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Weißenhorn

18.11.2019

Weißenhorn Klassik: Ein fast vergessener Komponist berührt

Das Pleyel-Quartett aus Köln: (von links) Ingeborg Scheerer, Nicholas Selo, Andreas Gerhardus und Stefanie Irgang.
Foto: Ralph Manhalter

Das Kölner Pleyel-Quartett, das sich nach dem einstigen Star benannt hat, eröffnet das Festival Weißenhorn Klassik. Die Streicher beeindrucken mit ihrem Können.

Anton Joseph Fugger war es, der im Jahr 1790 eine Inventarliste mit dem sperrigen Namen „Veranschlagung und Verkauf deren in dem Reichsgräflichen Fuggerschen Schloß zu Weißenhorn vorgefundenen Mobilien und Gerätschaften“ erstellen ließ. Darin befanden sich auch Noten, die heute Rückschlüsse auf die Musik in jenen Jahren erlauben. Wenig verwunderlich natürlich die Stars der damaligen Epoche, Haydn und Mozart.

Die Wiener Klassik war bereits ausgeprägt und dennoch mischten sich ab und an Klänge des Sturm und Drang in die Kompositionen. So vor allem beim Dritten im Bunde, Ignaz Josef Pleyel: Heutzutage zu Unrecht nahezu vergessen, zählte er im ausgehenden 18. Jahrhundert durchaus zu den leuchtenden Sternen der Musik. Diesen gebürtigen Niederösterreicher dem Dunkel der Geschichte zu entreißen und auf die Bühne zu bringen, war ein Ziel des diesjährigen Kammermusikfestivals Weißenhorn Klassik.

Weißenhorn Klassik findet zum sechsten Mal statt

Bereits zum sechsten Mal finden in den nächsten Wochen die 2014 von der Sopranistin Esther Kretzinger ins Leben gerufenen Klassikwochen in der Fuggerstadt statt. Gleichzeitig diente das Eröffnungskonzert am vergangenen Samstag in Kooperation mit der Musikschule, dem Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium sowie dem Heimat- und Museumsverein als krönender Abschluss des Franz-Martin-Kuen-Jahres – zumindest in Weißenhorn.

Der beim Pianisten Akira Sagawa lernende Sönke Scholl eröffnete die gut zweieinhalbstündige Soirée mit dem 3. Satz aus der Pathétique-Sonate von Beethoven. Tönerne Pirouetten drehend faszinierte der jugendliche Schüler wieder einmal durch seine vortreffliche Professionalität. Beethoven ist auch ein Wiener Klassiker.

Werk von Komponist Ignaz Josef Pleyel überzeugt in Weißenhorn

Danach wurde es aber Zeit für Pleyel. Nach einem kurzen Bühnenumbau präsentierte sich das aus Köln stammende Streichquartett, welches den Namen des fast vergessenen Komponisten zu seinem eigenen machte. Als Pleyel-Quartett gewannen die zwei Damen und zwei Herren schon mehrere Auszeichnungen und Preise. Dabei sind es selbstredend nicht nur Kompositionen des bemerkenswerterweise in Frankreich immer noch populären Musikers, welche die vier Streicher aus ihrem Repertoire vorweisen können. Joseph Haydns auch Vogelquartett genanntes Werk ließ sich problemlos in den vorrevolutionären Geist des 18. Jahrhunderts einbinden: eine Wallung in Klängen, perfekt abgestimmt zwischen den beiden Violinistinnen Ingeborg Scheerer und Stefanie Irgang und Viola (Andreas Gerhardus) sowie Violoncello (Nicholas Selo). War das bislang Gehörte hinlänglich vertraut, tat sich nun für viele akustisches Neuland auf. Die Klänge Pleyels unterschieden sich schon durch ihre noch intensivere Emotionalität vom zuvor Dargebotenen. Gefühl war dann auch das Leitmotiv jener Epoche des Sturm und Drang, deren Vertreter später leider vielfach in Vergessenheit geraten sind. Emotionale Duselei war verpönt in der revolutionären Ära. Vernunft hieß die neue Gottheit. Wobei man Mozart Gefühl nicht absprechen kann. Aber auch Experimentierfreude gehörte zu dessen Vorlieben, wie im Dissonanzquartett genannten Quartett C-Dur, VV 465 unter Beweis gestellt.

Gar nicht Dissonanz hingegen die Interpretation der vier Kölner Streicher. Es handle sich um temperaturempfindliche Instrumente, bemühte sich Gerhardus zu erläutern, daher solle das Publikum es bitte nachsehen, wenn die Violinen während des Stückes nachgestimmt werden müssten. Mit zwei Werken, unter anderem von Johann Nepomuk Hummel, wurde dem vehementen Wunsch nach einer Zugabe stattgegeben. Der voll besetzte Renaissance-Saal des Fuggerschlosses bewies wieder, dass auch keine „Mainstream-Komponisten“ auf Interesse stoßen. In dieser Hinsicht konnte Weißenhorn Klassik Ignaz Josef Pleyel erfolgreich rehabilitieren.

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