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Burgrieden-Rot

05.11.2017

Villa Rot zeigt Bilder der Kindheit

Die digitalen Collagen des russischen Kollektivs AES+F (hier „Last Riot, The Track“) erinnern an Historiengemälde – und machen Buben und Mädchen zu den Akteuren in brutalen Schlachten.
Bild: Galerie Knoll Wien

Kinder an die Macht? Das Museum

Solche Kinder wie auf Theodor Schütz’ „Osterspaziergang“ machen den Eltern Freude: Brav wandern sie durch ein nachwinterliches Idyll, niemand tanzt aus der Reihe. Das Ölbild aus dem Jahr 1859 zeigt jedoch keine Realität. Die Kinder sind nur Platzhalter für die Wünsche der Erwachsenen: nach Ruhe, nach Frieden, nach Ordnung. Ganz anders auf der digitalen Collage „Last Riot, The Track“ des russischen Künstlerkollektivs AES+F. Die Kinder gehen mit Baseballschläger und Schwertern aufeinander und die Erwachsenen los, inszeniert in der Art eines Historiengemäldes, doch statt einer glorreichen Vergangenheit zeigen sie eine düstere Zukunftsvision.

Zwei sehr unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Thema, die für zwei Extreme in der neuen Ausstellung im Museum Villa Rot in Burgrieden-Rot (bei Laupheim) stehen. „Helle Kindheit / Dunkle Kindheit“ heißt die von Museumsleiter Marco Hompes zusammengestellte Schau, die unter der jetzigen Chefin des Museums Ulm, Stefanie Dathe, etablierten Themenausstellungenanknüpft, aber auch neue Akzente setzt. Was auffällt: Die Malerei hat einen stärkeren Stellenwert – und auch die Kunstgeschichte.

Sie steht auch am Anfang des Rundgangs, mit Theodor Schütz und anderen Künstlern des 19. Jahrhunderts, vorwiegend aus Baden-Württemberg. Bei ihnen stehen die Kindern für Reinheit und Unschuld. Doch die Villa Rot setzt dem schnell das Heute entgegen: Werbespots flimmern über einen Fernseher, der in einem Bällebad wie bei Fastfood-Restaurant steht. Kinder sind heute eine wichtige Zielgruppe – und ein starkes Vermarktungsargument. In der Folge bekommt die „Helle Kindheit“, die im Erdgeschoss des Museums gezeigt wird, erste Schatten, bis schließlich eine Kreidelinie, gezogen von den „Outliners“, zwei Figuren des Künstlers Gregor Gaida, den Übergang zum dunklen Bereich markiert.

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Der beginnt mit den fast symbolistischen Bildern Wolfgangs Kesslers, der seine Tochter mit verschiedenen Gegenständen malte – etwa mit einem Fahrradhelm vor dem Gesicht. Konkreter wird es im Obergeschoss. Etwa in den knallbunten Acryl-Großformaten von Robert Matthes: Auf diesen scheint die in einer Art Graffiti komprimierte Welt der Erwachsenen auf schutzlose Kinder zu starren. Die vor rund zehn Jahren entstandenen Collagen von AES+F erlauben aber auch die Frage nach der Gefahr, die von Kindern und Jugendlichen ausgehen kann. Stichwort: IS.

Eine entscheidende Rolle spielen Kinder auch in der Arbeit von Dejan Kaludjerovic, der die Kunsthalle der Villa Rot bespielt. Der Serbe interviewte Grundschulkinder in verschiedenen Ländern zu ernsten Themen, etwa Politik. Die Antworten aus Österreich sind in der Ausstellung zu hören – und dazu ein überdimensioniertes Mikadospiel: Es steht laut Kaludjerovic für die Vorsicht, die er aus den Aussagen heraushörte. Kinder haben ein Gespür dafür, wie die Welt der Erwachsenen funktioniert.

„Helle Kindheit / Dunkle Kindheit“ wird am Sonntag, 5. November, um 11 Uhr eröffnet und läuft bis 11. Februar 2018. Geöffnet ist das Museum immer Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr  sowie Sonn- und Feiertag von 11 bis 17 Uhr.

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