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Ulm

15.09.2017

Wahlkampf: Zwei Frauen auf der sicheren Seite

Kurz vor der Bundestagswahl wird in Ulm noch kräftig um Stimmen der Wähler gebuhlt.
Bild: Ralf Lienert

Ronja Kemmer (CDU) und Hilde Mattheis (SPD) werden höchstwahrscheinlich wieder in den Bundestag einziehen. Wer von den übrigen sechs Kandidaten noch Chancen hat.

Im Endspurt vor der Bundestagswahl gehen die Kandidaten noch mal kräftig auf Stimmenfang. Info-Stände in der Fußgängerzone, Abstecher auf Wochenmärkte, Besuche in Altenheimen und Firmen: Ein Termin jagt den nächsten. Teilweise bekommen sie Unterstützung von Parteiprominenz: Am Montag, 18. September, kommt etwa Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an die Donau, allerdings nach Neu-Ulm (Insel vom Stein, 16.15 Uhr). Zwei Tage vor der Wahl, am Freitag, 22. September, spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Münsterplatz (17 Uhr). Chancen können sich mehrere Kandidaten ausrechnen, doch die Rollen sind klar verteilt.

Ronja Kemmer (CDU) ist mit 28 Jahren derzeit die jüngste Abgeordnete im Bundestag. Sie war Ende 2014 nach dem Tod von Andreas Schockenhoff ins Parlament nachgerückt und hatte den Wahlkreis Ulm von der früheren Bundesbildungsministerin Annette Schavan geerbt, die als Botschafterin in den Vatikan wechselte. Der Bau der Querspange in Erbach, große Schritte in Richtung Ausbau der B311 bei Obermarchtal und der B10 bei Amstetten: Investitionen und Zusagen für bessere Verkehrswege nennt Ronja Kemmer an erster Stelle, wenn sie nach ihren Erfolgen für den Wahlkreis gefragt wird. Kemmer will für den Ausbau der Wissenschaftsstadt kämpfen und den ländlichen Raum stärken. Sie ist klare Favoritin im Wahlkreis Ulm – seit 1949 hat die CDU ununterbrochen das Direktmandat geholt. Abgesichert auf der Liste ist Kemmer nicht: „Ganz oder gar nicht“, sagt sie.

Hilde Mattheis (SPD) will zum fünften Mal in den Bundestag einziehen. Sie steht auf Platz 5 der baden-württembergischen Landesliste, damit ist ihr Mandat praktisch sicher. Die 62-Jährige zählt zur Parteilinken, sorgt sich seit Jahren um den sozialen Frieden, die Frage nach Gerechtigkeit und Gesundheitspolitik. „Es geht darum, die Welt ein Stück gerechter zu machen“, sagt Mattheis immer wieder. Gerade bei den sperrigen Fragen der Finanzierung, der Struktur, des Ausbaus und des Zugangs des Gesundheitswesens profiliert sich Mattheis bundesweit. In der eigenen Partei eckt sie dagegen immer wieder mal an. Seit 1997 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende, seit 2005 im SPD-Parteivorstand.

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Marcel Emmerich (Grüne) möchte sich in seinem Wahlkreis vor allem für den Ausbau des Breitbandnetzes einsetzen: „Das gehört zu Daseins-Vorsorge heute einfach dazu“, sagt er. Klimaschutz und E-Mobilität stehen für ihn außerdem weit oben auf der Agenda. Seine Chancen auf den Sprung ins Parlament: nicht aussichtslos, aber gering. „Um über die Landesliste ins Parlament zu kommen, bräuchten die Grünen bundesweit zwölf bis 15 Prozent“, sagt der 26-Jährige. Davon ist die Öko-Partei derzeit weit entfernt. Emmerich steht auf der Landesliste auf Platz 16.

Bezahlbares Wohnen, soziale Grundsicherung, kulturelle und politische Teilhabe: Mit Themen, die ihre Partei traditionell vertritt, wirbt Eva-Maria Glathe-Braun (Linke) im Wahlkampf um Stimmen. Die 58-Jährige tritt zum zweiten Mal als Direktkandidatin im Wahlkreis Ulm an. Vor vier Jahren erzielte sie 3,6 Prozent der Erststimmen. Über die Liste ist sie nicht abgesichert.

Das gilt auch für Eugen Ciresa (AfD). Der 59-Jährige aus Allmendingen gehört zum „Urgestein“ seiner Partei in der Region. Seit Gründung des AfD-Kreisverbands Ulm im Jahr 2013 ist er dessen Sprecher. Ciresa ist gegen eine großzügige Flüchtlingspolitik, gegen scharfe Klimaschutz-Maßnahmen, gegen neue Finanzhilfen für Griechenland. In Ulm und im Alb-Donau-Kreis sieht er enormen Handlungsbedarf, vor allem beim Ausbau der Breitbandnetze.

Alexander Kulitz (FDP) rechnet sich durchaus Chancen aus: Derzeit erreichen die Liberalen neun Prozent bei der Sonntagsfrage. Bei zehn oder elf Prozent wird es ernst für den 36-Jährigen, der auf Platz elf der Landesliste gesetzt ist: „Wenn sich die Dinge weiter so gut entwickeln, könnte es reichen.“ Die FDP wolle sich für mehr Eigeninitiative, mehr Fleiß, mehr Kreativität und weniger staatliche Regulierung einsetzen, sagt der Anwalt und Unternehmer.

Anja Hirschel (Piraten) hatte bei der OB-Wahl vor zwei Jahren mit 4,8 Prozent einen Achtungserfolg errungen. Würden die Piraten in den Bundestag ziehen, wäre die 34-Jährige auf jeden Fall drin, denn sie ist Spitzenkandidatin ihrer Partei. Doch fünf Prozent sind für die Piraten in weiter Ferne.

Gülay Öztoprak aus Blaustein ist Kandidatin der MLPD. Die 64-Jährige setzt sich für die soziale und politische Gleichstellung von Arbeitern mit Migrationshintergrund ein.

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