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20.07.2020

Warum der Schwörmontag nicht baden geht

Bei Spielwaren Gänßlrn in Ulm am Marktplatz findet das Nabada statt.

Schwörmontag pur gibt es dieses Jahr. Der Schwur ist aktuell wie eh und je. Schade nur, dass viele Menschen den Ernst der Corona-Lage nicht erkannt haben.

Dieser Schwörmontag wird in die Geschichte eingehen: kein Volksfest, keine Klingende Schwörwoche, kein Open Air auf dem Münsterplatz, keine Lichterserenade, kein Nabada und keine Riesen-Party. Ein auf sein wesentliches Element reduzierter Stadtfeiertag legt offen, wieso normalerweise Zehntausende nach Ulm kommen, um zu feiern: Weil ein gewählter Diener des Volkes, also der Oberbürgermeister, verspricht, „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt“.

Das ist wunderbar. Und gerade in Zeiten, in denen in Europa und sogar dem früheren Leitbild USA Werte der Demokratie infrage gestellt werden, ist es wichtig, sich dieser Normen zu besinnen.

Zum Glück ist es nur eine kleine Minderheit, die meint, dass in Deutschland der Rechtsstaat baden geht, weil die Bekämpfung der Pandemie derzeit Freiheiten einschränkt. Die Damen und Herren sollten sich einmal 170 Kilometer gen Westen aufmachen. Das ist so nah und doch so fern. Im französischen Elsass musste die Bevölkerung am eigenen Leib spüren, wie gefährlich das Virus ist. „Praktisch jeder kennt jemanden, der an Covid-19 gestorben ist“, sagte eine Ulmerin, die seit Jahren in Straßburg als Ärztin tätig ist, unserer Zeitung. Dass es unser Nachbarland so arg erwischt hat, hat viel mit Pech zu tun. Aber es sollte auch Mahnung sein, das Virus und die Infektionsschutzverordnungen ernst zu nehmen.

Warum der Schwörmontag nicht baden geht

Die Biergärten in der Ulmer Au waren am Montagnachmittag schon sehr, sehr gut gefüllt. Und bei Temperaturen, die an die 30 Grad heranreichen, glitzert die Donau verlockend. In Zeiten der Pandemie eine gefährliche Kombination.

Ja, der Schwörmontag des Jahres 2020 hätte ein Bilderbuchtag werden können. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass kommendes Jahr dieser zeitlose und so wichtige Schwur wieder würdig gefeiert werden kann: „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein.“

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