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Ulm

10.01.2019

Was machen die früheren Mitarbeiter des Ulmer Theaters?

In Opern wie „Nabucco“ waren sie gemeinsam zu sehen. Sopran Edith Lorans (links) und Bariton Kwang-Keun Lee arbeiten seit dem Intendantenwechsel nicht mehr am Theater Ulm.
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In Opern wie „Nabucco“ waren sie gemeinsam zu sehen. Sopran Edith Lorans (links) und Bariton Kwang-Keun Lee arbeiten seit dem Intendantenwechsel nicht mehr am Theater Ulm.
Bild: Martin Kaufhold

Mit dem Intendantenwechsel verloren einige künstlerische Mitarbeiter ihre Anstellung. Viele haben schon Engagements, andere müssen sich ganz neu orientieren.

Dem alten Chef selbst geht es gut. An den Ruhestand denkt Andreas von Studnitz nach seinem Abschied als Intendant des Theaters Ulm jedenfalls nicht. Der 64-Jährige macht das, was ihm immer am meisten Spaß machte: Er führt Regie. Und kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen. Für das Wallgraben-Theater Freiburg inszeniert er eine eigene Bühnenfassung von Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ (Premiere 30. März). Und für das Theater Ingolstadt übernimmt er ein Stück, das er auch schon auf der Wilhelmsburg zeigte: Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ (Premiere am 28. Juni auf der Freilichtbühne im Turm Baur). Und nebenbei gehört er noch zum künstlerischen Leitungstrio des „Interim“-Festivals, zu dem auch ein Theaterprojekt für Laiendarsteller gehört.

Ganz so reibungslos wie für den Intendanten ist der Wechsel zu Kay Metzger nicht für alle künstlerischen Mitarbeiter verlaufen, die im Sommer das Haus verlassen haben oder es verlassen mussten – darunter auch einige, die viele Jahre, teils seit dem Beginn der Intendanz von Studnitz 2006, das Haus mitprägten und auch vom Publikum geschätzt wurden. Einen nahtlosen Übergang geschafft hat Schauspielerin Aglaja Stadelmann, die 2006 nach Ulm gekommen war und dort unter anderem in der Doppelrolle Shen Te/Shui Ta in Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte. Inzwischen gehört sie zum Schauspielensemble des Pfalztheaters Kaiserslautern, wo sie derzeit unter anderem in Friedrich Hebbels „Die Nibelungen“ zu sehen ist.

Auch Julia Baukus, die drei Jahre in Ulm arbeitete und zuletzt auch beim Erfolgsmusical „Rock of Ages“ dabei war, schaffte direkt den Sprung an ein anderes Haus: Sie ist inzwischen am Mainfranken-Theater Würzburg angestellt. Ihre nächste Premiere ist „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr. Einen anderen Weg gegangen ist Sidonie von Krosigk, die in der Spielzeit 2017/18 nur mehr in einer Produktion zu erleben war, „Dogville“. Die 29-Jährige, die vor ihrer Theaterausbildung als Teenager die Junghexe Bibi Blocksberg in zwei erfolgreichen Kinofilmen mimte, arbeitete zuletzt fürs Fernsehen: als Köchin Magda Mittermeier in der Telenovela „Sturm der Liebe“, aber auch in der Serie „Die Bergretter“.

Manche Schauspieler, die früher am Theater Ulm arbeiteten, gestalten ihr Leben um

Noch nicht wieder fest engagiert sind die Männer, die mit dem Intendantenwechsel aus dem Schauspielensemble ausgeschieden sind. Und manche gestalten ihr Leben derzeit um: Florian Stern baut sich eine freie Existenz auf: Er unterrichtet Schauspielgrundlagen, arbeitet gerade mit dem Ex-Kollegen Volkram Zschiesche an einem Bühnenprogramm über bewusste Ernährung, wird ein binationales Theaterprojekt in Deutschland und England coachen. Schauspielern tut er natürlich auch: Im Frühjahr gastiert er in Pforzheim. Daneben genieße er es, wieder ein bisschen mehr Zeit für seine Frau und seinen kleinen Sohn zu haben, sagt er. Freie Engagements haben auch andere Ex-Ulmer Schauspieler – teils auch zusammen. So spielen Stefan Maaß und Christian Streit am Studio-Theater Stuttgart zusammen in dem Krimi „Die Opferung von Gorge Mastromas“ (Premiere 21. Februar). Und auch Timo Ben Schöfer ist wieder freischaffend tätig.

Operndirektor Matthias Kaiser ist mit seiner Frau schon im Herbst von Ulm nach Berlin gezogen, aus privaten Gründen. Noch lässt er es ruhiger angehen, nimmt sich Zeit zum Lesen und für Museums- und Theaterbesuche in der Hauptstadt, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Zuletzt habe er eine Masterclass an der Musikhochschule Maastricht geleitet und werde demnächst auch in Berlin unterrichten. Über neue Regie-Aufträge will er noch nichts verraten.

Im Musiktheater war der personelle Einschnitt weniger gravierend als im Schauspiel, dafür hat noch keiner der „alten“ Garde wieder ein festes Engagement. Bariton Kwang-Keun Lee, der die gesamte Zeit der Intendanz von Studnitz in Ulm verbracht hat, singt derzeit als Gast die Titelpartie in Verdis Oper „Simon Boccanegra“ am Theater Hagen. Mezzosopran Christianne Bélanger ist wieder in ihrer kanadischen Heimat aktiv. 2019 gastiert sie an der Opéra de Montréal. Koloratursopran Edith Lorans aus Frankreich singt vielerorts als Gast. Was der polnische Bariton Tomasz Kaluzny, der mit Kaiser und Studnitz 2006 nach Ulm kam, derzeit treibt, darüber weiß man derzeit weder am Theater Ulm noch im Internet Bescheid.

Das wurde aus dem früheren Tanzensemble des Ulmer Theaters

Leichter ist die Spur des Tanzensembles aufzunehmen – obwohl es sich komplett aus Ulm verabschiedet hat: Ballettdirektor Roberto Scafati hat gleich sieben seiner Leute mit an seine neue Wirkungsstätte, das Theater Trier, genommen: Bogdan Muresan, Damien Nazabal, Yuka Nazabal (vor der Heirat Kawazu), Beatrice Panero, Alessio Pirone, Chiara Rontini und Giorgio Strano. Die erste gemeinsame Arbeit von Scafati und seinen neuen, zum guten Teil alten Ensemble war die Ballettsuite „Zorbas“.

Ceren Yavan-Wagner ist dagegen nicht mit an die Mosel gezogen, sondern gehört jetzt zur Compagnie von Ricardo Fernando am Staatstheater Augsburg. Die gebürtige Türkin tanzte bereits in den Jahren von 2004 bis 2009 in der Fuggerstadt und hatte dort auch zu Ulmer Zeiten ihren Lebensmittelpunkt. Für Yavan-Wagner ist es eine Heimkehr.

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