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Wortkunstlauf

21.01.2014

Von Beutelsäugern und Beugehaft

Gespickt mit Überraschungen ist das neue Programm von Elvira Lauscher und Jörg Neugebauer. Platte Schenkelklopfer gibt es nicht, dafür feinsinnige Satire.
Bild: Dagmar Hub

Elvira Lauscher und Jörg Neugebauer überzeugen mit „Alles ist Krimi“

Ulm Die Kunst der Worte, die kunstvoll gesetzten Worte – und die Kunst, einfach die unpassenden Worte wegzulassen: Für Überraschungen ist die neue Auflage des „Wortkunstlaufs“ von Elvira Lauscher und Jörg Neugebauer gut. Die Entwicklung des literarischen Duos geht in Richtung konkreter und experimenteller Poesie – und macht beim Zuhören richtig Spaß.

Das neue Programm „Alles ist Krimi“ splittet sich in einen kriminalistischen Overkill (vor der Pause) und einen höchst amüsanten und satirischen „Radio Störenfried“-Part eines fiktiven Rundfunksenders mit ungewöhnlichem Programm.

Es lebe die nächste Leiche! Das ist das Motto der Kommissarin, die schon mal einen Beschuldigten in Beugehaft schickt, um ihm dann ihren vielversprechenden Besuch in der Zelle anzudeuten. Zwischen Mörder, Zeuge und Leiche wechseln die beiden Autoren auf oft recht überraschende Weise die Rollen. Dabei gibt es auch so wunderbar anrührende Geschichten wie Elvira Lauschers „Räuber und Gendarm“, die Geschichte eines kleinen Jungen, der von Abenteuern und Verfolgungsjagden mit Verbrechern träumt und am Samstagnachmittag in seinem Versteck auf einen entflohenen Strafgefangenen trifft, mit dem er sein Brot teilt. Und so sarkastische Erzählungen wie die von der Frau, die angesichts des Vollmonds romantische Träume hegt, auf die ihr Ehemann gänzlich unromantisch mit konkreter Physik antwortet.

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Nach der Pause schlüpft Lauscher in die Rolle einer Rundfunksprecherin. Herrlich sind die Auftritte der „Clausthaler Bergzipfel“ mit ihrem Lied von der Morgenstund´, die Gold im Mund hat, und das Interview der Rundfunkjournalistin mit Professor Dr. Dr. Gschwandler, dem Experten für die Lyrik Rainer Maria Rilkes und für Beutelsäuger. Kunstvoll endet der Radio-Talk, bei dem die Journalistin den Professor nach Rilkes Reisen fragt und Antworten über australische Wombats erhält, mit einem starckdeutschen „wolle bade rilk“. Der zukünftige G-90-Gipfel findet im italienischen Hochsicherheitsgefängnis statt. Und wie liest der Autor sein Selbstinterview in der Zeitung, bei dem er vergessen hatte, die Fragen zu notieren? Mitdenken ist nötig, platte Schenkelklopfer gibt es nicht, aber mit Sinn für Satire und Selbstironie bietet die neue Wortkunstlauf-Auflage feinsinnige Unterhaltung.

Termin „Alles ist Krimi“ gibt es wieder am Samstag, 8. März.

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