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Ulm

10.02.2020

Wagner, Mahler, Brecht: Die Spielzeit 2020/2021 am Theater Ulm

Das Team des Theaters Ulm blickt voraus auf die neue Spielzeit: (von links) Chefdramaturg Christian Katzschmann, Intendant Kay Metzger, der Direktor des Tanztheaters Reiner Feistel, Generalmusikdirektor Timo Handschuh, Schauspieldirektor Jasper Brandis und die Leiterinnen des Jungen Theaters Ulm, Stephanie Pardula und Charlotte van Kerckhoven.
Bild: Veronika Lintner

In der Spielzeit 2020/2021 feiert das Theater 100 Jahre Orchestergeschichte und Timo Handschuh erfüllt sich in seiner letzten Saison zwei Wünsche.

„Wovon lebt der Mensch?“ – diese Frage wirft Bertold Brecht in seiner Dreigroschenoper ganz salopp auf, in diesem Halunken-, Ganoven- und Halbweltstück, das an menschlichen Abgründen rüttelt. Am Theater Ulm stellt diese Frage nun – Kay Metzger, der Intendant. „Wovon lebt der Mensch?“ lautet das Motto, das sein Haus für die Spielzeit 2020/21 gewählt hat. Und Metzger hat eine Antwort auf die Frage: „... zuallererst von gutem, mitreißendem und aufwühlendem Theater.“

Aufwühlend sind die Zeiten aus Sicht des Intendanten. Bei der Programm-Präsentation erzählt er, dass sein Haus den tödlichen, antisemitischen Anschlag in Halle zum Anlass nehmen möchte, einen Diskurs anzustoßen. Das Theater wolle sich mit rechter Radikalisierung, dem Hass gegen Juden und ihre Kultur auseinandersetzen. Mit hochpolitischen Werken, aber auch leichteren, beliebten Publikumsgaranten, steht am Karajan-Platz ein bewegte Spielzeit ins Haus. Was die Saison prägt: Ein Jubiläum, ein Abschied und zwei große Geschenke für den „GMD“.

Wagners "Parsifal" und Mahlers 2. Sinfonie am Theater Ulm

Dass Timo Handschuh als Generalmusikdirektor mit der kommenden Spielzeit Abschied nimmt, wirkt, trotz aller Wehmut, wie eine recht runde Sache. Zehn Jahre lang – „eine ganze Dekade“, wie Metzger sagt – war Handschuh in Ulm der Chef am Pult, der Leiter der Sparte Musiktheater. Und vor bald 100 Jahren gründete sich das Philharmonische Orchester Ulm. Es entstand nach den Wirren des Ersten Weltkriegs und brachte die Musik in das älteste städtische Theater Deutschlands. Für dieses Jubiläum und seine Abschiedssaison hatte Handschuh zwei Wünsche – „und die haben wir gerne erfüllt“, sagt Metzger.

Wagner, Mahler, Brecht: Die Spielzeit 2020/2021 am Theater Ulm

Gustav Mahler wird geliebt für seine mächtigen, romantischen Sinfonien. Mächtiger als seine Sinfonie Nr. 2, „Die Auferstehung“, geht es kaum. Bisher stand Mahlers Werk kaum auf dem Ulmer Programmzettel, Handschuh will sich jetzt aber an dieses giantische Werk wagen. „Ich möchte dabei alle versammeln. So will ich mich verabschieden: Mit dem Orchester, den Sängern, dem Chor, mit allem, was wir aufbringen können.“ Gleich zweimal kommt die Sinfonie zur Aufführung, am 29. und 30. Juni 2021 im Congress-Centrum Ulm.

Das Duo Metzger und Handschuh nimmt sich gemeinsam einen weiteren Koloss der Romantik vor: „Parsifal“. Was Dirigent Handschuh und Regisseur Metzger verbindet, ist ihre Liebe zur Musik von Richard Wagner. Im April 2021 wird ihre Inszenierung der Oper Parsifal – ein „Bühnenweihfestspiel“ nach Wolfram von Eschenbachs Epos – Premiere feiern.

Maryna Zubko singt am Theater Ulm drei Partien in "Hoffmanns Erzählungen"

MUSIKTHEATER

Die Saison des Musiktheaters beginnt mit einer Oper des jüdischen Komponisten Jacques Offenbach. Bei Les Contes d’Hoffmann“ („Hoffmanns Erzählungen“) steht dann eine Stimme voll im Fokus: Maryna Zubko wird gleich drei Partien singen, die Offenbach aus den schummrig-schaurigen Märchen von E.T.A. Hoffmann entlehnt hat: Olympia, Giulietta, Stella. Diese Oper ist ein fantastischer Fünfakter – und eine Herausforderung allemal.

Das Motto der Saison ist ein Versprechen, das im November 2020 eingelöst wird: Am Großen Haus wird dann die „Dreigroschenoper“ gegeben. Eine Kooperation mit dem Theater Heidelberg bringt Bert Brechts Worte und Kurt Weills Musik auf die Bühne.

Dass Giacomo Puccini Timo Handschuh am Herzen liegt, verrät ein Streifzug durch alte Programme, ein Rückblick auf viele Inszenierungen unter seinem Dirigat. In seiner letzten Saison, im Dezember, wird er nun Puccinis Oper „Tosca“ präsentieren. „Das ist die italienische Seite meines Herzens“, sagt er und lächelt.

Mit „Káta Kobanova“ widmet sich das Musiktheater einer Oper des tschechischen Komponisten Leos Janácek, einem kantigen Wegbereiter der Moderne. Dabei feiert eine, die sonst im Rampenlicht steht, ihre Premiere hinter den Kulissen: Anke Denoke, deren Weg zur Weltklassesopranistin einst in Ulm begann, wird hier als Regisseurin debütieren. Zwischen satter Romantik und Moderne passt im Programm aber auch ein Stück Barock: Händels Giulio Cesare bringt Benno Schachtner ans Theater – einen herausragender Countertenor aus der Region.

Ein Operettenabend und ein Musical über Dracula

OPERETTE
Die „Csárdásfürstin“ ist am Theater gerade gestartet und in der Saison 2020/21 wird es einen Operettenabend geben. „Lippen schweigen“ heißt das Programm – genauso wie eine Arie aus der „Lustigen Witwe“. Und die war wiederum Adolf Hitlers Lieblingsoperette. Titel und Untertitel („Von der goldenen Operetten-Äre zur braunen“) seien sehr doppelbödig gemeint, sagt Metzger: Wer musste im Dritten Reich schweigen? Warum entwickelte sich die Operette in eine dunkle politische Richtung? Maria Rosendorfsky gestaltet den Abend.

MUSICAL
Leichtfüßig wirkt das Musical-Programm, auf der Wilhelmsburg und im Großen Haus. Frank Wildhorns Blutsaugerstück „Dracula“ verspricht, so Metzger, „Breitbandkino“.

Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" am Theater Ulm

SCHAUSPIEL
William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig verhandelt Antisemitismus auf spitze, ambivalente Weise. Die Komödie spiegelt den Judenhass einer ganzen Stadt und lässt den Juden auch selbst zu Wort kommen. Es geht um Hass, Trotz, Reaktion. Ab September ist das Stück am Theater zu sehen. Und wie der geheimnisumrankte Verfasser dieser Komödie wohl wirklich getickt hat? Darüber lässt sich ab Mai 2021 im Schauspiel Shakespeare in Love“, angelehnt an den Hollywood-Film, trefflich spekulieren.

Einen „boshaften“, aber witzigen Blick auf das Leben des Adolf Hitler verspricht Chefdramaturg Christian Katzschmann mit „Mein Kampf“, einer Farce von George Tabori. Es ist ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn Hitler, als junger, gescheiterter Maler, im Wohnheim mit jüdischen Mitbewohnern gestrandet wäre?

Antik, griechisch und zugleich modern: Im Podium wird Lessings „Philotas“ zu sehen sein und eine Uraufführung erlebt das Haus mit der „Antigone“ des zeitgenössischen Autors John von Düffel. Wem das nicht modern genug ist, der kann gespannt sein auf „Helges Leben“, einem gewohnt bitterböswitzigen, dystopischen Werk von Sibylle Berg.

Das Junge Theater Ulm spielt "Emil und die Detektive"

JUNGES THEATER
Das Junge Theater Ulm spürt mit „Die zweite Prinzessin“ dem Gefühl nach, wie es ist, die kleine Schwester oder der jüngere Bruder zu sein – eben die Nummer zwei. „Es wird ein wildes Stück mit viel Musik“, sagt Stephanie Padula. Pfiffig und spannend soll es werden, wenn dann der Kästner-Klassiker „Emil und die Detektive“, als Gemeinschaftswerk der Bürgerbühne und der Theaterprofis, im April 2021 Premiere feiert.

TANZTHEATER
„Nussknacker und Mausekönig“
– wer da an Weihnachtsidylle denkt, den möchte das Tanztheater eines Besseren belehren. Inspiriert werde das Tanzstück am Theater Ulm von E.T.A. Hoffmanns gar nicht zuckersüßer Märchenvorlage, erklärt Direktor Reiner Ferstel. Und Tschaikowskis Musik wird live dazu gespielt. Das Stück „Titanic“ stellt wiederum die Frage: Wie geht es uns nach der Katastrophe?“ Motive aus dem DiCaprio-Untergangsfilm fließen in die Choreografie ein.

Im März 2021 erlebt das Theater dann ein Novum: Die „Erste Ulmer Tanztheater-Benefizgala“, mit Kompanien von Stuttgart bis München, soll das Publikum anlocken.

KONZERTE
Fünf Philharmonische Konzerte bringt die Saison, das Programm wird noch bekannt gegeben. Sicher dabei ist eine Hommage an Astor Piazolla. 2021 wäre er 100 Jahre alt geworden.

Weitere Infos sowie das komplette Programm finden Sie unter www.theater-ulm.de.

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