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Stadtgeschichte

20.05.2011

Verschwundene Kasernen

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113 Jahre lang war Neu-Ulm vom Militär geprägt

Neu-Ulm Heute erinnert nur noch ein Straßenname an die Vergangenheit von Neu-Ulm als Militärstandort. Dabei prägten die Soldaten über 113 Jahre lang Bild und Geschichte der Stadt – zuerst solche in königlich-bayerischen Diensten, später Reichswehr und zuletzt US-Truppen. Als diese 1991 die Stadt verließen, endet die Militärtradition Neu-Ulms – und beginnt die Geschichte eines neuen Stadtteils.

Regierung in München befürchtete Unruhen

Zum ersten Mal wurden in den Wirren der Revolutionsjahre 1848/49 Truppen nach Neu-Ulm verlegt – die Regierung in München befürchtete Unruhen in der Stadt. Die ersten zwei Kompanien rückten schon 1847 ein, nachdem es auf der anderen Donauseite den sogenannten Brotkrawall gegeben hatte, bei denen Proteste gegen Lebensmittelknappheit und zu hohe Preise mit Plünderung und Zerstörung endeten. Im Revolutionsjahr folgten weitere Kompanien aus Augsburg. Doch anders als in Baden und Württemberg blieb es auf der bayerischen Donauseite ruhig, sodass das Gros der Soldaten bald wieder abgezogen wurde.

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1855 rückte aber bereits das Königlich-Bayerische 15. Infanterieregiment „König Johann von Sachsen“ in der Stadt ein, das 1858 vom 12. Infanterieregiment „König Otto von Griechenland“ abgelöst wurde. Später in „Prinz Arnulf“ umbenannt, blieb es bis zum Ende des Kaiserreichs 1918 in der Stadt. Sein Zuhause war ab 1864 die Maximilians- oder Friedenskaserne, gelegen zwischen Maximilian-, Ludwig-, Bahnhof- und Kasernstraße. Über Jahrzehnte dominierte der wuchtige, dreigeschossige Bau das Stadtbild – bis sie 1945, wie der überwiegende Teil der Innenstadt, von alliierten Bomben zerstört wurde.

Während der Weimarer Zeit blieb Neu-Ulm ohne Garnison. Das änderte sich erst in der Zeit des Nationalsozialismus. Noch am Tag der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 forderte er in Briefen an die Wehrkommandos in Stuttgart und München, Neu-Ulm wieder zum Militärstandort zu machen. Sein Bemühen war erfolgreich: Bereits 1934 begann der Bau der Reinhardt-Kaserne an der Reuttier Straße und Finninger Straße, 1936/37 der der Ludendorff-Kaserne an der Memminger Straße, in die kurz darauf Einheiten der 5. Division aus Ulm verlegt werden. Es sollte nur sechs Jahre dauern, bis Neu-Ulm nach dem Kriegsende wieder Garnisonsstadt wurde – allerdings US-amerikanische. 1951 räumten die Truppen das Gelände der beiden Kasernen, auf dem unter anderem Zwangsarbeiter lebten, im Dezember treffen die ersten Einheiten ein. Die Reinhardt-Kaserne wird zu den „Nelson-Barracks“, die Ludendorff-Kaserne zu den „Wiley-Barracks“, wo eine Stadt in der Stadt für die US-Soldaten entsteht; dazu wird 1951/52 eine „Housing Area“ an der Ringstraße errichtet.

Neu-Ulm ist eine Stadt im Zeichen des Kalten Krieges – und auch immer wieder Schauplatz von Demonstrationen. „USA raus aus Vietnam“ demonstrieren die Kriegsgegner, im November 1970 vom Ulmer Bahnhof zu den Wiley-Barracks. Im Oktober 1983 bilden 175000 Menschen eine Menschenkette zwischen Neu-Ulm und Stuttgart, gegen die Stationierung der Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II – doch ohne Erfolg.

Heute ist von den Kasernen im Stadtbild nichts mehr zu sehen. Das Wiley-Areal ist das jüngste Wohnviertel der Stadt, auf dem Nelson-Gelände stehen heute das Finanzamt und die Polizei. Vermissen dürfte die Soldaten kaum einer. (mgo)

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