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Senden

16.02.2018

Warum Decathlon ins Iller-Center darf

Decathlon zieht in den hinteren Gebäudeteil des Sendener Iller-Centers, der der Firma Müller gehört. Damit kommt ein weiteres großes Geschäft in den Norden. 

Intersport-Chef Klaus Edling ist wenig begeistert vom neuen Konkurrenten. Doch welche Sortimente sich in der Stadt ansiedeln dürfen, regelt das Einzelhandelskonzept.

Klaus Edling vom gleichnamigen Intersport-Geschäft in Senden kann immer noch nicht richtig glauben, dass Decathlon tatsächlich nach Senden kommt. Obwohl das Gerücht schon eine Weile herumging, wundert es die sportliche Konkurrenz, dass das französische Unternehmen zwei nahe beieinander liegende Standorte betreiben will. Rein kaufmännisch sei das nicht vorstellbar, sagt Edling, „aber jetzt ist’s ja sicher, dass der Laden kommt“. Die Nachricht sei für ihn ein Schlag gewesen. „Ich bin nicht begeistert davon“, sagt er.

Sein Team und er überlegen nun, wie sie auf den neuen Konkurrenten am besten reagieren können. „Vielleicht spezialisieren wir uns weiter, im Bereich Tischtennis und bei den Fitnessgeräten sind wir schon überregional bekannt.“ Er setze weiterhin auf Fachberatung und Spezialisierung und sei überzeugt, dass ihm die Sportvereine in dem Bereich treu bleiben. Möglicherweise nehme er stattdessen Dinge wie Kleidung aus dem Sortiment, bei denen er durchaus mit einem Einbruch rechnet. „Bei den Preisen können wir nicht mithalten.“

Spezialisierung und gute Beratung

Doch wie genau Intersport Edling sich aufstellen wird, sei noch völlig offen. „Wir haben ja jetzt ein halbes Jahr Zeit, uns darüber Gedanken zu machen“, sagt der Chef. Der 68-Jährige arbeitet immer noch mit Begeisterung, würde aber dennoch gerne ein wenig an seine Mitarbeiter übergeben und etwas zurücktreten. Wenn Decathlon mal da sei, müsse man eben sehen, wie das Geschäft läuft. Und wenn es wirtschaftlich nicht genüge, müsse er eben schließen. „Aber nur weil wir gehört haben, dass Decathlon kommt, machen wir noch lange nicht zu“, sagt Edling.

Experten rechnen damit, dass der Konkurrenzdruck im Sportartikelbereich größer wird. Derart große Verkaufsflächen ziehen dementsprechend viele Kunden an, im vor einem Jahr beschlossenen Einzelhandelskonzept der Stadt Senden benennen die Gutachter schon ein großes Einzugsgebiet für die Illerstadt. Senden habe in seiner Funktion als Mittelzentrum – gemeinsam mit Vöhringen – auch eine überörtliche Versorgung zu leisten. Der Einzelhandel in Senden profitiere stark von Käufern aus Illerkirchberg und einzelnen Stadtteilen Neu-Ulms, zudem von angrenzenden südlich und östlich angrenzenden Gemeinden. Bei Sortimenten für langfristigen Bedarf, was etwa Möbeln, Kleidung oder auch Sportartikeln entspricht, reiche das Einzugsgebiet Sendens bis Günzburg, Krumbach und Laupheim.

Sondergebiet für großflächigen Einzelhandel

Bürgermeister Raphael Bögge sagte, dass es schon jetzt „verschiedene hervorragende Sportgeschäfte“ in Senden gebe. Nun komme mit Decathlon ein weiteres dazu. Das geltende Einzelhandelskonzept der Stadt werde durch den neuen Mieter eingehalten.

Für die Flächen am Iller-Center gilt ein Bestandsschutz. Im Sendener Norden gibt es ein Sondergebiet für großflächigen Einzelhandel, was eben solche großen Geschäfte möglich macht. Im Flächennutzungsplan wollte die Stadt dieses Sondergebiet ausweiten, dagegen legte das Landratsamt Neu-Ulm jedoch sein Veto ein. Das Gebiet habe ohnehin schon einen negativen Einfluss auf Nachbargemeinden wie auch auf den innerstädtischen Bereich von Senden selbst, hieß es damals.

Generell soll mit dem Einzelhandelskonzept vor allem die Innenstadt gestärkt werden. Im Landesentwicklungsprogramm Bayern gehöre der Bereich Sport und Camping auf die Grundliste für Innenstädte, sagt André Köhn, Handelsreferent der IHK. Doch jede Kommune müsse sich in ihrem Einzelhandelskonzept mit der örtlichen Situation auseinandersetzen. In Senden gehören Sport- und Campingartikel zu den nicht-zentralrelevanten Sortimenten, können also außerhalb der Innenstadt angesiedelt werden. Das könnte daran liegen, so Köhn, dass bei der Untersuchung herauskam, dass sich dies aufgrund der jetzigen Situation wohl nicht mehr ändern wird. Oder dass im Zentrum zu wenig Platz vorhanden ist.

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