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Neu-Ulm

27.04.2015

Volle Fahrt voraus!

Im Notfall müssen die Matrosen über die Notpinne das Ruder bedienen.
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Im Notfall müssen die Matrosen über die Notpinne das Ruder bedienen.

Im Rahmen des Lebenshilfe-Projektes „Ulmer Spatz“ haben sich Menschen mit Behinderung monatelang zu Matrosen ausbilden lassen. Heute wird es für sie ernst

„Mann über Bord!“ Dominik Spann reagiert sofort. Gemeinsam mit Kapitän Klaus Thanner packt er das Steuerrad und dreht es kräftig nach links. Anschließend geht es mit voller Fahrt voraus die Donau hinab, schließlich muss ein Ertrinkender gerettet werden. Jede Sekunde zählt.

Der Hilferuf kommt von der Fußgängerbrücke in Offenhausen – und ist nicht ganz ernst gemeint. Manfred Müller, dem technischen Leiter des Integrationsprojektes „Ulmer Spatz“, ist bei Arbeiten am Anlegesteg in der Friedrichsau lediglich eine Plastikscheibe ins Wasser gefallen. Zwei Ruderer haben sie bereits wieder aus der Donau gefischt, als das Passagierschiff der Lebenshilfe Donau/Iller am „Unglücksort“ ankommt. Für die Crew auf dem Spatz war der gespielte Notfall dennoch gut: als Übung für den Ernstfall.

Dominik Spann und fünf seiner Kollegen aus den Werkstätten der Lebenshilfe haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten zu Matrosen ausbilden lassen. Ab Mai werden sie sie tagtäglich auf dem restaurierten Traditionsschiff ihren Dienst als Gehilfen des Kapitäns antreten. „Passagiere begrüßen, auf Sehenswürdigkeiten hinweisen und beim Anlegen helfen“, werden dann die Hauptaufgaben der Matrosen sein, weiß Thomas Müller. Er ist von Beginn an Teil des Integrationsprojektes und hat geholfen, das in die Jahre gekommene Boot wieder auf Vordermann zu bringen. „Als Matrosen gesucht wurden, war für mich sofort klar, dass ich da mitmachen will“, erzählt er und hat es seither nicht bereut.

Die Ausbildung auf dem Ulmer Spatz ist nicht nur notwendig für die spätere Arbeit als Matrose, sie ist für die Beteiligten, die alle mit einer Behinderung leben, vor allem auch eine willkommene Abwechslung zur Arbeit in den Werkstätten. „Das alles war für uns absolutes Neuland und eine Herausforderung“, erzählt Dieter Schwehr, der die sechs künftigen Matrosen auf ihrem Werdegang pädagogisch begleitet. Für die fachliche Ausbildung ist derweil Kapitän Klaus Thanner zuständig. Seit Monaten übt er mit den sechs „Seemännern in spe“ die wichtigsten Manöver an Bord, bringt ihnen die notwendigen Knoten bei und erklärt, was ein echter Matrose sonst noch alles zu tun hat. Der „Mann über Bord“-Schrei im Notfall zählt auch dazu.

Wirklich ernst wird es heute zum ersten Mal: Es steht die große Prüfung an, bei der Thanner und seine Crew dem zuständigen Konstanzer Schifffahrtsamt beweisen müssen, dass sie geeignet sind, den Ulmer Spatz künftig täglich zwischen Friedrichsau und Metzgerturm pendeln zu lassen. „Das ist eine Premiere. Eine solche Prüfung wurde hier noch nie abgenommen. Wir wissen nicht, was von uns erwartet wird“, sagt Thanner, der trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung auf See und Fluss angespannt ist: „Wenn wir das nicht packen, dann haben wir ein Problem.“ Denn viel Zeit bleibt nicht mehr. Am kommenden Sonntag wird das komplett barrierefrei begehbare Ausflugsschiff im Rahmen eines „Inklusionsfestes“ in der Friedrichsau getauft.

Warum in Neu-Ulm noch nicht angelegt werden darf

Danach soll der Spatz täglich und fast stündlich seine Runden zwischen den beiden Anlegestellen am Offenhauser Fußgängersteg und dem Metzgerturm drehen. Zudem kann das Schiff, das mit einer Musik- und Lichtanlage ausgestattet ist, auch für Eventfahrten gemietet werden. Auf Neu-Ulmer Seite gibt es im Übrigen noch keine Möglichkeit, zuzusteigen. Es fehlt ein geeigneter Anlegesteg. Geht es nach den Beteiligten des Projektes, soll sich das eines Tages ändern. Noch steht diesen Plänen jedoch auch das bayerische Wasserrecht entgegen. Denn aktuell darf der Ulmer Spatz lediglich auf der baden-württembergischen Seite der Donau fahren.

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