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22.10.2008

Vom Fasspichler zum Hausbrauer

Biberach (mde) - "Wir waren Küfer, Fasspichler, Bierfans, pflegten den Anbau von Biergerste oder arbeiteten in Brauereien, irgendwie waren wir jedenfalls alle mit dem edlen Gerstensaft verbunden und haben das Hausbierbrauen zu unserem Hobby gemacht", meinte der Babenhausener Hausbrauer Tristan Siedl bei der Preisverleihung der "Bayerisch-Schwäbischen Haus- und Hobbybrauer" in der Biberacher Brauerei Schmid zur NUZ.

48 Hausbrauer, unter anderem auch aus den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg, waren seiner Einladung gefolgt. "Ganz oben auf dem Treppchen" landeten die Biere von Thomas Lill aus Elchingen (Altenheimbrauerei "Pumator" Thalfingen) und die des Teams der "Blauen Ente" aus Leipheim. Neben einem regen Erfahrungsaustausch und einer Brauereiführung stand auch eine Bierverkostung auf dem Programm.

Jeder Teilnehmer hatte drei Flaschen seiner Erzeugnisse mitgebracht, die von einer dreiköpfigen Jury nach den Sorten "Untergärig", "Weizenbier" und "Starkbier" verkostet und bewertet wurden. Die einzelnen Bewertungskriterien waren: Schaum, Geruch, Reinheit des Geschmacks, Vollmundigkeit, Rezenz (Frischeeindruck) und Hopfen-Bittere.

Nach der Preisverleihung werden bei einer gemütlichen "Hockete" der Hausbrauer neben den Brauerfahrungen auch Geschichten aus früheren Brauzeiten ausgetauscht. So erzählte Heinrich Beilhardt von der "blauen Ente, der 25 Jahre lang bei der Neu-Ulmer Löwenbrauerei als Küfer und "Pichler" angestellt war, dass man noch bis in die 80er die riesigen leeren Bierfässer zum "Pichen" von der Brauerei durch die verkehrsreiche Neu-Ulmer Krankenhausstraße und Schützenstraße gerollt habe, damit sich das Pech zum Zwecke der Desinfektion gleichmäßig in den Fässern verteilte. Bis zu 72 Hektoliter fassten die Fassriesen, sie hatten einen Durchmesser von 2,2 Metern. "Bier hatte damals absolute Vorfahrt", lachte der Pichler, der nun im Ruhestand zum Mitglied eines preisgekrönten Hausbrauerteams wurde.

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Zehn Stunden dauert ein Brauvorgang, dann kann der "Grundsud" verkostet werden. Der stark malzhaltige Sud ist auch als hilfreiche Arznei gegen mancherlei Erkrankungen bekannt. Er wird nach sechswöchiger Lagerung zu einem wohlschmeckenden Bier reifen. Während bei den Haus- und Hobbybrauern in zehn Stunden zwischen 150 und 300 Liter gebraut werden, stößt eine Großbrauerei im gleichen Zeitraum 100 000 Liter aus.

Trotzdem müssen auch die Hobbybrauer ihre Stammwürze beim Zoll anmelden. Sie halten sich streng an das Reinheitsgebot von 1516, nach welchem nur Wasser, Hopfen, Malz und Hefe zum Brauen verwendet werden dürfen. Pro 100 Liter Sud werden 1000 Liter Wasser verbraucht.

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