Es geht wohl kaum ein Tag ins Land, an dem Heinz Schiele nicht an der Iller unterwegs ist – mit oder ohne Angelrute. 40 Jahre war er Gewässerwart bei der Fischereigemeinschaft Vöhringen. Ein Amt, das Kenntnisse erfordert, theoretische wie praktische. Wie viele Fischbabys er ins Wasser gesetzt hat, kann er nicht mehr sagen. In jedem Fall waren es viele. Eigentlich ist er jetzt im Vereinsruhestand, aber mit der Iller ist er verwachsen, sodass er sich auch heute noch dem Team der Gewässeraufsicht anschließt. Für seine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit ist er jetzt vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ausgezeichnet worden.
Die Entwicklung der Iller in den vergangenen Jahrzehnten hat Schiele genau beobachtet. Der Fluss ist für ihn mehr als nur ein Gewässer, in dem Fische leben, die den Speisezettel bereichern. Hört man zu, wie er von seiner Tätigkeit als Gewässerwart berichtet, dann weiß man sofort, hier spricht ein Mann, der die Iller als ein wertvolles Lebewesen betrachtet, das wiederum anderen Lebewesen Raum gibt. Ein Kreislauf der Natur.
Als Bub fing er Fische mit der Hand
Sein Interesse für alles, was mit Wasser zu tun hat, begann als Kind. „Wenn das Wasser im Mühlbach abgelassen wurde, stiegen wir Buben bis auf den steinigen Boden hinab, fingen die Fische mit der Hand und brachten sie der Mutter.“ Heute ginge das nicht mehr. Es muss immer Restwasser auf dem Grund stehen bleiben. Der Durchfluss beträgt normal vier Kubikmeter pro Sekunde, beim Wasserablassen reduziert sich der Durchfluss auf 600 Liter pro Sekunde.
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Ein Gewässerwart ist auch zuständig für den Besatz der fließenden wie stehenden Gewässer. Dass der Mühlbach wieder zu einem lebendigen Gewässer geworden ist, an dem die Fischereigemeinschaft großen Anteil hat, freut Schiele besonders. „Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Mühlbach tot. Da lebte kein Fisch mehr. Die Lebensgrundlage für Forellen und andere Fische war ihnen entzogen worden, nämlich sauberes Wasser.“ Südlich von Vöhringen wurden jahrelang massiv Abwässer eingeleitet, das war tödlich für den Fischbestand. Als dann die Kläranlagen in Betrieb genommen wurden, verbesserte sich die Situation. „Und heute können aus dem Mühlbach wieder Fische geangelt werden. Das ist für mich und alle anderen Fischer eine große Freude. Denn das bedeutet, dass sich die Wasserqualität erheblich verbessert hat.“
Der Vöhringer wünscht sich mehr Respekt vor der Schöpfung
Schiele wollte all die Wunder der Natur vor allem Kindern zugänglich machen. Deshalb hat er eine Jugendgruppe ins Leben gerufen, die blüht und gedeiht. Außerdem beteiligt sich der Verein an der Aktion „Fischer machen Schule“.
Was hat Heinz Schiele bisher am meisten Freude bereitet? „Das war die verbesserte Wasserqualität.“ Aber er hat auch Kummer, mit welcher Achtlosigkeit erwachsene Menschen zum Beispiel den Mühlbach als willkommene Entsorgungsmöglichkeit für alles nutzen. Da wünscht er sich mehr Respekt vor der Schöpfung.
Bayerns seltenster Orden für Ekin Deligöz
Schiele ist nicht der einzige geehrte Bürger der Region. Am morgigen Freitag erhält eine Sendenerin Bayerns seltensten Orden: Ekin Deligöz bekommt dann von Landtagspräsidentin Ilse Aigner die Verfassungsmedaille in Silber verliehen. Deligöz engagiert sich seit über drei Jahrzehnten im politischen Bereich und in zahlreichen Ehrenämtern mit großem Einsatz für die Gemeinschaft. Im Alter von acht Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie die Grundschule in Senden besuchte, bevor sie auf das Gymnasium wechselte. In Konstanz und Wien studierte sie später Verwaltungswissenschaften. Sie interessierte sich frühzeitig für gesellschaftliche Fragen und gehörte 1991 zu den Mitbegründerinnen des Bayerischen Landesverbands der Grünen Jugend. In den Jahren von 2002 bis 2008 war Deligöz Vorsitzende des Bezirksverbands Schwaben. Seit 1998 ist sie Mitglied im Deutschen Bundestag, wo sie seit 2017 den Vorsitz der bayerischen Landesgruppe von Bündnis 90/Die Grünen innehat.
Neben ihrer politischen Arbeit setzte sich Deligöz von 2008 bis 2018 als Vorstandsmitglied bei Unicef für die Rechte von Kindern ein. Seit 2018 ist sie Vizepräsidentin beim Deutschen Kinderschutzbund. Auch als stellvertretende Vorsitzende des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie macht sie sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung stark. (mit az)
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