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20.02.2015

Wahl zum Baubürgermeister: Wer macht das Rennen?

Sie bewerben sich um das Amt des Baubürgermeisters/der Baubürgermeisterin in Ulm (von links): Julius Mihm aus Schwäbisch Gmünd, Monika Beltinger aus Kempten und Tim von Winning aus Tübingen. Auf Einladung der Architektenkammer nahmen sie an einer Diskussionsrunde im Stadthaus teil.
Bild: Alexander Kaya

Wenige Tage vor der Wahl stellen sich die drei Kanidaten in einer Diskussionsrunde im Stadthaus vor und erzählen, was sie sich für Ulm vorgenommen haben.

Nächsten Mittwoch entscheidet der Ulmer Gemeinderat, wer Nachfolger von Alexander Wetzig als Baubürgermeister wird. Üblicherweise präsentieren sich die Kandidaten, die in die Endauswahl gekommen sind, vor der Wahl erstmals im Rathaus der Öffentlichkeit. Nicht so diesmal. Die Architektenkammer Ulm hatte die drei verbliebenen Kandidaten kurzerhand vorab zu einer öffentlichen Diskussionsrunde ins Stadthaus eingeladen. Und damit bei etlichen Stadträten für Verwunderung gesorgt. Das zeigte sich auch bei der ungewohnten Veranstaltung: Nur wenige Räte kamen am Donnerstagabend ins Stadthaus. Insgesamt war der Saal mit etwa 100 bis 150 Besuchern aber ganz gut gefüllt.

Zwei Stunden lang stellten sich die Bewerber um das Amt des Baubürgermeisters – Monika Beltinger, Julius Mihm und Tim von Winning – den Fragen von Moderatorin Christine Grüger aus Freiburg, die von einem „sehr mutigen Schritt der Architektenkammer“ sprach. Deren Vorsitzender Jens Rannow betonte, dass die Veranstaltung dem Gemeinderat in keiner Weise vorgreifen wolle. Die Zuhörer erfuhren ein wenig Persönliches von den Kandidaten – alle drei sind verheiratet und haben Kinder, Monika Beltinger schwärmt von Elektroautos, Tim von Winning wohnt im Französischen Viertel in Tübingen und Julius Mihms Lieblingsstädte sind Prag und Ljubljana. Vor allem aber ging es darum, was die Drei in Ulm vorhaben, und was sie beispielsweise für Vorstellungen von Stadtgestaltung, Baukultur und Bürgerbeteiligung haben.

Monika Beltinger, 52 Jahre alt, war bis Herbst vorigen Jahres berufsmäßige Stadträtin in Kempten und Leiterin des dortigen Referats Planen, Bauen und Verkehr. „Ambitionierte Ziele setzen und konsequent verfolgen“, lautet ihr Motto. Das Thema Bahnhof sei in Ulm eines, das gerade brennt. Es sei wichtig, dieses gut weiterzuführen. Man dürfe aber nicht nur auf die aufsehenerregenden Vorhaben schauen, sondern müsse sich beispielsweise auch um den Erhalt der Infrastruktur kümmern. Beltinger will den Flussraum der Donau stärker mit der Stadt verweben. Gemischte Stadtquartiere mit Wohnangeboten für unterschiedliche Generationen sind für sie ein Ziel für die nächsten Jahre. Bürgerbeteiligung ist für sie eine Selbstverständlichkeit. „Aber man muss mit Esprit und Kreativität das Wie diskutieren“, sagt sie.

Julius H. Mihm, 49 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Eutin in Schleswig-Holstein und ist Baubürgermeister von Schwäbisch Gmünd. Er ist Macher der Landesgartenschau 2014. Als sein liebstes Projekt der Vergangenheit bezeichnet er die Konversion einer Kaserne zu einem Wohngebiet in Ludwigsburg. „Ich versuche Städte als Stadtpersönlichkeit zu begreifen, die es weiterzuentwickeln gilt“, sagt er. Die Neue Mitte ist für ihn Vorbild, um nach diesem Muster auch anderswo Räume aufzutun, beispielsweise auf dem Bahnhofsgelände. Man müsse von einer übergeordneten Idee ausgehen, also eine Art Leitbild entwickeln. Zum Thema Baukultur sagt er: „Man muss sich schon festlegen und sagen, was man will.“ Denn wenn man nicht aufpasse, rutsche immer der kleinste gemeinsame Nenner durch.

Tim von Winning, 44 Jahre alt, ist Fachbereichsleiter Planen und Entwickeln in Tübingen. Was ihn am meisten geprägt habe, sei die Neue Mitte, sagt er. Denn von 2002 bis 2005 war er Sachgebietsleiter im Ulmer Baudezernat. Sein Referendariat hat er in Neu-Ulm verbracht. An Ulm findet er gerade die Brüche, die die Stadt aufweist, spannend. Er bezeichnet das Thema des innerstädtischen Wohnens als sehr wichtig. Sozial gemischte Nutzungen seien anzustreben. Der Prozess, wie ein Bauvorhaben umgesetzt wird, ist für ihn entscheidend, weniger das Ergebnis mit allen Details. Für ein Beteiligungsverfahren gebe es fast kein „zu früh“. Einen Gestaltungsbeirat als beratendes Gremium von Fachleuten hält er für „einen Riesengewinn“. Als große Themen der Zukunft sieht er Luftreinhaltung und die Bekämpfung von Lärm.

Von Wettbewerben, die in Ulm seit jeher eine große Bedeutung haben, halten alle drei Bewerber viel. Der Gemeinderat stehe vor einer schweren Entscheidung, zog Christine Grüger am Ende des Abends Bilanz. Einer der anwesenden Stadträte sah das genauso.

Es geht um die Nachfolge von Alexander Wetzig

Gesucht wird der Nachfolger von Alexander Wetzig, der im Mai mit 68 Jahren in Ruhestand geht. Wetzig war seit 1991 Bau- und Umweltbürgermeister und hat die Gestaltung Ulms maßgeblich mitgeprägt – vor allem mit der Neuen Mitte. Um seine Nachfolge haben sich sechs Frauen und 21 Männer beworben. Eine Findungskommission, bestehend aus Oberbürgermeister Ivo Gönner, den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat und dem Personalrat, hat daraus drei Bewerber ausgewählt, die sich am Mittwoch, 25. Februar, im Rathaus zur Wahl stellen. Beginn ist um 16 Uhr im großen Sitzungssaal. Die Vorstellung der Kandidaten ist öffentlich. Die Wahl findet dann hinter verschlossenen Türen statt. Danach gibt Ivo Gönner das Ergebnis bekannt.

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