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Theater Ulm

12.12.2015

Vom Paradies auf den Bau

Auch sie bekommen Lob vom Publikum: Tomasz Kaluzny (links) als Leporello und Maria Rosendorfsky als Donna Elvira.
Bild: Jochen Klenk

Die Zuschauer loben nach der Premiere von Mozarts Oper „Don Giovanni“ die Sänger. Das Bühnenbild wirft hingegen Fragen auf

Die Realität bricht ein in den blühenden Garten: Das (Straßenbahn-)Baustellen-Bühnenbild Marianne Hollensteins verwirrte die Zuschauer bei der Premiere der Mozart-Oper „Don Giovanni“ im Großen Haus des Theaters Ulm. Viel Lob hingegen gab es beim Premierenpublikum für die Leistungen der Solisten um Don Giovanni (Kwang-Keun Lee).

Joachim Diener aus Mähringen kann die Symbolik der zweiten Hälfte nicht nachvollziehen. „Da war ein Bruch zwischen dem Paradiesgarten der ersten Hälfte und dem unvermittelt auftauchenden Bagger, mit dem ich nichts anfangen kann.“ Ansonsten aber habe ihm die Inszenierung Matthias Kaisers – vor allem im ersten Teil – ausgesprochen gut gefallen. „Großes Lob an Edith Lorans als Donna Anna und an Tomasz Kaluzny als Leporello.“

„Don Giovanni ist nicht ein Mann, der die Frauen liebt. Er ist ein Mann, den die Frauen lieben“, sagt der Ulmer Jürgen Steinacker, dem Matthias Kaisers Inszenierung „supergut“ gefallen hat. „Don Giovanni wird ungewohnt brutal gezeichnet, aber er ist eigentlich auch ein Typ, den man hassen muss.“

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Uwe Taeger und Heidi Winck genossen die „Don Giovanni“-Premiere. „Es hat uns total gut gefallen“, ist sich das Paar einig. Unterschiedliche Wahrnehmungen haben beide zum Sprung des Bühnenbilds vom Paradies zur Baustelle. „Ich musste an die Sedelhöfe denken“, sagt Taeger, während Winck es „total gut“ findet, wie das Schicksal Don Giovanni die Schaufel auf den Kopf schlägt. „Ich finde es auch richtig, dass die Kostüme alle in Schwarz gehalten sind“, sagt sie. „Die Hochzeit Zerlinas mit Masetto wird ja gern eher bukolisch dargestellt. Das ist hier ganz anders, ernsthafter, strenger.“ Musikalisch sind beide mit der Premiere glücklich: „Am besten haben uns Maria Rosendorfsky als Donna Elvira und Don Lee als Masetto gefallen.“ Lee mache Enormes aus der eher undankbaren Rolle des bäuerlichen Bräutigams. Winck ist begeistert von der Idee einer schwangeren Elvira. „Aber ob sie die Schwangerschaft vortäuschte oder das Kind verliert?“ Die Uneindeutigkeit der Inszenierung sei aber gerade klug, findet Taeger. „Die Interpretationsmöglichkeiten sind offen und vielschichtig.“

Auch Bernd Hagenmaier ist begeistert von der Leistung der Sängerinnen und Sänger. „Der Akt vor der Pause war sehr, sehr beeindruckend. Aber im zweiten Teil wähnte ich mich auf der Baustelle“, sagt Hagenmaier. „Das hab ich jeden Tag, das brauche ich nicht auch noch auf der Bühne. Aber es gehört wohl zum Mainstream, dass das Bühnenbild so sein muss. Klassisch geht derzeit irgendwie nicht.“

Aus Andechs kam Heribert Koch zur „Don Giovanni“-Premiere. „Ich kannte die Oper nur aus dem Fernsehen“, sagt er. In Ulm habe er sie erstmals auf der Bühne erlebt. „Ich bin erstaunt, welch einen Unterschied es macht, ob man die Oper live oder vor dem TV erlebt“, sagt er. Gewünscht hätte er sich nur ein „klassischeres“ Bühnenbild. (köd) "NUZ-Kritik Feuilleton

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