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Ulm

09.07.2019

Welche seltenen Tiere in der Blau leben – und welche Gefahren ihnen drohen

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3 Bilder
Enten sind die sichtbarsten Tiere auf der Blau, wie oben auf dem Foto, das im Fischerviertel aufgenommen wurde. Doch es brüten auch die streng geschützten Eisvögel hier.

Plus Von der Schwäbischen Alb fließt das Flüsschen bis in die Donau. Und bringt Arten in die Stadt, die man hier kaum vermuten würde. Die Idee einer Surfwelle stößt deshalb auf Kritik.

Touristen stehen auf einer Blaubrücke im Fischerviertel und fotografieren das Schiefe Haus. Keinem derer, die ihre Kameras und Handys auf das malerische Motiv halten, fällt der kleine Vogel auf, der durch das Wasser der Blau taucht und blitzschnell unter die Brücke wuselt: An der Blau leben und brüten – mitten im Stadtgebiet – Wasseramseln, deren Lebensweise sehr eng an klare, strömungs- und sauerstoffreiche Fließgewässer gebunden ist.

Für geschützte und bedrohten Arten bietet die Blau ideale Lebensbedingungen

Dass unter der Brücke gerade ein Gebirgsstelzenpaar durchfliegt, fällt den Stadtbesuchern ebenso wenig auf. Doch die Blau, ein in seiner ganzen Länge geschütztes Fauna-Flora-Habitat, ist ein ganz besonderes Gewässer: Auch wenn sie durch die Innenstadt fließt. Sie ist außergewöhnlich artenreich, unter Wasser wie über dem Wasser, und bietet sogar geschützten und bedrohten Arten ideale Lebensbedingungen. Harald Bayler vom Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm, der Pächter der Blau ist, ist ein begeisterter Naturfotograf und Naturbeobachter. Der Reichtum der Blau an Insektenlarven begründet neben dem Umstand, dass die Blau krautige, schlammige und kiesige Bereiche aufweist, diesen Artenreichtum, sagt er. Doch Bedrohungen durch menschliches Verhalten gibt es gerade in der Innenstadt für dieses Gewässer.

Bachforelle, Äsche, Döbel und Hecht gibt es in der Blau

Wer Glück hat und sich Zeit zum Beobachten nimmt, kann direkt beim Spielplatz an der Blau um unteren Ende des Lautenberges einen Aal in der Blau entdecken. „In der Donau gibt es Aale, die schwimmen auch einmal in die Blau“, erklärt Bayler. Genau hinschauen muss man, um Neunaugen zu sehen, fischähnliche Wirbeltiere, die als „lebende Fossilien“ gelten und auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Doch selbst diese selten gewordenen Tiere leben mitten in der Ulmer Innenstadt im Fluss. Neben den Speisefischen wie Bachforelle, Äsche, Döbel und Hecht gibt es in der Blau auch Mühlkoppen, nachtaktive und Brutpflege betreibende Bodenfische, die nur schlecht schwimmen können und hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellen.

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Der Schiff-Spielplatz an der Blau wird täglich von einer Menge Kindern und ihren Eltern besucht. Dass auch an dieser Stelle Wasseramseln durchs niedrige und schnell fließende Wasser der Blau huschen und nach Insektenlarven wie denen der Köcherfliegen tauchen, fällt kaum jemandem auf. Beim Spielplatz brüten zudem Teichrallen, wegen der Farbe ihrer Füße auch Grünfüßige Teichhühner genannt. Sie stehen auf der Vorwarnstufe der Roten Liste gefährdeter Arten. Und der streng geschützte Eisvogel? Ja, auch Exemplare dieser Art leben und brüten im Ulmer Stadtgebiet an der Blau – in der Weststadt. Wo ganz genau, möchte Harald Bayler zum Schutz der exotisch bunten Tiere nicht verraten.

Auch der Eisvogel brütet

Das Ökosystem Blau, das die Artenvielfalt ermöglicht, funktioniert deshalb so gut, weil das Wasser sauber und sauerstoffreich ist und dennoch genügend Nährstoffe für die Larven von zahlreichen Insektenarten wie Köcherfliegen und Maifliegen enthält, von denen viele der Fisch- und Vogelarten leben. Doch auch wenn sich einige der Vogelarten an der Blau an Menschen in ihrer Nähe gewöhnt haben - menschliches Verhalten gefährdet den Artenreichtum, erklärt Bayler: Die Zahl der Schwarzfischer nehme beängstigend zu, und bei den jährlichen Putzaktionen des Fischereivereins in der Blau sei es kaum zu schildern, was man alles finde - vom Einkaufswagen und dem Rasenmäher angefangen über Autoreifen und riesige Mengen an Flaschen bis hin zu entwendeten Warnbarken mit Blinklichtern, die im Fluss landen. Eine gefährliche Unsitte greife zudem immer stärker um sich: „Leute werfen ganze alte Brotlaibe in die Blau. Vielleicht meinen sie, Tiere damit zu füttern und ihnen etwas Gutes zu tun. Aber weder die Fische noch die Wasservögel können die Brotlaibe fressen, zudem tut vielen Arten Brot nicht gut.“ Die einzigen Tiere, die die Brotlaibe fressen, sind Ratten, weiß er. „Und die werden richtig fett davon und bringen jede Menge Jungtiere durch.“

Von „Stehender Welle“ für Surfer ist der Fischereiverein entsetzt

Vom der aktuellen Idee, auf der Blau eine „Stehende Welle“ für Surfer zu bauen, ist der Fischereiverein entsetzt. Durch überhängendes Grün in der Nähe vom Xinedome biete der Fluss ideale Lebensverhältnisse für viele Arten. Freizeitbetrieb an dieser Stelle vergrämt die Fauna, erklären die Pächter. Wiltrud Spiecker vom NABU Ulm/Neu-Ulm ist ebenfalls überhaupt nicht begeistert.

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„Die Blau steht unter besonderem Schutz. Auch beim Xinedome tobt das tierische Leben im Fluss“, erklärt sie. Aus Naturschutzgründen äußert auch Almut Sattelberger vom BUND Donau/Iller Bedenken gegen das Konzept.

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