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Ulm

06.05.2015

Volle Fahrt voraus für die Straßenbahn 

Künftig fährt in Ulm nicht mehr nur die Linie 1.  Am Mittwoch hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit den Baubeschluss für die Linie 2 zum Oberen Eselsberg und zum Kuhberg gefasst. In drei Jahren soll die Strecke fertig sein.
Bild: Alexander Kaya

Der Ulmer Gemeinderat stimmt mit deutlicher Mehrheit für den Bau der Linie 2. Ärger ist bei dem Millionen-Projekt zwar abzusehen, doch die Zuversicht überwiegt.

Jetzt ist es beschlossene Sache: Die neue Linie 2 in Ulm wird gebaut. Der Ulmer Gemeinderat hat das Vorhaben am Mittwoch mit großer Mehrheit (bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung) auf den Weg gebracht. Bereits Mitte Juni wird der schwierige Bau der Straßenbahnbrücke zwischen Neutorstraße und Kienlesberg über die Gleise in Angriff genommen. Sie verläuft direkt neben der historischen Neutorbrücke. Im Herbst beginnen dann die Arbeiten an der eigentlichen Strecke hoch zur Uni und Richtung Kuhberg. Die insgesamt 10,5 Kilometer lange Trasse soll bis Sommer 2018 fertig sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 192 Millionen Euro. Wenn die Fördermittel von Bund und Land so fließen, wie erhofft, muss die Stadt 86 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen. Dazu kommen 33 Millionen Euro für den Kauf von zwölf neuen Straßenbahnwagen. Das ist zwar Sache der SWU Verkehr, doch da die Stadtwerke finanziell immer noch angeschlagen sind, wird die Stadt den größten Teil dieser Summe wohl in Form eines Gesellschafterdarlehens oder durch Kapitaleinlagen vorstrecken.

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„Es ist das größte Infrastrukturprojekt der Stadt seit Jahrzehnten“, sagte Baubürgermeister Alexander Wetzig in seiner letzten Gemeinderatssitzung vor seinem Ruhestand. Gleichzeitig sei der Bau der Linie 2 ein enormes Stadtentwicklungsprojekt. Auf der Nord-Süd-Achse, an der die Straßenbahnlinie künftig verläuft, reihten sich Schwerpunkte der Stadtentwicklung, wie die Wissenschaftsstadt, das künftige Wohngebiet auf dem Areal der Hindenburgkaserne, der Citybahnhof, das neue Wohngebiet am Egginger Weg und das Schulzentrum am Kuhberg. Es gehe aber auch um den Standort Ulm insgesamt. So könnten die Bürger durch den Bau der Tram und der ICE-Neubaustrecke künftig in einer Stunde vom Hauptbahnhof Stuttgart an die Uni Ulm gelangen. „Es ist ein Kraftakt“, sagte Wetzig. „Aber es ist verantwortbar und leistbar.“

Den Stadträten und der Verwaltung ist bewusst, dass der Bau der Linie 2 Lärm, Behinderungen und Staus und damit auch viel Ärger mit sich bringen wird. „Wir werden viele Stürme erleben“, sagte Oberbürgermeister Ivo Gönner. „Wir zahlen einen hohen Preis“, befand Thomas Kienle (CDU). Gleichwohl sei der Baubeschluss eine vertretbare Zukunftsentscheidung. „Was uns in den nächsten drei Jahren bevorsteht, davor ist uns nicht bange“, sagte Dorothee Kühne (SPD). „Es war ganz wichtig, die Bürger frühzeitig einzubinden“, betonte Reinhold Eichhorn (FWG). „Wir stimmen aus voller Überzeugung zu“, sagte Birgit Schäfer-Oelmayer für die Grünen. Karin Graf (CDU) monierte, dass Alternativen zur Tram nicht ausreichend geprüft worden seien, beispielsweise eine Seilbahn oder andere Bussysteme. Was vielen Räten Bauchschmerzen bereitete, waren die teils unkalkulierbaren Risiken, die von der Verwaltung auf einem doppelseitigen DIN-A4-Blatt aufgelistet wurden. Wie entwickeln sich die Baukosten? Fallen die Fördermittel vielleicht geringer aus als erhofft? Was passiert, wenn die Bauarbeiten doch später abgeschlossen werden als geplant? „Die Risiken sind zu verantworten“, sagte Baubürgermeister Alexander Wetzig. Und die Sorge, dass der Stadt sämtliche Fördermittel verloren gehen könnten, sie also am Ende 100 Millionen Euro mehr zahlen muss, entkräftete Ingo Wortmann, Geschäftsführer der SWU Verkehr, zumindest fürs Erste. Der sogenannte Kosten-Nutzen-Quotient, der nicht unter 1,0 rutschen darf, damit Bund und Land den Bau der Straßenbahnstrecke fördern, liege zwar momentan nur bei 1,16. Er werde aber steigen, sobald die neuen Wohngebiete und der Science Park mit in die Berechnungen zum Nutzen der Strecke eingeflossen sind.

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