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19.03.2008

Weißenhorn und Peking: Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Da tschia hao - Hallo Leute! Mein Name ist Sabrina Weithmann. Ich studiere im vierten Semester Chinesisch und bin an der Universität in Würzburg eingeschrieben. Da es in meinem Studiengang sehr wichtig ist, das Gelernte in die Praxis umzusetzen, bin ich für ein halbes Jahr als Austauschstudentin an der Peking-Universität in China.

Es wurde zwar nahezu alles vorab von der Universität für mich und 57 weitere Kommilitonen organisiert, aber trotzdem verhindert dies nicht, dass uns immer wieder Steine in den Weg gelegt werden. So bekam ich beispielsweise mit einer Freundin eine Wohnung zugeteilt, bei der sich bei Ankunft herausstellte, dass wir zwei Langhaarkatzen als Mitbewohner haben, die noch dazu nicht stubenrein sind. Wir sind dann sofort umgezogen, in eine Wohnung, bei der die Klospülung nicht funktioniert. Der Vermieter wollte diese reparieren, verschwand dann aber um 18 Uhr und meinte, er komme am nächsten Tag um 10 Uhr wieder. Am nächsten Morgen wusste er aber davon nichts mehr und meinte, dass er am Sonntag nicht arbeite und dass er uns das Telefon freischalten lassen wollte, war ihm auch ganz neu.

Aber so ist das Leben in China. Und auch an andere Richtungs- und Zeitangaben muss man sich gewöhnen. Aus 200 Metern wird leicht ein Kilometer und Pünktlichkeit bedeutet, dass eine Toleranz von mindestens einer halben Stunde gegeben ist. Dennoch sind die meisten Pekinger sehr freundliche und hilfsbereite Menschen. Man versteht zwar häufig deren Dialekt nicht, der sich wie ein einziges tiefes Gurgeln anhört, aber mit Händen und Füßen kommt man meist trotzdem an das gewünschte Ziel - oder zumindest in die Nähe davon.

Um mich dem chinesischen Lebensstil anzupassen, habe ich mir auch gleich ein Fahrrad gekauft. Es wurde mir allerdings empfohlen, ein gebrauchtes Rad zu kaufen. Die neuen Räder fallen entweder sofort auseinander oder werden umgehend gestohlen. Also habe ich mich für das kleinere Übel entschieden und ein schlichtes altes Rad mit Korb für umgerechnet zehn Euro gekauft. Wie fast jedes Rad in China hat es kein Licht, keine Gangschaltung und die Bremsen funktionieren schlecht oder gar nicht. Die Verkäuferin schlug mir vor, einfach langsamer zu fahren.

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Generell kann man sagen, dass es das Leben ungemein erleichtert, wenn man sich einfach der Menschenmenge anschließt. Und auch wenn die Menge bei Rot über die Ampel geht oder die Fußgänger einem Bus die Vorfahrt nehmen, sollte man besser mitlaufen, sonst steht man vielleicht alleine an der Stelle, an der kurz darauf ein Taxi vorbeischießt und für einen Einzelnen wird bestimmt nicht gebremst. Die Grundregel lautet: "Wer ängstlich ist, sollte nicht in die Pedale treten" oder "Wer bremst, hat verloren!"

Solches und ähnliches Verhalten führt zwar zu permanenten Staus und mindert die Pekinger Durchschnittsgeschwindigkeit im Straßenverkehr auf zwölf Stundenkilometer. Aber dennoch schließt man sich an, um zu Überleben und um pünktlich zum Unterricht zu kommen, da an der Universität wiederrum die deutsche Pünktlichkeit gilt. Auf dem Universitätsgelände gibt es dann mehr Fußgänger als andere Gefährte und für ein Lächeln und ein Dui bu tschi (Entschuldigung) wird einem ausländischen Student nahezu alles verziehen.

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