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Ulm

25.01.2019

WKO im Kornhaus: Mal verklärt, mal abgeklärt

Unaufgeregt, aber virtuos: der schwedische Trompeter Håkan Hardenberger (links) und der neue Chefdirigent Case Scaglione beim Konzert der Württembergischen Kammerorchesters im Kornhaus.
Bild: Alexander Kaya

Case Scaglione glückt die Premiere als Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters im Kornhaus Ulm. Mit Solist Håkan Hardenberger zeigen die Heilbronner ungewohnte Facetten.

Case Scaglione ist einer, der andere begeistern will und kann. Zum Beispiel für Aaron Coplands Suite „Appalachian Spring“ („Appalachische Quelle“) – in den Augen des neuen Chefdirigenten des Württembergischen Kammerorchesters (hier im Interview mit unserer Zeitung) „fast ein perfektes Stück“. Um das zu unterstreichen, saust der junge Maestro nach hinten ans Klavier, um ein paar Töne zu spielen. „Copland hat eine neue Welt kreiert mit einem Akkord“, schwärmt der US-Amerikaner in blitzsauberen Deutsch. Und dann dirigiert er bei seiner Premiere im längst nicht ausverkauften Kornhaus dieses Stück aus seinem Heimatland.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Scaglione dem Motto des Abends mit der Streichorchester-Fassung von Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ alle Ehre gemacht: „Verklärung“ war das dritte Saisonkonzert des WKO überschrieben. Der 36-Jährige, der im Herbst die Leitung der „Heilbronner“ von Ruben Gazarian übernommen hatte, entlockte dem spätromantischen Werk des späteren Zwölftöners alle Farben der Nacht, schwärmerisch, aber ohne Extra-Pathos. Das WKO folgte ihm ins Dunkel, wobei vor allem die Bratschen wundervoll warme Akzente setzten.

Bei Aaron Coplands "Appalachian Spring" klingt amerikanische Folklore an

Nach der Pause dann „Appalachian Spring“, trotz einiger romantisierender und impressionistischer Anklänge ein durch und durch amerikanisches Werk, welches in der Originalbesetzung für 13 Musiker – Streicher, Bläser und Klavier – erklingt. Der Reiz des Stückes sind seine Offenheit und Schlichtheit, seine Anklänge an christliche Siedler-Folklore. Scaglione entdeckt mit seinem Ensemble darin eine ganz andere, konzentrierte Form der „Verklärung“. Sein Dirigat: zurückhaltend, manchmal fast verschmitzt. Die Wirkung aber: märchenhaft.

Dass danach Leopold Mozarts Trompetenkonzert D-Dur folgt, ist ein Bruch, denn das Werk des Augsburgers ist noch von barocker Festlichkeit geprägt – die der Solist des Abends, Håkan Hardenberger, von der Presse schon als „bester Trompeter der Galaxie“ gefeiert, geradezu schlafwandlerisch beherrscht. Vor allem im zweiten Satz (Allegro moderato) glänzt der Schwede mit unaufgeregter Virtuosität. Spannender als dieses Schaustück sind allerdings die „3 MOB Stücke für Trompete und Orchester“ des 1943 geborenen Österreichers HK Gruber. Hardenberger beweist in diesen jazzigen, manchmal sogar mit Easy Listening flirtenden Miniaturen seine Vielseitigkeit, spielt mit dem Dämpfer, phrasiert cool und mit Witz. Und das Württembergische Kammerorchester mit Scaglione zeigt dabei, dass es auch locker grooven kann.

Das klingt freilich eher abgeklärt als verklärt. Aber es gibt ja noch die Zugaben – und da kredenzen der Solist (am Flügelhorn) und das WKO zunächst eine zärtlich-sentimentale Version von Joni Mitchells „Both Sides Now“. Und Hardenberger legt dann solo noch den (noch traurigeren) Jazzstandard „My Funny Valentine“ drauf.

In zwei Stunden von Schönberg bis Jazz: Die „Heilbronner“ sind immer für eine Überraschung gut – und bleiben auch unter Case Scaglione eine Bereicherung für das Konzertleben in Ulm.

Mehr Bilder vom Konzert gibt es hier.

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