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Ulm

17.01.2019

Verstörende Einblicke in das Innenleben der AfD

Franziska Schreiber, 28, hatte es bei der AfD bis in die höchsten politischen Ämter geschafft.
Bild: Ralph Manhalter

Partei-Aussteigerin Franziska Schreiber präsentiert im Roxy ihr Enthüllungsbuch und stellt sich den Fragen des Publikums. Alle beantworten kann sie nicht.

Seltsamerweise blieben die Provokateure aus. Weder vor dem Roxy, noch in der Lesung und anschließender Fragerunde ließen sich rechte Gruppierungen ausfindig machen, die nur ein Ziel hätten: zu stören. Dabei war das, was das einstige AfD-Mitglied Franziska Schreiber über Strukturen und Denkweisen dieser Partei verriet, durchaus als Sprengstoff geeignet. Schreiber, 28 Jahre, schaffte es bis in die höchsten politischen Ämter. Vorsitzende der Jungen Alternative Sachsen, Pressesprecherin, Mitglied im Bundesvorstand: Die Karriere schien steil nach oben zu weisen. Dann der Bruch: 2017 auf ihrer Facebookseite eine Wahlempfehlung der FDP. Was folgt, waren Denunziationen, Drohungen, Einschüchterungsversuche seitens ehemaliger Parteikollegen und Weggefährten. Was bewegte die junge Frau, diesen mutigen Schritt zu wagen?

In der gut eineinhalb stündigen Veranstaltung im Roxy-Studio stand immer wieder diese Frage zur Diskussion. Nach eigener Angabe waren es zwei Ereignisse, die Schreiber in einen unlösbaren Loyalitätskonflikt brachten. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 mit einem gestohlenen Lkw zündeten Mitglieder der AfD Freudenfeuer und schlossen Wetten ab, wie hoch der Stimmenzuwachs der nächsten Wahl ausfallen würde. Dies fiel auch in der Zeit, als der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke von einer „erinnerungspolitischen Wende“ zu sprechen begann.

Franziska Schreiber sagt: "Die AfD ist nicht steuerbar"

Für Schreiber, die unter anderem Politikwissenschaften studierte, waren dies untrügliche Zeichen, dass die Partei immer mehr nach rechts drifte. „Die AfD ist nicht steuerbar“, konstatierte sie dann auch treffend. Die Basis bestimme den Weg. Ursprünglich eingetreten, um etwas zu verändern zu können, musste die junge Frau feststellen, dass mit der Zeit alle moderaten Stimmen aus der Partei hinausgedrängt wurden. Dabei ist ihrerseits, trotz all den enttäuschenden Erfahrungen, keine Verbitterung erkennbar. Fast schon ironisch kommentiert Schreiber stattdessen die Textstellen ihres Buches „Inside AfD“. Das Motto der AfD sei „Keine Toleranz der Toleranz“. Der Zuhörer hatte den Eindruck, als könne das ehemalige Mitglied es immer noch nicht fassen, wie sich die Praxis des Innenlebens der Partei gestaltete. Die Aussteigerin wirkt selbstbewusst, unkompliziert und durchaus sympathisch. Sie sei nun endlich wieder sie selbst, bemerkte Schreiber, was geradezu einen Vergleich der AfD mit einer Sekte evozierte. Das Publikum glaubte ihr.

Informationen über die Struktur der Partei im Raum Ulm habe sie aber keine, musste sie auf Nachfrage eingestehen. Die recht rege angenommene Fragerunde drehte sich unter anderem auch um die kürzlich erfolge Einstufung der AfD als Prüffall für den Verfassungsschutz. Hier erhebt die junge Frau schwere Vorwürfe gegen den früheren Präsidenten der Organisation, Hans-Georg Maaßen. Dieser hätte den schon längst überfälligen Schritt zu seiner Amtszeit verhindert. Erschreckend auch die Aussage, dass jedem Neumitglied nahe gelegt werde, sich ein Facebookprofil zuzulegen. Somit könne eine, der Partei gelegen kommende Nachrichtenmeldung im Eiltempo geteilt und vervielfältigt werden. Der Leser bekäme dann den Eindruck, als würde hier die tatsächliche „Volksmeinung“ verbreitet. Natürlich lädt dies geradezu ein, auch „Fake News“ zu generieren, wie in der Vergangenheit des Öfteren zu beobachten war.

Zahlreiche Besucher interessierten sich dann am Ende dieser überaus verstörenden Einblicke am Büchertisch auch für das Buch der Aussteigerin, das diese gerne mit einer persönlichen Widmung versah.

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