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Landkreis Neu-Ulm

17.11.2019

Volkstrauertag: Ein Appell an Herzlichkeit und Verstand

Thorsten Freudenberger (links) und Valentin Mayer (sitzend) erinnern in Reutti an Kriegsopfer.
Bild: Christoph Lotter

Landrat Thorsten Freudenberger und Zeitzeuge Valentin Mayer erinnern an die Opfer von Kriegen. Letzterer berichtet auch von seiner Reise zu Gräbern in Russland.

Es sind bewegende Worte, die Valentin Mayer an die Besucher richtet, die zur Gedenkstunde des Landkreises Neu-Ulm zur Kriegsgräberstätte nach Reutti gekommen sind.

Mayer erzählte, wie er 1972 nach Serpuchow in Russland zurückkehrte, nachdem er im Zweiten Weltkrieg in der Nähe stationiert gewesen war. „Wir erwarteten Hass und Feindschaft, stattdessen trafen wir auf freundliche Menschen, die ebenso wie wir die Schrecken des Krieges erlebt haben.“ Die deutsche Gruppe des Volksbunds nahm damals Kontakt zum russischen Veteranenbund auf, der Kontakt bestehe bis heute. Vor Ort habe man Namenslisten mit den Erkennungsnummern vieler deutscher Soldaten erhalten. „So konnten wir das Schicksal der bis dahin Vermissten klären und die Angehörigen benachrichtigen“, erzählt Mayer. Der Volksbund habe Gräberfelder bei Serpuchow instandgesetzt und noch im Nachhinein Gebeine beerdigt.

Volkstrauertag im Landkreis Neu-Ulm: Gedenken auf der Kriegsgräberstätte in Reutti

Bei den Besuchen seien sie stets freundlich aufgenommen worden, und bei den Suchen sehr unterstützt, so erinnert sich Mayer auf der Kriegsgräberstätte in Reutti an den Austausch mit Russland.

Landrat Thorsten Freudenberger bedankte sich bei Mayer für die eindrucksvollen Worte, die er als Überlebender des Zweiten Weltkriegs an die Zuhörer richtete. „Der Zweite Weltkrieg, dessen Beginn sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt, war so ungeheuerlich, so vernichtend, dass wir, die wir ihn nicht erlebt haben, uns diese Schrecken nur schwer vorstellen können“, sagte Freudenberger. Er habe rund 60 Millionen Todesopfer gefordert und Europa in Trümmern zurückgelassen. „Das Gedenken daran ist wichtig, um denen entgegenzutreten, die diese schrecklichen Jahre verniedlichen“, so der Landrat. Man lebe auch heute nicht in Utopia – „aber wir leben in der besten Zeit der deutschen Geschichte“. Diese gelte es zu bewahren, ja zu verteidigen: Denn trotz des Friedens, für den wir so dankbar sind, erleben wir in unserer Gesellschaft, in unserem Alltag vielfältige Formen von boshaft und aggressiv aufgeladenen politischen und persönlichen Konflikten. „Dagegen müssen wir uns wehren, dagegen müssen wir einstehen. Dem Hass müssen wir Herzlichkeit, den Lügen und Scheinwahrheiten müssen wir Verstand und Sachlichkeit entgegensetzen.“ (az)

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