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Konzert

18.10.2017

Was Jazz alles kann

Vielseitiger Künstler: Django Bates im Stadthaus.
Bild: Michael Peter Bluhm

Der britische Pianist Django Bates lotet im Stadthaus die Grenzen des Genres aus

Er gilt als ein Tausendsassa des internationalen Jazz und ist dafür berühmt (und auch berüchtigt), die Grenzen der Musik auszuloten: Der englische Komponist und Jazzpianist Leo „Django“ Bates ist jetzt mit seinem Trio ins Stadthaus gekommen. Er beschert den Ulmer Freunden des anspruchsvollen Jazz die Weltpremiere seiner neuen CD, die im November auf den Markt kommt.

Unterschiedliches bis zum Extremen zu verbinden, ist eine Spezialität des 57-Jährigen aus Beckenham bei London. So hat er letztes Jahr für Furore und Protest gesorgt, als er das Beatles-Album „ Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ zerpflückte und mit der Big Band des Hessischen Rundfunks eine orchestrale Fassung erarbeitete. Diese wurde zum Teil heftig zerrissen.

In Ulm steht Bates wie ein geläuteter Grenzgänger mit seinen bewährten dänischen Begleitern Peter Eldh am Bass und Peter Bruun aus Dänemark auf der Bühne. Das Konzert im nicht ganz ausverkauften Stadthaus beginnt gleich mal mit einer Panne. Der große Pianist sucht nach seinem kleinen Klavierstuhl, der dann aber schnell herbeigeschafft werden kann, sodass ein wunderschöner, spannender Jazzabend beginnen kann. Nach einem zart bewegten, lyrisch betonten Anfang entfalten die drei Musiker in den zwei Stunden eine Wucht der Extraklasse, wo Bates seine grenzenlose Kreativität ausspielt und vor anarchischem Humor nur so strotzt.

Die ganze Musikerfahrung seines bisherigen Lebens bündelt sich in den neuen Kompositionen. „Beloved“ heißt das neue Trio-Album und es ist eine einzige Liebeserklärung an die Originalität und Schönheit des Jazz. Gleichwohl sind die Stücke bei aller Modernität auch ein Dankeschön an seine Lehrmeister in den vergangenen Jahrzehnten, allen voran sein großes Vorbild Charlie Parker, dem Erfinder des Bebop, und Jazzgiganten wie Wynton Marsalis oder Michael Brecker, die er als Pianist begleiten durfte. Die Jazzkundigen können aber auch an diesem Abend heraushören, wie sehr er sich neben all seinem Vorwärtsdrängen in Neues der Tradition einer Carla Bley oder eines Michael Gibbs verpflichtet fühlt.

Das Publikum ist von dem britisch-dänischen Trioabend verzaubert und bekommt am Ende auch die ersehnten Zugaben. Das größte Geschenk für seine Ulmer Fans hat der Engländer aber schon vorher angekündigt: Zum 100. Geburtstag von Charly Parkerwill er sein geplantes Tribute-Album exklusiv im Stadthaus vorstellen – im Jahr 2020.

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