1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Vorsicht am Telefon: Betrüger sind am Werk

Kreis Neu-Ulm

01.02.2017

Vorsicht am Telefon: Betrüger sind am Werk

Betrüger nehmen am Telefon viele Identitäten an. Häufig geben sie sich als Mitarbeiter oder Vertreter von Unternehmen und Behörden aus.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Kriminelle wollen derzeit Geschäfte im Namen von Vodafone Kabel Deutschland machen. Eine missglückte Werbeaktion des Unternehmens stiftet zusätzlich Verwirrung.

Nach klassischer Werbung sieht die Postkarte auf den ersten Blick gar nicht aus. „Wichtige Information“ steht in dicken Buchstaben auf dem Papier, darüber prangt ein Stempel mit den Worten „Wiederholter Zustellungsversuch“, Datum und Unterschrift. Diese Postkarte könnte auch von einer Behörde kommen, der Absender ist allerdings ein Telekommunikationsunternehmen: die Vodafone Kabel Deutschland GmbH.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Gleich zwei solcher Karten hat Reinhard Mittrach aus Weißenhorn im Januar aus seinem Briefkasten geholt. Er ist kein Kunde des Unternehmens, wurde aber dennoch von ihm eingeladen, einen Termin auszumachen, um bei einem persönlichen Gespräch über „eine wichtige Neuerung der Telefon- und Internet-Technologie“ zu sprechen. Eine Gratis-Telefonnumer war auf der Karte genannt, sowie ein Datum, bis zu dem der Rückruf spätestens erfolgen sollte. Mittrach verzichtete.

Der Mann listete zahlreiche Verbesserungen auf

Als besonders dreist empfindet der Weißenhorner die Anrufe, die ihn einige Tage nach den Postkarten erreichten: Am Telefon meldete sich ein Mann, der nach eigenen Angaben von Vodafone Kabel Deutschland beauftragt wurde, mit Mittrach einen Termin zu vereinbaren. Dabei gehe es darum, den Telefonanschluss „digitalisieren zu lassen“. Die Nummer des Anrufers hatte die Kölner Vorwahl 0221. Der Mann listete zahlreiche Verbesserungen auf, die die Umstellung mit sich bringen würde. Von Mittrachs Hinweis, dass er gar kein Kunde des Unternehmens sei, ließ er sich nicht abbringen. „Vodafone hat das Netz der Telekom gekauft und deshalb werden alle Anschlüsse jetzt aktualisiert“, sagte er – eine glatte Lüge. Mittrach legte auf.

Vorsicht am Telefon: Betrüger sind am Werk

Im Minutentakt gingen daraufhin Anrufe mit derselben Nummer ein, die der Weißenhorner alle unbeantwortet ließ. Mittrach ärgert sich und warnt: „Viele ältere Leute fallen mit Sicherheit auf diese dreisten Lügen herein.“ Dabei steckt Vodafone Kabel Deutschland gar nicht hinter diesen Anrufen. „Die Nummer ist nicht von uns autorisiert“, sagt Firmensprecher Volker Petendorf auf Nachfrage unserer Redaktion. Er hat die von Mittrach genannte Ziffernfolge intern prüfen lassen. Die Nummer sei in der Branche bereits bekannt. Die Betrüger hätten sich unter ihr auch schon als Vertreter anderer Telefonanbieter ausgegeben, sagt Petendorf.

Dummerweise sind die Anrufe, die vermeintlich im Namen von Vodafone Kabel Deutschland erfolgten, in den vergangenen Wochen mit einer seltsamen Werbekampagne des Unternehmens zusammengefallen. Petendorf bestätigt, dass die Postkarten tatsächlich von dem Kabel-Anbieter verschickt wurden. Auch mit Briefen, die Veränderungen beim digitalen Antennenfernsehen DVB-T aufgriffen, versuchte das Unternehmen, neue Kunden zu gewinnen. Viele waren verunsichert, Verbraucherschützer kritisierten die Methode als unseriös.

Betrüger wollen Angerufenen in Gespräch verwickeln

Petendorf spricht von einer „missglückten Werbeaktion“, die bereits am 19. Januar gestoppt worden sei. „Seitdem verschicken wir die Briefe nicht mehr. Wir entschuldigen uns für diese Werbeform“, sagt der Unternehmenssprecher. Bei Betrugsfällen mit dem Firmennamen empfiehlt er indes, Strafanzeige zu stellen. Petendorf zufolge hat das Unternehmen selbst eine eigene Abteilung, die solchen Taten nachgeht und versucht, an die Hintermänner zu kommen.

Telefonbetrüger sind im Kreis Neu-Ulm und in Ulm derzeit sehr aktiv: Vor einigen Tagen hatte sich eine Leserin aus Weißenhorn an unsere Redaktion gewandt, der ein Anrufer einen angeblichen Rentnertarif von Kabel Deutschland anbieten wollte. In Wirklichkeit hatte er versucht, an die Kontodaten der Frau zu kommen. Am Sonntag hatte ein Betrüger, der sich als Polizist ausgegeben hatte, mehrere Ulmer angerufen und sich unter einem Vorwand bei ihnen nach Wertsachen erkundigt.

In den meisten Fällen wollen die Betrüger den Angerufenen geschickt in ein Gespräch verwickeln, um an persönliche Informationen zu kommen. Tückisch ist, dass die Anrufer mit technische Mitteln eine andere Nummer vorgaukeln. „Es kann sein, dass auf dem Display die Nummer der Polizei angezeigt wird, aber der Anrufer in der Mongolei sitzt“, sagt Reinhard Husch von der Kripo Neu-Ulm. Bei den Taten vom Sonntag wurden laut Polizei die Nummern 0731/110 oder 1880 angezeigt. Weil derartige Anrufe meist über Callcenter im Ausland abgewickelt werden, sei es extrem schwierig, an die Hintermänner zu kommen, sagt Husch.

Was also tun, um nicht auf die Telefonbetrüger hereinzufallen? Die Polizei rät zu äußerster Skepsis. Es sei unseriös, wenn eine Behörde etwas am Telefon abwickeln wolle. „Geben Sie keine Informationen von sich preis“, sagt Husch. Betroffene sollten sich keinesfalls zu ihren finanziellen Verhältnissen oder Gewohnheiten äußern.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren