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Neu-Ulm

08.01.2019

Was wird aus der Gaststätte Barfüßer in Neu-Ulm?

Die Gaststätte Barfüßer am Neu-Ulmer Donauufer ist in die Jahre gekommen. Pächter Eberhard Riedmüller will das ehemalige Offizierskasino abreißen lassen und durch einen Neubau ersetzen.
Bild: Andreas Brücken

Plus Eberhard Riedmüller will die Neu-Ulmer Brauereigaststätte Barfüßer an der Donau abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Doch die Entscheidung liegt bei der Stadt.

Die Gaststätte Barfüßer an der Donau, mit eigener Hausbrauerei, 18 Hotelzimmern und einem großen Biergarten, ist eines der bekanntesten Lokale Neu-Ulms. Doch möglicherweise ruht dort bald der Betrieb für einige Zeit. Denn Großgastronom Eberhard „Ebbo“ Riedmüller möchte das rund 80 Jahre alte Gebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Einen entsprechenden Antrag will er demnächst bei der Stadt Neu-Ulm einreichen, der das ehemalige Offizierskasino gehört.

Eine Sanierung kommt für Riedmüller nicht infrage, wie er gegenüber unserer Redaktion bekräftigte. Eine solche würde fünf Millionen Euro oder mehr kosten und wäre aus Sicht des Gastronomen „ein Fass ohne Boden“. In dem 1938 erbauten Gebäude, das später nach und nach erweitert wurde, liege vieles im Argen. „Alles“, antwortete Riedmüller auf die Frage, was denn marode sei und erneuert werden müsste. Die Rohre rosteten durch, die Elektrik und die Heizungsanlage seien in die Jahre gekommen. In den vergangenen Jahren müsse ständig etwas geflickt werden. „Wenn sie das alles erneuern müssen, das kriegen sie gar nicht in den Griff“, sagte der Betreiber der Gaststätte. „Das ist Wahnsinn.“ Er jedenfalls würde eine Sanierung nicht riskieren.

"Ebbo" Riedmüllers Vorschlag: Abreißen und neu bauen

Riedmüllers Alternativvorschlag Abreißen und neu bauen. „Wir machen gerade eine Planung, von der wir denken, dass sie dem Platz und dem Umfeld gerecht wird.“ Diese Pläne sollen im Stadtrat präsentiert werden, „und dann schauen wir, was rauskommt“. Rausgehen will Riedmüller damit auf jeden Fall noch in diesem Jahr. Der Gastronom will das neue Barfüßer-Gebäude höher bauen, das Gelände und den Zugang zur Donau aufwerten und die Autos in einer Tiefgarage unterbringen. Bislang gibt es einen großen Parkplatz zur Augsburger Straße hin, daneben ist der Biergarten mit alten Bäumen und einem Spielplatz und schließlich das historische Gebäude, an das laut Riedmüller „immer wieder was dazu gebaut wurde“. Seiner Ansicht nach passt das Ensemble nicht mehr in die Umgebung und ist weder historisch bedeutsam noch erhaltenswert.

Das Offizierskasino wurde zuerst von der Wehrmacht genutzt, später von der US-Armee

Dazu gibt es jedoch auch andere Meinungen, weshalb die Abriss-Pläne zu kontroversen Diskussionen im Stadtrat führen könnten. Denn das Barfüßer-Gebäude ist zwar nicht denkmalgeschützt, aber zweifellos ein Stück Neu-Ulmer Geschichte. Das Haus wurde bis Ende des Zweiten Weltkriegs von Offizieren der Wehrmacht als Kasino genutzt, danach diente es mehrere Jahre lang zur Unterbringung von Displaced Persons, also beispielsweise Flüchtlingen und ehemaligen Zwangsarbeitern, und ab Anfang der 1950er Jahre als Offiziersklub und Wohnheim der US-Armee. In den 1980er Jahren wurde es umgebaut und erweitert. 1993 kaufte es die Stadt Neu-Ulm. Seitdem wird das Gebäude gastronomisch genutzt. Eberhard Riedmüller pachtete es 1997 für 20 Jahre und eröffnete darin die Hausbrauerei Barfüßer. Der Pachtvertrag sei bis Mitte 2019 verlängert worden, sagte Sandra Lützel, Pressesprecherin der Stadt Neu-Ulm. „Wir warten jetzt auf die Pläne, die Herr Riedmüller uns vorlegen wird.“

Im neuen Barfüßer in Ulm läuft es bislang sehr gut

Der langjährige Pächter hofft, dass er den Stadtrat von seinen Vorstellungen überzeugen kann. „Dass da ein schönes, hochwertiges Gebäude hingehört, da sind wir uns alle einig“, sagte er. Der Neu-Ulmer Barfüßer ist nach Einschätzung von Ebbo Riedmüller „von der Lage her der schönste, vom Betreiben her der schwierigste“ aller Standorte der Hausbrauereien, die es unter anderem auch in Weißenhorn und Memmingen gibt. Denn zwar ist im Sommer der Ansturm wegen des Biergartens oft riesig, dafür ist im Winter weniger los. Anders als in Ulm, wo ungleich mehr Laufkundschaft unterwegs ist. Im Mai 2017 ist der „Ur-Barfüßer“ vom Lautenberg ins ehemalige Gebäude des Modehauses Jung gezogen. In der Neuen Mitte läuft es seither „wirklich sehr zufriedenstellend“, wie Riedmüller einräumt. Dort hat der Wirt einen Millionenbetrag investiert. Das würde er auch in Neu-Ulm machen, um den Standort langfristig zu sichern. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Barfüßer hat Riedmüller ebenfalls Pläne: Die frühere Gaststätte Bad Wolf soll noch im Frühjahr abgerissen werden. Anstelle des seit Jahren leer stehenden Gebäudes sollen Wohnungen entstehen.

Lesen Sie hier mehr über Eberhard Riedmüller und seine Gaststätten: „Barfüßer“-Chef baut sein Gastro-Imperium aus

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