brummi die Ausfahrt zu blockieren. Wenige Sekunden später taucht auch schon der Audi als Letztes von drei Autos auf, in seinem Nacken der "Touran" der Schleierfahnder. Die Beamten stoppen neben dem Gejagten, wollen ihn zusammen mit den entgegenkommenden Kollegen von der APS festnehmen. So weit kommt es nicht: Der Vöhringer legt den Gang ein und rast rückwärts über die Ausfahrt. Er kommt nicht weit, weil ihm ein weiterer Sattelzug entgegenkommt. Er bremst, um sofort wieder nach vorwärts die Flucht anzutreten. Zwischenzeitlich hat er sich auch einer "Marlboro"-Schachtel entledigt, in der die Polizei später Amphetamin entdeckt.

Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der 32-Jährige entkommt, entschließt sich ein Polizist, den Audi zu rammen. Das gelingt auch, das Coupe landet im Straßengraben. Zur völligen Verblüffung der Beamten ist aber immer noch nicht Schluss. Der Audi-Fahrer schafft es, den Graben zu verlassen und auf die Zufahrt der A 8 bei Günzburg zu gelangen. Seine Verfolger kann er aber nicht abschütteln, mittlerweile haben sich andere Streifenwagen an seine Fersen geheftet. Bei der Behelfsausfahrt Unterknöringen dreht er wieder ab. Beim Einbiegen auf die dortige Staatsstraße nimmt er einem pensionierten Lehrer die Vorfahrt. Nur dank Vollbremsung und gleichzeitigem Ausweichen kann der Mann einen Unfall verhindern. Die Jagd geht jetzt auf der Landstraße weiter. Bei Ettenbeuren im Kreis Günzburg biegt der Audi-Fahrer auf einen Feldweg ein. Dort verlieren ihn die Verfolger in dichten Staubwolken aus den Augen. Bei einer Mühle an der Kammel schließlich entdecken sie den verlassenen Audi.

Verfolgungsjagd mit der Polizei im Drogenrausch

Eine erste Suche nach dem Vöhringer, bei der auch ein Polizeihubschrauber dabei ist, verläuft ergebnislos. Am späten Nachmittag ist dann aber am Burgauer Bahnhof die Hatz zu Ende. Anwohner hatten die Polizei informiert, dass eine verdächtige Person zum Zug will. In der Tat handelt es sich um den Vöhringer, der total durchnässt und verdreckt war. Grund dafür war, er hatte sich in und an der Kammel vor seinen Häschern versteckt.

In der Verhandlung vor dem Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer machte der Angeklagte auf Anraten seines Verteidigers Markus Kruppa von seinem Schweigerecht Gebrauch. Erst als mehrere Polizeibeamte detailliert die Verfolgungsjagd geschildert hatten, kam es zu einem Umdenken. Richter Mayer, Staatsanwalt Daniel Egge und Verteidiger einigten sich darauf, einige andere, weniger gravierende Anklagepunkte fallen zu lassen, falls der Beschuldigte sich zu einem Geständnis überreden lasse. Das geschah dann auch.

Dass der Angeklagte hinter Gitter wandern würde, war relativ rasch klar - immerhin hat er es zuvor schon 16 Mal mit der Justiz zu tun bekommen. Sein Vorstrafenregister umfasst Körperverletzung, Rauschgifthandel, Fahren ohne Führerschein, vorsätzlicher Vollrausch, Widerstand und etliches Andere mehr. Das führte zu der Aussage von Staatsanwalt Egge: "Der Angeklagte schert sich einen feuchten Kehricht um unsere Gesetze." (kr)

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