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Landkreis Neu-Ulm

22.10.2012

Verletzte bei Katastrophenübung?

Bei der Katastrophenübung des Landkreises waren Verletzungen nicht nur gespielt, es soll tatsächlich Verletzte gegeben haben.
Bild: Dave Stonies

Bei der Katastrophenübung des Landkreises Neu-Ulm soll es viele Pannen und sogar Verletzte gegeben haben.

Landkreis „Wenn sich jemand hinstellt und behauptet, bei einer Übung habe alles geflutscht, lügt er.“ Das ist einer der Kommentare, die derzeit die Runde machen. Andere setzen noch eins drauf. Verletzte soll es gegeben haben, unterkühlte Darsteller, die ins Krankenhaus gebracht werden mussten, erzählt ein Beobachter unserer Zeitung. Es sei schlichtweg drunter und drüber gegangen. Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt winkt energisch ab: „Alles Gerüchte“, an denen nichts dran sei. Zumindest – nicht viel.

Das Szenario: die jüngste Großübung der Landkreis-Retter am 12. Oktober. Wie berichtet, hatten sich Hundertschaften von Helfern, Feuerwehren, Polizei, Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk, Wasserwacht und Bundeswehr in Neu-Ulm und Senden einer sogenannten Vollübung gestellt. Sie findet in der Form alle fünf Jahre statt.

Angenommen wurde ein lang andauernder Stromausfall mit gravierenden Folgen für die Sicherheit der Bürger. Vom stecken gebliebenen Aufzug, einem Wohnungsbrand und einer Massenpanik in der Schule bis hin zum Zugunglück – niemand wusste vorher, was vor Ort wirklich los war. Kreischende Komparsen, die Verletzte mimten, gaben den Szenen Wirklichkeitsnähe.

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Landrat Erich Josef Geßner hatte aus dem Bunker unter dem Landratsamt, der eigentlich für atomare Unfälle gedacht ist, den Katastrophenfall ausgerufen. Dort arbeitete auch die Führungsgruppe Katastrophenschutz unter Hochdruck an der Koordination des gesamten Einsatzes. Die Experten, bei denen auch im Ernstfall alle Fäden zusammenlaufen, wurden dabei durch Notstromaggregate mit Elektrizität versorgt. Kurz nach 22 Uhr zog Kreisbrandinspektor Werner Wildt ein positives Fazit: „Die Alarmierung ist hervorragend gelaufen. Wir sind voll gewappnet.“

Tatsache ist: Die Übung wurde in der Nacht vorzeitig abgebrochen, „weil es dann doch sehr frisch war“, wie Kreisbrandrat Schmidt auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. Von unterkühlten Personen habe aber keine Rede sein können, ein paar Leute hätten lediglich gefroren. Sie seien zuvor in einem sehr warmen Zugabteil gesessen, ehe sie draußen am Boden liegend auf Helfer warten mussten.

Der Kreisbrandrat wartet derzeit selber – nämlich auf die Abschlussberichte der einzelnen Gruppen. Die Gerüchte und Fotos, die unter anderem via SMS, Twitter oder Facebook gestreut wurden, sind ihm bekannt. Einer hatte sogar gepostet: „Hilfe, ich bin bewusstlos.“

Wirklich weiß Schmidt aber nur von zwei echten leichten Verletzungen bei einem Feuerwehrmann und einem Übungsleiter – was bei einer solchen Großübung nicht ungewöhnlich sei. „Solch eine Übung bringt alle Teilnehmer an ihre Grenzen“, sagt der Kreisbrandrat. „Und daraus lernen wir dann auch.“

Kreisjugendwartin Karoline Nägele war bis 1.30 Uhr vor Ort, doch zu ihr sei niemand wegen eines Vorfalles gekommen. Sie bedauert die „Hetze“, die hier von Einzelnen betrieben werde, versteht die Beweggründe nicht. Auf alle Fälle habe es für jeden teilnehmenden Jugendlichen die Einverständniserklärung der Eltern gegeben und jede Gruppe stand unter der Aufsicht eines mindestens 18-Jährigen. „Für den Ernstfall hatten wir sogar ein Codewort ausgemacht“, erklärt die Feuerwehrfrau. Doch kein Einziger habe es benutzt.

Kreisbrandrat Bernhard Schmidt will nun einen runden Tisch der beteiligten Rettungskräfte einberufen, um die Dinge aufzuklären.

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