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Osterberg/Weiler

17.06.2017

Warum eine 20-Jährige Dorfhelferin werden will

Susanna Haugg in ihrer typischen Arbeitskleidung: Mit Gummistiefeln und praktischer Kleidung geht sie in den Stall. Die 20-Jährige muss auch bei der Kinderbetreuung mithelfen.
Bild: Haugg

Susanna Haugg aus Weiler macht eine Ausbildung in diesem seltenen Beruf. Wenn sie davon erzählt, stutzen viele. Warum die junge Frau gerade dieser Job reizt.

Um vier Uhr morgens klingelt der Wecker und reißt Susanna Haugg etwas unsanft aus dem Schlaf. Sie steht auf, zieht sich an und schlüpft in ihre Gummistiefel. Eine Stunde später beginnt für die 20-Jährige der Einsatz im Stall. Als Dorfhelferin unterstützt sie landwirtschaftliche Betriebe, wenn die Bäuerin krank ist und somit als Arbeitskraft ausfällt.

Vor Kurzem war sie im Bayerischen Wald auf einem Hof und versorgte jeden Morgen und jeden Abend 53 Milchkühe mit Mais, Silo, Kraftfutter und Bruch, während der Bauer sich ums Melken gekümmert hat. Mit Schaufel und Schubkarre brachte sie den Tieren ihr Futter und pflegte danach noch die 15 Kälber. „Ich hatte noch nie Rückenprobleme“, sagt Haugg. Mit einem leichten Lachen fügt sie hinzu: „Aber da hab ich mein Kreuz schon gespürt.“  Vor harter Arbeit darf eine Dorfhelferin nicht zurückschrecken. Im Juli wird Haugg ihre Ausbildung voraussichtlich beenden.

In ganz Bayern gibt es nur 13 Auszubildende

Insgesamt 13 junge Frauen sind sie in ihrem Jahrgang, sagt Haugg. Und zwar aus ganz Bayern. Dorfhelferin ist ein Beruf, mit dem heutzutage viele gar nichts anfangen können. Manche kennen ihn aus der ZDF-Fernsehreihe „Frühling“, in der Simone Thomalla die Dorfhelferin mimt. Haugg wird öfter auf die Filme angesprochen. Die Darstellung der Dorfhelferin darin amüsiert sie. „Das hat einfach nichts mit unserem Beruf zu tun. In schicken Outfits und hübschen, gepunkteten Gummistiefelchen gehen wir nicht in den Stall.“ Haugg trägt lieber Kleidung, in der sie auch anpacken kann. Jeans aus festem Stoff und ein T-Shirt, die Haare unter einem Kopftuch verstaut.

Inzwischen gehört nicht mehr nur die Stallarbeit und Kinderbetreuung zu den Aufgaben einer Dorfhelferin. Viele Familien auf dem Land übernehmen auch die Pflege der eigenen Großeltern selbst. Einen entsprechend großen Anteil nimmt die Altenpflege auch in der Ausbildung zur Dorfhelferin ein. Die 20-Jährige hat nicht damit gerechnet, dass das so viel sein würde. „Pflege ist überhaupt nicht meins“, sagt die junge Frau. Doch die Ausbildung deswegen abzubrechen, kam für sie nie in Frage. Dafür macht ihr alles andere an ihrem Beruf zu viel Spaß. „Am liebsten mag ich Familien mit vielen Kindern“, sagt sie. Die würden sich meistens freuen, wenn die Dorfhelferin da ist. Denn Haugg kann sich oft mehr Zeit für sie nehmen, als deren Mutter, die für gewöhnlich komplett eingespannt ist bei der Haus- und Hofarbeit.

Ihr Traumberuf sei jedoch nicht immer Dorfhelferin gewesen. „Eigentlich wollte ich unbedingt Fotografin werden“, erzählt Haugg. Davon riet ihr ihre Mutter allerdings ab, als sie mit 16 Jahren den Realschulabschluss in der Tasche hatte. „Vielleicht dachte sie, das wird sowieso nichts.“ Stattdessen fing Haugg an der Hauswirtschaftsschule an. Auch ein Rat der Mutter. Und kein schlechter, wie ihre Tochter findet. „Hauswirtschaft macht man fürs Leben. Das ist auf jeden Fall nützlich.“ Auch ihre Mutter und ihre Schwester arbeiten in diesem Bereich.

Unterschiedliche Reaktionen auf die Berufswahl

Auf der Hauswirtschaftsschule habe sie dann entschieden, in den landwirtschaftlichen Bereich zu gehen. Beim Maschinenring wurde ihr die Ausbildung zur Dorfhelferin empfohlen. Es ist auch die Kombination aus Hausarbeit und Hofarbeit, die Haugg an ihrem Beruf gefällt. „Die meisten sagen, sie machen das, weil sie Menschen helfen wollen. Aber man braucht einfach ein Herz für Haus- und Landwirtschaft.“

Praktischerweise ist die Ausbildung zur Hauswirtschafterin ohnehin Teil der Lehre zur Dorfhelferin. Nach der Hauswirtschaftsschule folgte noch ein Jahr an der Landwirtschaftsschule in Pfaffenhofen an der Ilm und ein Dreivierteljahr an der Fachschule für Dorfhelferinnen in Neuburg an der Donau, jeweils unterbrochen von Praktika und Einsätzen auf Bauernhöfen.

Die Reaktionen auf ihre Berufswahl waren sehr unterschiedlich, erzählt Haugg. In der Regel aber positiv. Während ihre gleichaltrigen Freunde manchmal nur wenig damit anfangen konnten, waren deren Eltern umso begeisterter. Die Jobaussichten nach der Ausbildung seien ziemlich gut. Dorfhelferinnen werden meist bei den Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfern in Bayern (KDBH) angestellt oder arbeiten selbstständig.

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