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22.05.2018

Wasserkuren und ein Gerichtsprozess

Schauspieler Fred Strittmatter schlüpfte in die Rolle von Kneipp.
Bild: Häusler

Theaterstück über Sebastian Kneipp

Den schlichten Titel „Kneipp Solo“ trägt das Ein-Personen-Stück, das Schauspieler Fred Strittmatter am Samstag im Brett im Schtoi in Diepertshofen feinsinnig zum Besten gab. Allerlei Interessantes und Unbekanntes aus dem Leben des legendären Wasserdoktors kam auf der Bühne zur Sprache.

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Das Leben und Wirken des Kräuterpfarrers Sebastian Kneipp hat der gebürtige Schweizer Fred Strittmatter zu einem kurzweiligen Solostück verarbeitet, in sieben Szenen – von der arbeitsreichen Kindheit in ärmlichen Verhältnissen bis zu den zahlreichen Heil-Erfolgen in der Kurstadt Bad Wörishofen. Aus der reichen Biografie des Webersohns aus Stephansried bei Babenhausen hat sich der Autor und erfahrene Schauspieler prägende Stationen ausgesucht, die er im Verlauf des Stückes aus unterschiedlichen Blickwinkeln wiedergab, indem er in verschiedene Rollen schlüpfte: Zunächst in die eines Priesters, der das Grab des längst gestorbenen Kräuterpfarrers besucht. Eindrücklich gelingt es Strittmatter, den sehnlichen Wunsch des Buben Sebastian nach einer Ausbildung zum Priester zu verdeutlichen. Trotz widriger Umstände gelingt es schließlich – und offenbar gelingt auch die Heilung seiner Krankheit. Die hatte Kneipp von Kindesbeinen an immer wieder ereilt. Vermutlich war es Tuberkulose, von der er sich mithilfe von Bädern in kaltem Wasser heilte.

Angetan mit schwarzer Soutane und Käppchen deklamiert Strittmatter auch die Grundsätze der Kneippschen Lehre, zitiert aus dessen Werken, erwähnt aber ebenso weitere Leidenschaften des Pfarrers, zu denen die Imkerei ebenso wie das Zigarrenrauchen gehörte. Eine Schlüsselszene ist die Gerichtsverhandlung in Babenhausen, die den Konflikt zwischen Kneipps Erfolgen und den in der Zeit etablierten Heilkundlern klar macht: Die Klage gegen Kneipp wegen „Gewerbe-Beeinträchtigung durch die Wasserkur“ auf der einen Seite, auf der anderen der Richter, der sich an Ort und Stelle eine Kneippsche Kur gegen Gichtanfälle empfehlen lässt.

Und auch in die Gegenwart heutiger Kurgäste in Bad-Wörishofen entführt Strittmatter sein Publikum, freilich mit humorvollem Einschlag. Ganz am Ende nämlich, wenn Strittmatter als durchorganisierter Kurgast von Bädern, Wickeln und Heusäcken berichtet. Zum Abschied lang anhaltender Beifall. (ahoi)

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