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08.11.2007

Vergewaltiger auf Inlineskates muss sechs Jahre ins Gefängnis

Neu-Ulm/Ulm (gert) - Wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall, gefährlicher Körperverletzung und sexueller Nötigung hat die 5. Jugendkammer des Ulmer Landgerichts unter Vorsitz von Reiner Gros einen 20-jährigen Malerlehrling aus einem Neu-Ulmer Stadtteil zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt. Er hat im November vorigen Jahres in der Ulmer Friedrichsau eine Frau überfallen und brutal vergewaltigt. Ein halbes Jahr später kam es bei einem Überfall zur sexuellen Nötigung.

Als der Angeklagte in den Schwurgerichtssaal geführt wurde, versteckte er vor den Kameras der Fernsehteams sein Gesicht mit der Kapuze eines Anoraks. Nach Eintritt des Gerichts saß auf der Anklagebank ein kräftig gebauter junger Mann, nach Angaben eines Sachverständigen 170 Zentimeter groß und 80 Kilogramm schwer. Er sprach klar und fast ohne Emotionen, als er ein umfassendes Geständnis ablegte. In der Beweisaufnahme kam zutage, was an zwei regnerischen Tagen passiert ist.

Es war am 11. November schon dunkel, als der junge Mann gegen 19 Uhr auf seinen Inlineskates am Neu-Ulmer Donauufer unterwegs war. Dabei fuhr er von hinten eine 22 Jahre alte Joggerin an, die zu Fall kam. Die Studentin sagte aus, dass sie laut geschrien habe.

Nur eine knappe Stunde schlug der 20-Jährige dann wirklich zu. Wieder am Donauufer in der Friedrichsau fuhr er von hinten an eine 28-jährige Frau heran, die dort ahnungslos joggte. Er schlug ihr mit einer Bierflasche zwei- oder dreimal auf den Hinterkopf. Er zog sie in ein Gebüsch und vergewaltigte sie. Das Opfer hat den Schock bis heute noch nicht verarbeitet.

Eine Fahndung nach dem Täter und alle polizeilichen Ermittlungen blieben monatelang ohne Erfolg. Am 31. Mai war in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY¿ ungelöst" nach dem Täter öffentlich gefahndet worden. Anfang Juni war der 20-Jährige wieder aus seinem Heimatort mit dem Bus nach Ulm gefahren und hier auf seinen Inlineskates unterwegs - auf der Suche nach einem neuen Opfer.

Wieder war es dunkel, wieder regnete es, als er in den Ehinger-Tor-Anlagen in der Ulmer Weststadt sich von hinten an eine 34-jährige Frau anschlich, die auf dem Heimweg war. Er griff ihr von hinten in den Schritt. Die Frau stürzte ins Gebüsch.

Sie behielt die Nerven und wehrte sich gegen den Angreifer. Der kräftige Mann versuchte, ihr die Hose runter zu ziehen und berührte sie überm Pullover an der Brust. Und wieder rief sie: "Hilfe, warum hilft mir denn keiner?" Das hat ein Arzt, der in der Beyerstraße auf seinem Balkon war, gehört. Er nahm sein Fahrrad, raste um die Ecke in den Park. Der Sex-Gangster rollte zunächst seelenruhig davon, wurde aber vom Arzt verfolgt, bis er schließlich von der Polizei festgenommen werden konnte.

Auf der Suche nach einem Motiv stellte sich heraus, dass der 20-Jährige aus einem soliden Elternhaus extrem schüchtern ist: "Ich hatte mich bislang nie getraut, auf eine Frau zuzugehen." Wochenlang sei er dann von den Gedanken geplagt worden, dass nun etwas geschehen müsse: "Ich hatte den ganzen Tag nichts anderes im Kopf."

Der Angeklagte hat sich bei seinen Opfern schriftlich entschuldigt. Das hat er in seinem Schlusswort wiederholt: "Ich kann mich selber nicht verstehen." Der Gerichtsvorsitzende in der Urteilsbegründung: "Ich bin über 25 Jahre im Amt. Es fällt mir auch als Richter schwer zu verstehen, wie sich ein junger Mensch zu solch schlimmen Taten hinreißen lässt."

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