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Komödie

21.11.2017

Vorsicht vor alten Damen

Wirklich lustig: Gabi Bartl und Ursula Straschewski als Abby und Martha Brewster und Patrick Steiner als Neffe Mortimer.
Bild: Dagmar Hub

Die Theaterwerkstatt Ulm spielt „Arsen und Spitzenhäubchen“

Die beste und sicherste Tarnung ist die blanke Wahrheit – denn die glaubt keiner. Es war Max Frisch, der dies in „Biedermann und die Brandstifter“ konstatierte, und nicht Joseph Kesselring. Der deutsch-amerikanische Dramatiker Kesselring aber wusste schon früher um die Unglaublichkeit schrecklicher Wahrheiten, wenn sie unter dem Mantel von Hilfsbereitschaft und Güte daherkommen: 1939 gelang ihm mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ in den USA der Durchbruch. Rabenschwarzer Humor mit einer ganzen Menge Wahrheit dahinter: Mit diesem Konzept bereitet die Ulmer Theaterwerkstatt ihrem Publikum mit ihrer aktuellen Fassung in der Donaubastion Freude.

Sie sind so gut, die beiden alten Tanten Abby und Martha Brewster (Gabi Bartl und Ursula Straschewski), die in einem bis ins Detail herrlich plüschig eingerichteten Haus direkt neben der Kirche leben. Sie versorgen die Kranken im Ort mit Rinderbrühe, sie trinken Tee mit dem Pfarrer und parlieren mit ihm über die Güte. Sie leben mit dem geisteskranken Neffen Teddy, der sich für Theodore Roosevelt hält. Und sie haben ein merkwürdig starkes Interesse an Amputationen.

In der kleinen Welt des New Yorker Vororts Brooklyn, wohl um die Wende zum 20. Jahrhundert herum, lebt auch der Theaterkritiker Mortimer Brewster, verlobt mit der Pfarrerstochter Elaine (Nicola Ehrenfeld). Mitten in die Romantik des jungen Paares hinein entdeckt Mortimer eine männliche Leiche in einer Truhe im Wohnzimmer der frommen Tanten, und Tante Abby berichtet ihm davon, dass der Tote der elfte Mann ist, den sie und ihre Schwester mit einer Mischung aus Arsen, Strychnin und Zyankali im Holunderwein getötet haben – weil sie den Frieden auf den Gesichtszügen der Toten so schön finden. Zur Beseitigung der Leichen benützen die beiden Tanten den persönlichkeitsgestörten Teddy Brewster, der meint, den Panamakanal zu graben, wenn er im Keller des Hauses der Tanten Gräber für die Leichen aushebt.

Mortimer dreht fast durch – da taucht der dritte Bruder auf, der lang verschollene, Furcht einflößende Jonathan (Robert Niemetz), der auch noch seinen Komplizen Dr. Einstein (Ansgar Innig) und eine Leiche im Schlepptau hat. Die beiden Tantchen in Brooklyn haben besten Kontakt zur Ortspolizei, die immer wieder vorbeischaut – und doch nichts bemerkt.

Temporeich geht es in der gekürzten Fassung Thomas Laengerers in der Donaubastion zu, und vor allem Udo Ulrich darf in der Rolle von Teddy, der in Wahnvorstellungen lebt, sein Talent und seine Spielfreude grandios ausleben. Patrick Steiner kommt als geplagter Mortimer ins Schwitzen, und der Zuschauer kann angesichts von Mortimers paranoider, mörderischer Familie gut nachvollziehen, warum sich der junge Mann scheut, die nette Pfarrerstochter zu heiraten, fürchtet er doch, Elaine in die familiäre Paranoia einzubinden. Zumindest für ihn gibt es aber ein Happy End.

Die Vorstellungen am 24. und 25. November sind bereits ausverkauft. Karten gibt es noch für den 1., 8., 15. und 16. Dezember. Weitere Aufführungen bis März kommenden Jahres. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Karten gibt es unter theaterwerkstatt-ulm-ev.de

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