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Senden

24.01.2019

Was tun, wenn mich jemand angreift?

Simone Heger und Thomas Pleier informierten Bürger in Senden.
Bild: A. Häusler

Die Polizei Senden informiert Bürger darüber, wie sie sich bei Gefahr zur Wehr setzen und Zivilcourage zeigen können.

Raubmord am Ulmer Eselsberg, Vergewaltigungen in Babenhausen: schwere Verbrechen direkt vor der Haustür machen Schlagzeilen und vor allem Angst. Auch die Sendener fürchten sich vor Angriffen in ihrer direkten Umgebung, das wissen die örtlichen Polizeibeamten gut. Am Dienstag begegneten sie diesen Befürchtungen aktiv, indem sie Interessierte zum Infoabend mit dem Thema „Selbstbehauptung und Zivilcourage“ einluden.

Das Unbehagen ist auch in der Illerstadt gegenwärtig. „Ich habe Angst, wenn ich abends im Dunkeln mit meinen Kindern in der Hauptstraße unterwegs bin“, berichtete etwa eine Sendenerin beim Infoabend, so wechsle sie die Straßenseite, wenn ein Mann sich nähere, der ihr verdächtig vorkomme. Damit dürfte sie nicht alleine sein, gerade vor Kriminalität im öffentlichen Raum fürchten sich viele Menschen.

Grundsätzlich gelte: Nicht den Helden spielen

25 Frauen und Männer waren ins BRK-Haus gekommen, um sich bei Polizeihauptmeisterin Simone Heger und Polizeihauptkommissar Thomas Pleier von der Sendener Polizei über Mittel und Wege zu informieren, wie man in alltäglichen Situationen Zivilcourage zeigen oder sich im Ernstfall zur Wehr setzen kann. Beim Helfen gelte ganz grundsätzlich: Nicht den Helden spielen. „Begeben Sie sich nicht in Gefahr“, lautete Hegers Ratschlag. Fühle man sich einer heiklen Situation alleine nicht gewachsen, könne man etwa andere Zeugen ansprechen und mit ihnen gemeinsam einschreiten. Oder sich darauf beschränken, die Polizei anzurufen.

Die gesetzliche Regelung sei klar, erklärte Pleier: Gerät ein Mitmensch in Gefahr, ist man verpflichtet, zu helfen. „Aber was ich mir zutraue und wie weit ich gehe, muss ich selbst wissen“, sagte er. Betroffene seien rechtlich abgesichert, beispielsweise wenn sie in Notwehr handeln. Und sie dürfen auf frischer Tat ertappte Täter sogar festhalten, bis die Polizei eintrifft. Häufig aber, berichtet der Polizist, wollen Tatzeugen hinterher lieber gar nichts gesehen haben, „oft verdrücken sie sich, wenn die Polizei kommt“. Aus Angst vor Unannehmlichkeiten zum Beispiel, oder weil sie fürchten, ein Täter wolle sich dann an ihnen rächen. Ein Fall, der aber in der Praxis so gut wie nie vorkomme, so Pleier. Froh sind Ermittler, wenn Zeugen eine gute Täterbeschreibung liefern können, bestenfalls sogar ein Handyfoto. Dass es nicht ganz leicht ist, sich ans Erscheinungsbild eines Menschen zu erinnern, den man nur kurz gesehen hat, zeigte sich bei einer der praktischen Übungen, die die Polizisten in den Abend einbauten.

Wird man Opfer, soll man sich wehren

Wird man Opfer eines Übergriffs, sollte man sich wehren, riet Simone Heger außerdem, „entweder körperlich oder indem man etwas Unerwartetes tut“. Und: laut schreien. Denn Täter wollen nicht auffliegen, suchen sich Opfer, bei denen sie kaum Widerstand vermuten und brechen die Taten meist ab, wenn sie heftige Reaktionen erhalten. Das hätten Studien gezeigt, so die Polizeibeamtin. Frauen, die sich ängstigen, empfahl sie, einen „Schrillalarm“ zu tragen, ein kleiner Anhänger, der im Notfall Alarm schlägt. Oder aber Tierabwehrsprays, die frei verkäuflich sind. Der Einsatz solcher Sprays ist aber nur im Falle der Notwehr legal.

Was sich im Gespräch zeigte: Auch das Thema Kindersicherheit, etwa befürchtete Entführungen auf dem Schulweg, bewegte die Teilnehmer. Da konnte die Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer, Dagmar Bethke, etwas beruhigen: „Dass ein Kind von der Straße abgegriffen und missbraucht oder getötet wird, habe ich in 30 Jahren nicht erlebt.“ Wichtig sei aber, die Augen offen zu halten und Auffälliges zu melden. Und: „Kinder sollten sich immer anvertrauen dürfen.“

Thomas Pleier, Ideengeber der Veranstaltung, war mit der Resonanz der Teilnehmer auf den Abend zufrieden, den er als Antwort auf die Besorgnis vieler Bürger geplant hatte. Die Kriminalstatistik fällt für Senden derzeit übrigens recht entspannt aus. „Im Moment gibt es hier keinen Grund, Angst zu haben“, sagte Pleier. Polizeidienststellenleiter Thomas Merk bestätigte: Der hiesige Rückgang der Straßenkriminalität im Jahr 2017 um 25 Prozent habe sich 2018 noch fortgesetzt.

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