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Musik

20.06.2016

Verwurzelt in Harmonie und Schönheit

Dirigent Albrecht Schmid und sein Chor legten einen fabelhaften Konzertabend im Ulmer Münster hin.
Bild: Florian L. Arnold

Der elfte Konzertabend der Wiblinger Bachtage im Ulmer Münster mit üppigem Programm

Einen sehr ambitionierten elften Konzertabend im Rahmen der Wiblinger Bachtage legte Dirigent Albrecht Schmid vor. Unter dem Titel „Lob und Klage“ gab es anderthalb Stunden mit vier- und achtstimmigen Motetten im Chorraum des Münsters zu erleben. Und um den Konzertgenuss durch Abwechslung zu mehren zudem zwei Instrumentalkonzerte. Ein enormes Pensum und fast zu viel für einen Abend.

Besonders bemerkenswert im prall gefüllten Programm sicherlich „Meine Seele ist still“ von Albrecht Schmid selbst. Er, der die Wiblinger Bachtage seit 1985 (!) leitet und auch einer Reihe weiterer Festivals auf die Beine half, trat hier selbst als Komponist hervor und reihte sich zugleich sehr sinnvoll in die Auswahl des Abends. Eine sanfte Psalmenvertonung, die im besten Sinne zu der neuen Tonalität dieser Tage gehört und deren Harmonien denen der Spätromantiker Hessenberg, Distler und Strebel verwandt sind, die ebenfalls in diesem Konzert zu erleben waren. Die Wiblinger Kantorei interpretierte dieses wie auch die weiteren Werke des Abends mit warmem, intuitiv-lebendigem Tonfall. Das dynamische Wechselspiel von Stille und Steigerung machte hörbar, wie viel Probenarbeit eingesetzt wurde.

Nicht gerade selten, aber immer wieder gerne hört man Felix Mendelssohn Bartholdys achtstimmige Motetten op. 79. Diese Werke scheinen heute wieder zur Blaupause für zeitgenössische (nicht nur) religiöse Chormusik zu werden. Kein Wunder, setzte Mendelssohn Bartholdy doch ein Höchstmaß an Emotionalität ein, von der innigen Passage „Erhaben, o Herr“ bis zum jubilierenden Überschwang von „Frohlocket, ihr Völker“.

Den Psalm 84 „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ gab es in zwei Bearbeitungen zu hören – einmal vom Barock-Komponisten Andreas Hammerschmidt und, direkt anschließend, vom Spätromantiker Kurt Hessenberg. Der zeitliche Abstand der Entstehung offenbarte Unterschiede, aber auch große Ähnlichkeiten. Zwar war das Hammerschmidt-Werk mit Oboe (Ulrich Ehret) und Kontrafagott üppiger besetzt, wohingegen Hessenberg eine A-cappella-Besetzung vorzog. Beide Werke jedoch setzen auf eine stille Innerlichkeit, auf eine undramatische Textumsetzung. Die Instrumentalkonzerte gaben den mit hohen Anforderungen geforderten Sängern Zeit zum Durchatmen. Das sehr heitere und relativ kurze Orgelkonzert F-Dur von Georg Friedrich Händel mit Joseph Kelemen erklang mit den Solisten des Collegium Instrumentale. Homogen und präzise wie ein Uhrwerk erklang das dreisätzige Werk, litt aber vereinzelt an kleinen asynchronen Übergängen. Das eigentlich für Cembalo und Kammerorchester gedachte Konzert A-Dur von Johann Sebastian Bach hörte man im Münster mit Oboe d’amore. Wiederum wusste Solist Ulrich Ehret zu entzücken, der sangliche Ton der Oboe ist dem Bach-Werk zuträglich. Den Ausklang des Konzertabends trugen Werke von Johann Michael Bach, Arnold Strebel und Gottfried Faber. Letzterer schrieb, obwohl 1989 geboren, ein „Abendlied“ (Nach H. Claudius), dessen Harmonie fest in der Schönheit der Melodie verwurzelt ist. Ein durchweg gelungenes, von hohen solistischen und chorischen Leistungen getragener Konzertabend.

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