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Ulm

04.03.2016

Vorwürfe: Antisemitismus an Volkshochschule Ulm

Die Geschwister-Scholl sind in der Ulmer Volkshochschule präsent (Symbolbild). Schwere Vorwürfe erhebt die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Richtung der Ulmer Volkshochschule.
Bild: Alexander Kaya

Vorträge über Israel und den Palästinakonflikt schlagen in Ulm hohe Wellen. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft fordert die Absage einer Veranstaltung mit Arn Strohmeyer.

Schwere Vorwürfe erhebt die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Richtung der Ulmer Volkshochschule: In einer Presseerklärung, verschickt von Irene Hahn, der stellvertretende Vorsitzenden der Sektion Ulm/Neu-Ulm, wird der Bildungseinrichtung Antisemitismus unterstellt.

Aktueller Aufhänger ist ein für kommenden Mittwoch geplanter Vortrag des Journalisten Arn Strohmeyer im Einstein–Haus, der bekannt sei für antizionistische Positionen. Dieser Termin, der in Kooperation mit dem Haus der Begegnung stattfindet, stehe in einer langen Reihe von antiisraelischen Veranstaltungen, die auf eine Delegitimierung des jüdischen Staates und seines Rechts auf Selbstverteidigung hinauslaufe. „Wir fordern ein Ende dieser als Israelkritik getarnten latent oder offenen antisemitischen Positionen“, sagt Hahn. Einen „Skandal“ stelle es dar, dass diese Veranstaltungen aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft fordert eine Absage der Veranstaltung.

Eine Forderung, der die Ulmer Volkshochschule nicht nachkommen werde, wie Dagmar Engels, die Leiterin betont. Weder die Veranstaltung mit Strohmeyer noch eine andere Veranstaltung der Volkshochschule in der Vergangenheit sei von Antisemitismus geprägt. Auch die Vereinten Nationen würden den Staat Israel in mehreren Punkten im Zusammenhang mit dem Palästina-Konflikt kritisieren. Hier müsse zwischen Religion und Politik unterschieden werden.

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Bis nach Israel hat es der Konflikt um Vorträge in der Ulmer Volkshochschule schon geschafft: In der Jerusalem Post schildert Benjamin Weinthal, Deutschland-Korrespondent, illustriert mit einem Foto Albert Einsteins, dass es bereits in der Vergangenheit „Anti-israelische“ Veranstaltungen in der Ulmer Volkshochschule gab: Demnach sprach 2011 etwa Annette Groth, eine harsche Kritikerin des jüdischen Staates über den Gaza-Streifen. Eine Politikerin der Linken, die es zu einer unrühmlichen Erwähnung auf der Liste des Simon-Wiesenthal-Centers brachte: Seit 2010 veröffentlicht die Nichtregierungsorganisation in Los Angeles jedes Jahr eine Top-Ten antisemitischer und antiisraelischer Vorfälle beziehungsweise Schmähungen weltweit.

Arn Strohmeyer ist nicht unumstritten

Auch der nun ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Strohmeyer ist nicht unumstritten. Als der Autor sein neues Buch zum Nahost-Konflikt in Bremen vorstellen wollte, wurde der Vortrag kurzerhand – offenbar auf Druck der Jerusalem Post - abgesagt. Strohmeyer wehrt sich auf Anfrage unserer Zeitung dagegen, als Antisemit abgestempelt zu werden, nur weil er „Israels Politik und ihr Vorgehen gegen die Palästinenser vom klaren Standpunkt des Völkerrechts und der Menschenrechte aus kritisiere“. Ein Vorgehen, dass jede kritische Auseinandersetzung mit der israelischen Politik unterbinden soll, ist in seinen Augen totalitär und eine Gefahr für die im Grundgesetz verbürgte Presse-, Informations- und Meinungsfreiheit. Sein Vortrag in Bremen werde nachgeholt, weil sich die dortige Stadtverwaltung für ihn eingesetzt habe.

Die Volkshochschule, die wie Leiterin Engels betont, nur zu 20 Prozent von der Stadt finanziert werde, will sich nicht beirren lassen. Lothar Heusohn, der Fachbereichsleiter Politik, hält es für dringend geboten, dass ein sachlicher öffentlicher Diskurs über israelische Regierungspolitik stattfinde. „Es ist grotesk, dass ausgerechnet die Ulmer Volkshochschule in die Nähe von Antisemiten gerückt wird“, sagt Heusohn. Es sei das Vermächtnis der von den Nazis ermordeten Geschwister Hans und Sophie Scholl, sich bei Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu äußern und zu engagieren. Hier sei die demokratischen Streitkultur wieder lebendig.

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10.03.2016

(Verstoß NUB 7.2/edit)

Festzuhalten gilt es, dass Arn Strohmeyer gestern abend sein Grundrecht auf Meinungsentäußerung wahrnehmen konnte, weil die VH-Führung den unverschämten Angriff der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft abgewehrt hatte: Chapeau Frau Engels, Chapeau Herr Heusohn!





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08.03.2016

(Verstoß NUB 7.2/edit)

Für Theodor Fontane waren die Juden «ein schreckliches Volk», G.W.F. Hegel glaubte zu wissen, dass sie «im Kote wohnen» und für Erasmus von Rotterdam, Fürst des Humanismus der Renaissance, nach dem das «Bildungsprogramm der EU für den Hochschulbereich» benannt ist, waren sie schlicht eine «Pest». Doch auch Voltaire, Diderot, Schiller, Goethe, Pestalozzi, Schopenhauer oder Kant, der den Juden, die er als «Palästinenser» bezeichnete, mit der «Euthanasie» immerhin einen schönen Tod wünschte, waren Antisemiten.

Warum auch nicht, denn vor 1945 war Hass gegen Juden in jeder Hinsicht alltäglich: auf Postkarten, in Romanen, in Artikeln, in Parteiprogrammen oder Märchen wurde Antisemitismus offen und ohne Bedenken kommuniziert.

Was wir heute als «westlichen» Antisemitismus kennen (im Gegensatz zur Judenfeindschaft im Koran), entspringt dem Antijudaismus des Neuen Testaments, in dem Juden als Gottesmörder und «Kinder des Satans» diffamiert werden. Zu diesem neutestamentarischen Judenhass gesellt sich nach dem Holocaust das schlechte Gewissen aufgrund der unterlassenen Hilfeleistung für die vom Genozid bedrohten europäischen Juden. Der Philosoph Thomas Hobbes entlarvt diesen in unterschiedlichen Spielarten praktizierten Reflex der Schuldumkehr bereits 1651, lange vor dem Holocaust, in seinem «Leviathan» und beschreibt das Problem in seiner Essenz, das die Welt mit den Juden hat:

«Wer jemandem mehr Schaden zugefügt hat, als er wiedergutmachen kann, wird sein Opfer hassen.»

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05.03.2016

Ein sehr informativer und aufschlussreicher Bericht über die zionistische Strategie der Delegitimierung von Zionismuskritik und der Diskreditierung von Zionismuskritikern.


Natürlich weiß Frau Hahn von der Deutsch Israelischen Gesellschaft, dass die Aufforderung an die VHS Ulm, einem Deutschen das Rederecht zu entziehen, ein Ausbund an Verfassungswidrigkeit darstellt, doch sie macht es dennoch.


Woher nimmt Frau Hahn die Chuzpe, die Leiterin der VHS zum Verfassungsbruch zwingen zu wollen?! Ich denke: sie nimmt sich diese Boykottaufforderung heraus, weil sie weiß, dass sie sich das in Deutschland herausnehmen darf.


Was ist den Zionisten nämlich gelungen? Etwas ganz einfaches: sie haben im Verlaufe der zurückliegenden 40 Jahre den mit Auschwitz konnotierten Begriff von Antisemitismus umfunktioniert: man beleidigt Antizionisten als "Antisemiten", wohlwissend, dass Zionismus ein politischer und Semitismus ein rassistischer Begriff ist...!?


Wie weit diese Position auch vom Autor dieses Artikels übernommen worden ist, das zeigt z. B. die Formulierung, mit der er Frau Groth als Politikerin diskreditiert, die es zu einer für ihn "unrühmlichen Erwähnung auf der Liste des Simon-Wiesenthal-Centers brachte".

(Verstoß NUB 7.2/edit)

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05.03.2016

Liebe Frau Pinnow,

SInd sie nicht die Piratin die immer wieder durch "grenzwertige Aussagen" auffällt?

vgl. Jüdische Allgemeine 23.01.2013,

Im Piraten-Forum schrieb Pinnow: »Der Gaza-Streifen ist ein Konzentrationslager.« Danach verteidigte sie sich, der Begriff »Konzentrationslager« sei etwas anderes als »KZ«. Auch von dem Begriff »Halbjude« mochte sie nicht lassen, denn: Das »jüdische Verständnis ist nicht maßgebend«, sondern »die deutschen Gesetze«.

Beste Grüße

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05.03.2016

Tja, Herr Lutz, da haben Sie nun leider Pech gehabt. Denn wie selbst die Jerusalem Post hier schreibt http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Conflict/If-violence-continues-Israel-to-begin-banishing-Palestinians-to-Gaza-426195, prüft Israel die Möglichkeit, die Familien palästinensischer Widerständler nach Gaza zu deportieren. Deportation von Zivilisten ohne rechtliches Verfahren in ein hermetisch abgeriegeltes Gebiet entspricht nun mal der Definition eines klassischen Konzentrationslagers, da beißt keine Maus einen Faden von ab.

Und ansonsten, lieber Herr Lutz, interessiert es den deutschen Staat nicht die Bohne, wenn eine jüdische Kultusgemeinde einen als Juden führt, der z.B. zum Protestantismus konvertiert ist. Für ihn wie für die evangelische Kirche ist der dann evangelisch und zahlt Kirchensteuer, basta.

Denn darüber, zu welcher Gemeinschaft einer gehören will, bestimmt bei uns immer noch das Individuum und nicht irgend welche Religionsgemeinschaften.

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05.03.2016

Ach, da muss man sich gar nicht drum kümmern. Solche Proteste, immer inkl. Antisemitismusvorwürfe, ggf auch Behauptungen, es gäbe Verbindungen zur Hamas, sind für diese Kreise völlig normal.
Und es ist auch immer Benjamin Weinthal, Mitglied des vom berüchtigten Sheldon Adelson finanzierten konservativen US-Think Tanks FDD, der in der Jerusalem Post die Hatz eröffnet. Auch das Simon-Wiesenthal-Center mit seinem hiesigen Protagonisten Henryk Broder macht stets mit, meist auch der Berliner AJC mit Fabian Weißbarth, hier http://ajcberlin.org/de/team zu sehen auf einer MInidemo von 150 Männlein in Berlin anlässlich eines eher als Familientreffen angelegten großen europäischen Palästinensertreffens in Berlin, und wäre Volker Beck nicht mit Drogen erwischt worden, wäre er auch längst dabei.Hinzu kommen dann einschlägig bekannte Blogger wie Alex Feuerherd aka Lizas Welt und schließlich ist dann mit einem Häuflein Antideutscher zu rechnen, die mit Israelfahnen vor der Tür demonstrieren oder drinnen rumbrüllen, sofern man sie rein lässt.
Israel folgt zur Zeit nunmal der Linie, dass es gar keine Palästinenser und kein Palästina gibt, ggf sogar mit der Begründung, schließlich gäbe es im Arabischen kein "P" (nein, kein Witz, hat wirklich ein Offizieller verkündet). Also ist seine hiesige Lobby stets darum bemüht, jede Veranstaltung, die unabhängig von Israels Aufsicht mit Palästina zu tun hat, zu unterbinden.
Im Zweifel stecken sie sich hinter die Vermieter von Tagungsräumen.
Das ist normal, fast schon ein Ritual, also gar nicht drum kümmern.

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