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Blaubeuren

27.07.2018

Welterbe: Rätselhafte Ritzungen auf Mammut-Rippe

Die Striche auf dem Mammut-Knochen sind in der Regel sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die sicherlich gezielt platziert wurden.
Bild: Hilde Jensen

Archäologen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum seltenen Fund. Wie die Knochen wohl genutzt wurden.

Schon vor mehr als 30000 Jahren nutzten Menschen die Rippenknochen großer Tiere als Werkzeuge. Da diese Knochen aber auch ein guter Ersatz für das in der Eiszeit knappe Brennholz waren, sind nur relativ wenige erhalten geblieben. Einen davon haben Archäologen am Donnerstag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren präsentiert – als „Fund des Jahres“. Denn er macht neue Interpretationen über die Nutzung solcher Knochen in der Altsteinzeit möglich.

Wie Professor Nicholas Conard, Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen, und seine Grabungsmannschaft berichten, stammt dieser Fund aus der Welterbe-Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alb. Conard präsentierte den Mammut-Knochen am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (Urmu), dessen wissenschaftlicher Direktor er ist. Es handelt sich um die Rippe eines Mammuts, die in der Wohnhöhle der Altsteinzeit gefunden wurde und zwischen 35000 und 30000 Jahre alt ist. Das Stück ist 44 Zentimeter lang, 5,1 Zentimeter breit und 2,1 Zentimeter dick. Außergewöhnlich sind die Spuren der Bearbeitung, der Nutzung und die Markierungen darauf. Die Enden wurden abgerundet beziehungsweise abgebrochen. Besonders auffällig ist die dickere Kante der Rippe: Sie weist zwei Reihen von Markierungen auf. Eine zeigt 83, die andere 90 Striche. An anderer Stelle weist die Rippe weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf. Alle Markierungen sind sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden, so die Forscher. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden vermutlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.

Vergleichsstücke sind selten

„Die entscheidende Frage ist nun, welche Funktion dieser Fund besaß“, sagt Conard. Obwohl viele Funde aus dieser Zeit Markierungen tragen, seien Vergleichsstücke aus Südwestdeutschland selten. Auch in anderen Regionen der Welt gebe es keine optimalen Vergleichsfunde. Conard sagt: „Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente.“

Genau lasse sich nicht sagen, welche Art von Information hier festgehalten wurde. Die Ausgräber vermuten, dass etwas gezählt wurde. „Aber es ist unbekannt, ob es hier um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging“, fährt Conard fort. Eine Art Kalender sei zwar naheliegend. Doch die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für die Wissenschaftler kein klares System.

„Fund des Jahres“ im Urgeschichtlichen Museum Urmu

Die Mammutrippe wird bis Anfang Januar 2019 im Urmu als „Fund des Jahres“ ausgestellt. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des Urmu, sagt: „Ob wir es hier mit kalendarischen Vermerken, mit Notizstrichen von komplizierten Arbeitsschritten oder mit einem altsteinzeitlichen Spiel zu tun haben, wissen wir nicht. Wir freuen uns aber darauf, mit unseren Besuchern eine spannende Diskussion darüber zu führen, wofür die Reihen aus 13, 83 und 90 Strichen wohl stehen könnten.“ Kölbl kündigt an, im Museum sowie auf Facebook Ideen zu den Ritzungen auf der Rippe zusammenzutragen.

Das Urmu liegt inmitten der Steinzeithöhlen, die von der Unesco im Juli 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Es stellt das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40000 Jahren vor. Bekanntestes Ausstellungsstück ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“. (az)

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