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28.11.2018

Verhandlung: Kuschelkurs im Gerichtssaal

In Neu-Ulm haben sich ein Angeklagter und Zeugen vor Gericht plötzlich gut verstanden.
Bild: Kaya

Ein Mann soll einen anderen mit der Faust geschlagen haben. Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Neu-Ulm erinnern sich Zeugen nicht mehr daran.

Ein verheirateter 48-Jähriger hat einige Jahre mit seiner 26-jährigen Angestellten ein Verhältnis – bis dieses abrupt endete. Der Grund: Eines Nachts soll der Mann in die Wohnung der Frau gekommen sein, dort einen Nebenbuhler vorgefunden und diesen rausgeworfen haben. Und nicht nur das: Seinem Ärger über den 27-jährigen Konkurrenten soll er laut Staatsanwaltschaft mit der Faust in dessen Gesicht Luft gemacht haben. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung stand der Mann nun vor dem Amtsgericht in Neu-Ulm, er hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. Denn, so der Angeklagte, die Sache sei „nicht so dramatisch und einseitig“ gewesen.

Statt Schlägen sollen die Männer nur gerangelt haben

Er stellt es vor Richter Thomas Mayer so dar: Die Wohnung sei auf seine Firma gelaufen, deswegen habe er einen Schlüssel gehabt. Er sei oft spätabends dorthin gekommen. „Aber ich war überrascht, dass ein fremder Mann in meinem Bett liegt.“ Er habe den Konkurrenten aufgefordert, die Wohnung zu verlassen, was dieser auch gemacht habe. Dann sei auch er gegangen. Später in der Nacht kam er dann erneut, um den Schlüssel abzugeben, sagte er. Seine Geliebte und deren neuer Freund standen zu dem Zeitpunkt draußen auf dem Parkplatz. Er habe den Jüngeren wegschicken wollen, doch dieser habe geantwortet: „Hey Alter, verschwinde du.“ Daraufhin sei es zu einer Rangelei gekommen, in deren Folge beide Männer im Gebüsch gelandet seien. „Es waren keine Fäuste im Spiel“, versicherte der 48-Jährige.

Ihm kam zugute, dass sich die beiden Zeugen – der 27-Jährige und die ehemalige Geliebte – an den Vorfall vor vier Monaten nicht mehr richtig erinnern konnten. Der 27-Jährige sagte aus, dass die beiden die Wohnung verlassen haben, weil die Frau Angst gehabt habe, dass der 48-Jährige noch mal kommt. „Wir wollten uns verstecken.“ Als es dann zur Rangelei auf dem Parkplatz kam, habe die Frau die Polizei gerufen. Später haben beide angegeben, dass der 48-Jährige den Jüngeren mit der Faust geschlagen habe. Vor Gericht sagte der 27-Jährige, für ihn sei „die Sache erledigt“. Er hat seine Anzeige bei der Polizei einen Tag nach dem Vorfall zurückgezogen. Die ehemalige Geliebte sprach bei der Polizei ebenso von Fäusten – vor Gericht beteuerte sie jedoch: „Ich habe nichts gesehen.“ Während ihrer Aussage lächelte sie den Angeklagten an, nach der Verhandlung unterhielten sich alle drei freundlich miteinander. Der Angeklagte muss nun eine Geldbuße in Höhe von 750 Euro an den Kinderschutzbund Ulm zahlen, das Verfahren wird eingestellt. (cao)

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